Eine Wohngebäudeversicherung ist auch für Mieter da

 - 

(verpd) Verursacht ein Mieter einen Schaden an der Mietsache, der im Rahmen einer Wohngebäudeversicherung versichert ist, so ist sein Vermieter in der Regel dazu verpflichtet, diese Versicherung in Anspruch zu nehmen. Das hat der Bundesgerichtshof (BGH) mit einem Urteil am 19.11.2014 entschieden (Az. VIII ZR 191/13).

Ein zwölfjähriges Mädchen hatte beim Erhitzen von Öl einen Brandschaden in der Küche der von ihren Eltern gemieteten Wohnung verursacht, bei dem auch das Gebäude in Mitleidenschaft gezogen wurde. Als der Vermieter daraufhin die Eltern als Mieter beziehungsweise deren bestehende Privathaftpflicht-Versicherung in Anspruch nehmen wollte, verwies ihn der Haftpflichtversicherer an seinen eigenen Wohngebäudeversicherer.

Der Vermieter lehnte jedoch die Inanspruchnahme seiner von ihm abgeschlossenen Gebäudeversicherung, deren Beitrag laut Mietvertrag anteilig auch auf den Mieter umgelegt wurde, ab. Als Begründung gab der Vermieter an, dass dadurch möglicherweise die Versicherungsprämie zu Lasten auch jener Mieter erhöht werde, die mit der Verursachung des Brandes nichts zu tun hatten.

Wertvolle Expertentipps für Ihre Geldanlagen erhalten Sie in unserem umfassenden Ratgeber Der GeldBerater.

Vom Nutzen einer Wohngebäudeversicherung

Auch auf die Forderung des Mieters, den Brandschaden beseitigen zu lassen, ließ sich der Vermieter nicht ein, da das seiner Meinung nach die Sache des Mieters selbst sei. Denn schließlich habe dessen Tochter den Schaden verursacht. Der Mieter hat nach Meinung des Vermieters daher auch kein Recht, die Miete zu mindern. Dagegen wehrte sich der Mieter vor Gericht.

Den Ansichten des Vermieters schlossen sich auch die Richter des Bundesgerichtshofs (BGH) nicht an. Ebenso wie die Vorinstanzen gaben auch sie der Klage des Mieters auf Beseitigung der Schäden durch seinen Vermieter sowie auf eine vorübergehende Minderung der Miete statt. Nach Meinung des BGH darf ein Mieter erwarten, als Gegenleistung für eine (anteilig) von ihm getragenen Versicherungsprämie im Schadenfall einen Nutzen von der Versicherung zu haben.

Das komme nicht zuletzt dadurch zum Ausdruck, dass nach ständiger Rechtsprechung ein Rückgriff eines Wohngebäude-Versicherers auf den Mieter durch einen stillschweigenden Regressverzicht dann ausgeschlossen ist, wenn der Vermieter die Versicherung in Anspruch nimmt. Denn in so einem Fall stehe ein Mieter im Ergebnis so da, als hätte er die Versicherung selbst abgeschlossen.

Kein vernünftiges Interesse

Ein vernünftiges Interesse eines Vermieters daran, anstatt der Versicherung seinen Mieter in Anspruch zu nehmen, sieht der BGH nicht. Ein Vermieter ist in der Regel vielmehr dazu verpflichtet, auf die Versicherung zurückzugreifen oder aber gegenüber dem Mieter auf Schadenersatzansprüche zu verzichten. In dem entschiedenen Fall hat der Mieter daher nicht nur einen Anspruch darauf, dass sein Vermieter den Brandschaden beseitigen lässt. Er darf bis zu dessen Beseitigung auch die Miete mindern.

Auch andere Gerichtsurteile des Bundesgerichtshofes (am 13.9.2006, Az. IV ZR 378/02, und am 20.12.2006, Az. VIII ZR 67/06) hatten die Frage zu klären, wann ein Mieter für einen angerichteten Gebäudeschaden aufkommen muss beziehungsweise von der Gebäudeversicherung des Vermieters in Regress genommen werden kann.

