Wenn Stromleitungen zu Überspannungsschäden führen

 - 

(verpd) Erleidet ein Kunde eines Energieversorgers wegen einer defekten Leitung einen Schaden, so hat er in der Regel keinen Anspruch auf Schadenersatz. Das hat das Oberlandesgericht Hamm mit einem kürzlich veröffentlichten Beschluss entschieden (Az. 11 U 145/12).

Ein Ehepaar hatte einen Energieversorger auf Schadenersatz verklagt. Grund war eine Überspannung durch ein auf ihrem Grundstück vor circa 20 Jahren verlegtes Erdkabel, wodurch ein Schaden in Höhe von rund 4.500 € unter anderem an den Haushaltsgeräten verursacht wurde.

Fehlende Wartung

Die Kläger machten den für das Kabel zuständigen Energieversorger für den Schaden verantwortlich. Denn hätte dieser das von ihm betriebene Stromnetz in regelmäßigen Zeitabständen gewartet und kontrolliert, so wäre es ihrer Meinung nach nicht zu dem Schaden gekommen. Dieser Verpflichtung sei der Versorger jedoch nicht nachgekommen.

Im Übrigen habe es der Energieversorger versäumt, seine Kunden auf die Möglichkeit von Überspannungen sowie mögliche Schutzmaßnahmen hinzuweisen. Er sei daher auch aus dem Gesichtspunkt der Verletzung der seinen Kunden gegenüber bestehenden Beratungs- und Fürsorgepflichten zum Schadenersatz verpflichtet.

Doch dem wollten sich die Richter des Hammer Oberlandesgerichts nicht anschließen. Sie wiesen die Klage als unbegründet zurück.

Eine Frage der wirtschaftlichen Zumutbarkeit

Die Richter bestritten zwar nicht, dass ein Energieversorger gemäß Paragraf 11 EnWG (Energiewirtschafts-Gesetz) dazu verpflichtet ist, sein Leitungsnetz sicher zu betreiben und zu warten. Diese Verpflichtung sei jedoch auf das wirtschaftlich Zumutbare begrenzt.

Ohne dass dafür ein besonderer Anlass vorliegt, ist der Versorger daher nicht zu regelmäßigen Kontrollen verpflichtet. Das gilt nach Meinung der Richter insbesondere für in der Erde verlegte Leitungen. „Denn ein Freilegen derartiger Kabel zum Zwecke der Kontrolle ist wirtschaftlich ebenso wenig zumutbar wie eine Kontrolle mittels sogenannter Isolationsmessungen“, so das Gericht.

Nach Ansicht der Richter war der Energieversorger auch nicht dazu verpflichtet, die Kläger auf die Möglichkeit von Überspannungs-Schutzmaßnahmen hinzuweisen. Denn deren Umfang sowie die Frage, ob überhaupt eine Notwendigkeit zu derartigen Maßnahmen bestehe, hänge von den beim jeweiligen Kunden vorhandenen technischen Geräten ab. Zu einer dadurch bedingten individuellen Beratung jedes einzelnen Kunden ist ein Energieversorger jedoch nicht verpflichtet.

Schutz gegen Überspannungsschäden

Wie der Fall zeigt, ist es für jeden, der einen Haushalt hat, sinnvoll, sich gegen Überspannungsschäden so gut wie möglich zu schützen. Möglich ist dies zum Beispiel mit sogenannten Grob- und Feinschutzgeräten. Grobschutzgeräte, die ein Elektrofachunternehmen im Verteilerkasten installieren kann, verhindern, dass Fehlstrom, der durch einen Blitzeinschlag im Umkreis von mehreren Hundert Metern entstehen kann, in den Hausstromkreis fließt.

Um Endgeräte wie Fernseher, Stereoanlagen und Computer vor den Folgen einer Überspannung zu schützen, werden zudem spezielle Feinschutzstecker, die einfach zwischen Steckdose und Gerät eingefügt werden, angeboten. Der Feinschutz kann die Restenergie abfangen, die trotz der anderen Absicherungen durchgedrungen ist. Doch selbst bei einer Komplettabsicherung des Gebäudes mit technischen Überspannungs-Schutzsystemen können Schäden auftreten.

