Warum Fahrgäste in Bus und Bahn umsichtig sein müssen

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(verpd) Kommt ein Fahrgast eines Busses bei einem Bremsmanöver zu Schaden, so ist dessen Halter in der Regel nicht zum Schadenersatz verpflichtet, hat das Landgericht Bonn in einem jüngst veröffentlichten Urteil entschieden (Az. 5 S 43/12).

Dem Urteil liegt eine Klage eines Arbeitgebers zugrunde, dessen Mitarbeiterin als Fahrgast in einem Bus bei einem scharfen Bremsmanöver von ihrem Sitz geschleudert worden war. Dabei prallte sie gegen eine Festhaltestange, wodurch sie Verletzungen im Gesicht und Nacken erlitt.

Kein ausreichender Schutz?

Sie selbst machte gegenüber dem Halter des Busses keine Schadenersatz- und Schmerzensgeldansprüche geltend. Ihr Arbeitgeber verklagte den Verkehrsbetrieb jedoch auf Erstattung der von ihm geleisteten Lohnfortzahlung.

Seine Forderung begründete er damit, dass seine Angestellte unmittelbar vor dem Zwischenfall ordnungsgemäß auf einem Sitzplatz gesessen und gelesen habe. Dieser Sitzplatz habe jedoch ganz offenkundig keinen ausreichenden Schutz geboten.

Nachdem das Amtsgericht Bonn der Klage stattgegeben hatte, erlitt der Arbeitgeber in der Berufungsverhandlung vor dem Bonner Landgericht eine Niederlage. Denn nach Überzeugung des Gerichts ist die Angestellte des Klägers selbst für ihre Verletzungen verantwortlich.

Auch Mitfahrer müssen aufmerksam sein

Die Fahrgäste eines Busses müssen nämlich stets mit unvorhersehbaren Fahr- und Bremsmanövern rechnen und sich darauf einstellen, indem sie sich während der Fahrt festhalten. Das gilt nach Ansicht der Richter nicht nur für Fahrgäste, die stehen, sondern auch für jene, die sich auf einem Sitzplatz befinden.

Die Verletzte hatte während der Fahrt jedoch unbestritten in einem Buch gelesen, nicht auf den Verkehr geachtet und sich auch nicht festgehalten. Ihr Arbeitgeber hat daher keinen Anspruch auf Erstattung der von ihm geleisteten Lohnfortzahlung.

Kommt ein Fahrgast in einem öffentlichen Verkehrsmittel zu Schaden, weil dessen Fahrer plötzlich scharf bremsen muss, so stehen seine eigenen Chancen, die seiner Krankenkasse und auch die seines Arbeitgebers in der Regel schlecht, einen Ersatz für ihre Aufwendungen zu erhalten. Das geht auch aus den bereits gefällten Urteilen anderer Gerichte hervor.

Persönlicher Schutz

Wer als Fahrgast in Bus und Bahn infolge eigener Unachtsamkeit durch ein Fahr- oder Bremsmanöver verletzt wird oder gar einen bleibenden Schaden davonträgt, dem droht ohne eine private Unfall-, Invaliditäts- oder Berufsunfähigkeits-Versicherung ein finanzielles Desaster.

Denn meist gibt es nur für Unfälle, die sich auf dem direkten Schul- oder Arbeitsweg ereignen, einen Schutz durch die gesetzliche Unfallversicherung. Freizeitunfälle fallen nicht darunter. Zudem reichen die gesetzlichen Leistungen, die man bei einem anerkannten Wegeunfall erhält, oftmals nicht aus, um den bisherigen Lebensstandard zu halten.

Eine private Unfallversicherung zahlt hingegen für alle versicherten Unfälle, egal ob sie in der Freizeit oder während der Arbeit beziehungsweise auf dem Weg zum Job passiert sind, beispielsweise eine vereinbarte Summe bei Invalidität aus. Damit wäre es unter anderem möglich, sein Eigenheim behindertengerecht umbauen zu lassen. Ist es durch die Schädigung dauerhaft nicht mehr möglich, den erlernten Beruf oder auch irgendeine Erwerbstätigkeit auszuüben, würde eine private Invaliditäts- oder Berufsunfähigkeits-Versicherung mit einer Rentenzahlung einspringen.

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