Fahrzeugschaden durch Dachlawine

 - 

(verpd) Besteht keine generelle Verpflichtung zur Anbringung von Schneefanggittern, so müssen Hausbesitzer in der Regel nicht für durch Dachlawinen verursachte Schäden aufkommen.

Das hat das Amtsgericht Hannover in einem Urteil entschieden (Az. 438 C 12642/13).

Eine Frau hatte ihren Personenkraftwagen in einer Dezembernacht im Jahre 2010 in Hannover vor einem Haus geparkt. In dieser Nacht stürzte eine Schneelawine vom Dach des Hauses und begrub das Fahrzeug unter sich. Bei dem Zwischenfall wurden die Dachhaut, der Dachhimmel und die Frontscheibe des Autos schwer beschädigt. Die Reparaturkosten betrugen fast 2.400 €.

Die Fahrzeugbesitzerin verklagte den Eigentümer des Gebäudes auf Zahlung von Schadenersatz. Ihr Argument: Dieser wäre angesichts der herrschenden Witterungsverhältnisse dazu verpflichtet gewesen, ein Schneefanggitter an dem Dach anzubringen oder zumindest durch das Aufstellen eines Schildes vor den Gefahren durch Dachlawinen zu warnen. Ohne Erfolg. Das Amtsgericht Hannover wies die Klage als unbegründet zurück.

Keine Verletzung der Verkehrssicherungs-Pflicht

Nach Ansicht des Gerichts kann dem beklagten Gebäudebesitzer keine Verletzung der ihm obliegenden Verkehrssicherungs-Pflicht vorgeworfen werden. Denn in Hannover gibt es keine generelle Verpflichtung zur Anbringung von Schneefanggittern. Derartige Maßnahmen sind weder gesetzlich vorgeschrieben noch in der Stadt an der Leine ortsüblich. Aus dem gleichen Grund war der Beklagte auch nicht dazu verpflichtet, Warnschilder aufzustellen.

Das Gericht gab allerdings zu bedenken, dass sich das ändern könnte. Denn sollten die extremen Schneeverhältnisse, wie sie im Winter 2010/2011 herrschten, in Zukunft eher zur Regel werden, so müsste über die Frage der Erforderlichkeit von Schneefanggittern künftig möglicherweise anders entschieden werden, so das Gericht.

Schutz für Pkw-Inhaber ...

Im konkreten Fall waren die extremen Witterungsverhältnisse nicht zu übersehen. Nach Ansicht des Gerichts hätte der Klägerin daher bewusst sein müssen, dass ihr Auto durch Dachlawinen gefährdet ist. Sie hätte sich daher überlegen müssen, es möglicherweise auf einem anderen, weniger gefährdeten Parkplatz abzustellen.

Übrigens: Schäden durch Dachlawinen, die nicht vom Gebäudebesitzer erstattet werden, sind in der Regel durch eine Vollkaskoversicherung abgedeckt, sofern das beschädigte Auto entsprechend versichert war. Manche Versicherer decken derartige Schäden inzwischen auch in einer Teilkaskoversicherung ab. Um als Autobesitzer sicherzugehen, dass solche Schäden abgedeckt sind, empfiehlt sich ein Blick in die bestehende Kfz-Versicherungs-Police und die zugrundeliegenden Bedingungen oder auch die Nachfrage beim Versicherer oder Versicherungsfachmann.

... und Gebäudebesitzer

Nicht immer kommen Gebäudebesitzer bei Beschädigungen durch Dachlawinen so gut weg wie der Beklagte im dem genannten Gerichtsfall. So wurden in der Vergangenheit auch Hausbesitzer, deren Gebäude sich ebenfalls in einem bekanntermaßen schneearmen Gebiet befand, dazu verurteilt, sich an dem Schaden eines Fahrzeughalters zumindest anteilig zu beteiligen. Entsprechende Urteile fällten die Landgerichte Bielefeld (Az. 2 O 50/11), Detmold (Az. 10 S 121/10), Bruchsal (Az. 3 C 81/10) und Magdeburg (Az. 5 O 833/10).