Hier wurde klargestellt, dass ein Mieter für Schäden, die er fahrlässig verursacht hat, nicht zahlen muss, wenn diese durch eine Versicherung des Vermieters, wie eine Gebäudepolice, abgedeckt sind und der Mieter im Rahmen der Nebenkosten anteilig die entsprechende Versicherungsprämie bezahlt.

Weitere News zum Thema

  • Überschwemmungsschäden: Fast alle Häuser sind versicherbar

    [] (verpd) Deutschlandweit sind nach Angaben des Gesamtverbandes der Deutschen Versicherungswirtschaft e.V. (GDV) nur vier von zehn Wohngebäuden gegen Überschwemmungsschäden versichert. Dabei gibt es keine Region hierzulande, die nicht von Starkregen oder Hochwasser betroffen sein kann. Außerdem gibt es keine Garantie, dass der Staat im Schadenfall den Betroffenen mit Zuschüssen hilft. mehr

  • In welchen Städten die meisten Fahrräder geklaut werden

    [] (verpd) Berlin war im vergangenen Jahr wie in den letzten Jahren auch nach absoluten Zahlen die Hauptstadt der Fahrraddiebe. In Relation zur Einwohnerzahl liegt jedoch Münster auf dem ersten Platz bei den gestohlenen Velos. Zudem erreichte die Schadensumme, die Hausratversicherer insgesamt an ihre Kunden wegen eines versicherten Fahrraddiebstahls ausbezahlt haben, einen neuen Höchstwert – und das, obwohl die Zahl der gestohlenen versicherten Räder im Vergleich zum Vorjahr gleich war. mehr

  • Blitz und Donner: So schützen Sie sich vor Schäden

    [] (verpd) Gewitter und Blitze können zwar das ganze Jahr über entstehen, doch gerade in den Sommermonaten treten sie besonders häufig auf. Daher ist es wichtig zu wissen, wie man sich und sein Hab und Gut so weit es geht vor möglichen Blitzschäden schützen kann. mehr

  • Eine passende Absicherung für das Elektrofahrrad

    [] (verpd) Nach Angaben des Zweirad-Industrie-Verbandes e.V. (ZIV) besitzen die Bürger hierzulande mittlerweile rund drei Millionen Elektrofahrräder. Da diese Pedelecs und E-Bikes nicht selten 1.000, 2.000 Euro oder noch mehr kosten, ist es umso ärgerlicher, wenn einem so ein Rad gestohlen wird, oder man es bei einem selbst verschuldeten Sturz beschädigt. Es gibt jedoch Versicherungslösungen, die in solchen Fällen die Reparatur- oder Anschaffungskosten übernehmen. mehr

  • Jeder dritte Cyberangriff gelingt

    [] (verpd) Die Mehrheit der Unternehmen hat ein hohes Vertrauen in ihre Sicherheitsstrategien, wenn es um die Abwehr von Cyberkriminellen geht, so das Ergebnis einer aktuellen Studie. Allerdings zeigte die Untersuchung auch, dass es im Durchschnitt monatlich zwei bis drei erfolgreiche Cyberattacken auf Unternehmen gibt. Ein guter Teil der Angriffe wurde allerdings gar nicht durch die IT-Sicherheitsteams selbst entdeckt. Dennoch glaubt die Mehrheit der für IT-Sicherheit Verantwortlichen in Deutschland bei der Abwehr von Angriffen gut gerüstet zu sein. mehr

Weitere News zum Thema

schließen

Link empfehlen

Mit der Inanspruchnahme des Services willigen Sie in folgende Vorgehensweise ein:

Ihre eigene E-Mail-Adresse und die des Empfängers werden nur zu Übertragungszwecken verwendet - um den Adressaten über den Absender zu informieren, bzw. bei einem Übertragungsfehler eine Benachrichtigung zu übermitteln. Um einen Missbrauch dieses Services zu vermeiden, wird Geldtipps.de die Identifikationsdaten (IP-Adresse) jedes Nutzers der versandten E-Mail in Form eines E-Mail-Header-Record (X-Sent-by-IP) beifügen und für einen Zeitraum von zwei Monaten speichern. Sofern Dritte glaubhaft machen, dass sie durch die Versendung eines Artikels im Rahmen dieses Services in ihren Rechten verletzt wurden, wird Geldtipps.de die Identifikationsdaten zur Rechtsverfolgung herausgeben.