Wenn Stehen die Gesundheit ruiniert

 - 

(verpd) Ein sogenannter Fersensporn ist grundsätzlich nicht als Berufskrankheit anzuerkennen. Ein betroffener Beschäftigter hat daher keinen Anspruch auf Leistungen durch die gesetzliche Unfallversicherung.

Das hat das Sozialgericht Karlsruhe entschieden (S 1 U 3803/14).

Ein im Jahr 1954 geborener Mann war über lange Jahre als Maschinenbediener tätig. Er übte seinen Beruf überwiegend stehend auf harten Industriefußböden aus. Im Laufe der Zeit bildete sich an beiden Füßen ein sogenannter Fersensporn. Das führte der Arbeitnehmer auf die berufsbedingte Überlastung seiner Füße zurück. Er beantragte daher bei der für ihn zuständigen Berufsgenossenschaft, die Erkrankung als Berufskrankheit anzuerkennen.

Denn ein Fersensporn sei mit einer Erkrankung der Sehnenscheiden vergleichbar, für die unter bestimmten Voraussetzungen Leistungen durch die gesetzliche Unfallversicherung beansprucht werden könnten. Nachdem die Berufsgenossenschaft seine Forderung als unbegründet zurückgewiesen hatte, hatte der Mann auch mit seiner beim Karlsruher Sozialgericht eingereichten Klage keinen Erfolg.

Verweis auf Berufskrankheiten-Verordnung

Nach Überzeugung der Richter gehört ein Fersensporn nämlich nicht zu den Gesundheitsstörungen, die in der Anlage 1 zur Berufskrankheiten-Verordnung aufgeführt sind. Ein Fersensporn sei insbesondere keine Erkrankung der Sehnenscheiden oder des Sehnengewebes sowie der Sehnen- und Muskelansätze im Sinne der Nummer 2101 der Verordnung.

Darunter sei nämlich nur eine Entzündung der Sehnenoberfläche und der Sehnenscheiden beziehungsweise des umgebenden Gewebes zu verstehen, die Folge einer sich ständig wiederholenden einseitigen berufsbedingten Bewegung sei.

Diese Voraussetzung erfülle der Kläger allein schon deswegen nicht, weil er seine Fersensporn-Erkrankung auf eine berufsbedingte Belastung durch überwiegendes Stehen zurückführe. Im Übrigen sei ein Fersensporn als knöcherne Ausziehung nicht mit dem Krankheitsbild einer Sehnenscheiden-Entzündung vergleichbar.

Keine „Wie-Erkrankung“

Nach Ansicht der Richter besteht auch keine Möglichkeit, die Erkrankung des Klägers als sogenannte „Wie-Berufskrankheit“ anzuerkennen. „Denn nach den eingeholten Auskünften gibt es keine neuen Erkenntnisse der medizinischen Wissenschaft, dass Maschinenbediener beziehungsweise -einrichter aufgrund beruflicher Belastungen durch überwiegend stehende Arbeiten in erheblich größerem Umfang als die übrige Bevölkerung der Gefahr ausgesetzt sind, sich einen Fersensporn zuzuziehen.“ Der Kläger geht daher leer aus.

Wie der Fall zeigt, ist es nicht immer einfach und manchmal auch nicht möglich, dass auftretende Gesundheitsbeschwerden als Berufskrankheiten anerkannt werden, um die Voraussetzungen für eine Rentenleistung bei Berufskrankheit zu erfüllen. Denn es gibt einige Hürden, damit das Vorliegen einer Berufskrankheit im Einzelfall anerkannt wird. Und selbst wenn eine Anerkennung erfolgt, muss man mit Einbußen im Vergleich zum bisherigen Einkommen rechnen.

Weitere News zum Thema

  • Was bei der halben Vorfahrt zu beachten ist

    [] (verpd) Der Grundsatz, dass sich Verkehrsteilnehmer Kreuzungen, an denen die Vorfahrt nicht mit Schildern geregelt ist, mit mäßiger Geschwindigkeit zu nähern haben, gilt nicht uneingeschränkt. Das hat das Kammergericht Berlin in einem Gerichtsverfahren entschieden (Az. 29 U 45/15). mehr

  • Riskanter Tanz auf der Bierbank

    [] (verpd) Wer beim ausgelassenen Tanz auf einer Bierbank herunterstürzt und sich dabei verletzt, ist für seinen Schaden selbst verantwortlich. Zu dieser Entscheidung kam kürzlich das Oberlandesgericht Stuttgart in einem Urteil (Az. 13 U 165/16). mehr

  • Für ein unfallfreies Zuhause

    [] (verpd) Die meisten Unfälle mit Personenschäden passieren in den eigenen vier Wänden. So verletzen sich nach Schätzungen der Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin und des Robert-Koch-Instituts rund 3,2 Millionen Personen bei Unfällen zu Hause. mehr

  • So viele Radfahrer bei Unfällen verletzt wie noch nie

    [] (verpd) Letztes Jahr wurden bei Verkehrsunfällen fast 86.100 Personen, die auf einem Fahrrad unterwegs waren, verletzt und mehr als 400 Radfahrer getötet. Wie aus den Angaben des Statistischen Bundesamts (Destatis) hervorgeht, gab es damit seit Aufzeichnung der Radunfälle im Jahre 1992 in 2016 die bisher meisten Verkehrsopfer unter den Radfahrern. Die statistischen Daten zeigen zudem, was die Hauptgründe für die Radunfälle waren. mehr

  • Nicht jeder Verkehrskreisel ist ein Kreisverkehr

    [] (verpd) Will ein Fahrradfahrer eine in Form eines Kreises gestaltete Straßenkreuzung überqueren, auf der die Vorfahrtsregelung rechts vor links gilt, muss er sicherstellen, dass er die Kreuzung vor einem von rechts kommenden Fahrzeug räumen kann. Das hat das Oberlandesgericht Hamm entschieden (Az. 9 U 22/16). Diese Regelung gilt auch für alle Kfz-Fahrer. mehr

Weitere News zum Thema

schließen

Link empfehlen

Mit der Inanspruchnahme des Services willigen Sie in folgende Vorgehensweise ein:

Ihre eigene E-Mail-Adresse und die des Empfängers werden nur zu Übertragungszwecken verwendet - um den Adressaten über den Absender zu informieren, bzw. bei einem Übertragungsfehler eine Benachrichtigung zu übermitteln. Um einen Missbrauch dieses Services zu vermeiden, wird Geldtipps.de die Identifikationsdaten (IP-Adresse) jedes Nutzers der versandten E-Mail in Form eines E-Mail-Header-Record (X-Sent-by-IP) beifügen und für einen Zeitraum von zwei Monaten speichern. Sofern Dritte glaubhaft machen, dass sie durch die Versendung eines Artikels im Rahmen dieses Services in ihren Rechten verletzt wurden, wird Geldtipps.de die Identifikationsdaten zur Rechtsverfolgung herausgeben.