Eine Gebäudehaftpflicht-Versicherung ist daher für jeden Gebäudeinhaber wichtig. Diese zahlt nämlich nicht nur Schäden, die durch ein fahrlässiges Verhalten des Gebäudebesitzers verursacht werden, sondern wehrt auch unberechtigte Ansprüche notfalls vor Gericht ab. Der Inhaber eines selbst genutzten Einfamilienhauses hat übrigens den Gebäude-Haftpflichtschutz in der Regel kostenlos in einer bestehenden Privathaftpflicht-Versicherung mitversichert.

Weitere News zum Thema

  • So bleibt ein Schaden an der Photovoltaikanlage bezahlbar

    [] (verpd) Nach Angaben der Bundesnetzagentur gibt es hierzulande rund 1,6 Millionen Photovoltaikanalgen, die auf Hausdächern, aber auch auf Feldern installiert sind. Alleine eine solche Stromerzeugungsanlage auf einem Wohngebäude kostet einige Tausend Euro. Es gibt allerdings diverse Risiken, die zu einer Beschädigung oder Zerstörung der Anlage führen können. Das daraus resultierende Kostenrisiko lässt sich jedoch mit bestimmten Versicherungspolicen absichern. mehr

  • Einbruchrisiko mit staatlicher Hilfe minimieren

    [] (verpd) Früher wurde der Einbau von Einbruchschutz-Maßnahmen nur dann staatlich gefördert, wenn gleichzeitig eine energetische Sanierung beziehungsweise ein seniorengerechter Umbau vorgenommen wurde. Mittlerweile werden aber auch Einzelmaßnahmen unterstützt und zwar entweder durch einen Zuschuss oder durch einen zinsgünstigen Kredit. mehr

  • Damit ein Brand im Betrieb nicht den Ruin bedeutet

    [] (verpd) Viele Firmeninhaber, die sich über die Folgen eines Brandes im Betrieb Gedanken machen, haben in erster Linie die daraus entstehenden Sachschäden am Geschäftsgebäude und der Einrichtung sowie an den Maschinen, Waren und Vorräten im Blick. Dabei ist das Schadenrisiko noch deutlich höher, denn wegen eines Brandes kommt es nicht selten auch zu Störungen des Betriebsablaufs bis hin zum Betriebs- oder Produktionsstillstand und damit unter anderem zu Ertragsausfällen. mehr

  • Kostspielige Untertreibung

    [] (verpd) Wer glaubt, dass es für ihn günstiger ist, wenn er bei der Beantragung einer Sachversicherung wie zum Beispiel einer Hausratpolice eine niedrigere Versicherungssumme angibt, als die zu versichernden Gegenstände tatsächlich wert sind, der irrt. Denn im Schadenfall kann diese Schummelei ein x-Faches von dem kosten, was die niedrigere Versicherungssumme an Prämienersparnis gebracht hätte. mehr

  • Jeder Dritte hat Angst vor einem Einbruch

    [] (verpd) Im Jahr 2016 haben die Hausratversicherer nach vorläufigen Zahlen für 140.000 verübten Wohnungseinbrüchen in Wohnungen oder Häusern, für die eine Hausratversicherung bestand, die Summe von 470 Millionen Euro an Versicherungsleistungen erbracht. Das geht aus dem Einbruch-Report des Gesamtverbands der Deutschen Versicherungswirtschaft e.V. (GDV) hervor. mehr

Weitere News zum Thema

schließen

Link empfehlen

Mit der Inanspruchnahme des Services willigen Sie in folgende Vorgehensweise ein:

Ihre eigene E-Mail-Adresse und die des Empfängers werden nur zu Übertragungszwecken verwendet - um den Adressaten über den Absender zu informieren, bzw. bei einem Übertragungsfehler eine Benachrichtigung zu übermitteln. Um einen Missbrauch dieses Services zu vermeiden, wird Geldtipps.de die Identifikationsdaten (IP-Adresse) jedes Nutzers der versandten E-Mail in Form eines E-Mail-Header-Record (X-Sent-by-IP) beifügen und für einen Zeitraum von zwei Monaten speichern. Sofern Dritte glaubhaft machen, dass sie durch die Versendung eines Artikels im Rahmen dieses Services in ihren Rechten verletzt wurden, wird Geldtipps.de die Identifikationsdaten zur Rechtsverfolgung herausgeben.