Es gibt aber auch eine finanzielle Absicherung. Zwar sind Schäden ohne die direkte Einwirkung eines Blitzes, also reine Überspannungsschäden an Elektrogeräten und an der Heizungssteuerung, weder in der Hausrat- noch in der Gebäudepolice automatisch abgedeckt, wenn dies nicht separat in der Police vereinbart ist. Allerdings kann dieses Risiko gegen einen kleinen Prämienzuschlag im jeweiligen Vertrag mitversichert werden.

Weitere News zum Thema

  • Wenn Kunden nicht zahlen

    [] (verpd) Selbst eine gut gehende Firma kann schnell in finanzielle Schwierigkeiten kommen, wenn ein Großteil ihrer Forderungen, die sie gegenüber ihren Kunden aufgrund Warenlieferungen oder erbrachten Dienstleistungen hat, nicht bezahlt wird. Wie sich Unternehmen davor schützen können. mehr

  • Der passende Versicherungsschutz für die eigene Immobilie

    [] (verpd) Jeder, der ein Haus hat oder sich anschaffen möchte, sollte auch an die möglichen Risiken, die zur Beschädigung oder Zerstörung der Immobilie führen können, denken, und die finanziellen Folgen entsprechend absichern. Anderenfalls kann beispielsweise ein Blitzschlag oder ein sonstiger Unwetterschaden schnell zum finanziellen Ruin führen. mehr

  • Wie Unternehmer Einbrecher abschrecken können

    [] (verpd) 2015 verzeichnete die Polizei rund 89.000 Einbruchdiebstähle in Gewerbeobjekte. Der Gesamtschaden durch Einbrecher beträgt jährlich mehrere Hundert Millionen Euro. Ein umsichtiges Verhalten und geeignete Vorkehrungen könnten jedoch einige Schäden verhindern oder zumindest die Schadenhöhe reduzieren. Tipps dazu gibt es von der Versicherungswirtschaft und der Polizei. mehr

  • Wovor sich Unternehmen am meisten fürchten

    [] (verpd) Betriebsunterbrechungen werden global betrachtet aus Unternehmenssicht am meisten gefürchtet. Weiter zugenommen hat nach einer aktuellen Studie eines Versicherers die Gefahrenwahrnehmung von Cybervorfällen, die in Deutschland sogar erstmals als größtes Geschäftsrisiko gesehen werden. mehr

  • Katastrophenwarnung per Handy

    [] (verpd) Wer rechtzeitig darüber informiert ist, dass ein Unwetter, zum Beispiel Sturm oder Hagel oder eine sonstige Katastrophe zu erwarten ist, kann sich und eventuell auch sein Hab und Gut entsprechend absichern und das Schadenrisiko auf ein Minimum reduzieren. Entsprechende Apps auf Smartphones und Tablets machen dies möglich. mehr

Weitere News zum Thema

schließen

Link empfehlen

Mit der Inanspruchnahme des Services willigen Sie in folgende Vorgehensweise ein:

Ihre eigene E-Mail-Adresse und die des Empfängers werden nur zu Übertragungszwecken verwendet - um den Adressaten über den Absender zu informieren, bzw. bei einem Übertragungsfehler eine Benachrichtigung zu übermitteln. Um einen Missbrauch dieses Services zu vermeiden, wird Geldtipps.de die Identifikationsdaten (IP-Adresse) jedes Nutzers der versandten E-Mail in Form eines E-Mail-Header-Record (X-Sent-by-IP) beifügen und für einen Zeitraum von zwei Monaten speichern. Sofern Dritte glaubhaft machen, dass sie durch die Versendung eines Artikels im Rahmen dieses Services in ihren Rechten verletzt wurden, wird Geldtipps.de die Identifikationsdaten zur Rechtsverfolgung herausgeben.