Vorsicht vor geputzten Treppen

 - 

(verpd) Wer auf einem erkennbar frisch gewischten Fußboden eines Treppenhauses ausrutscht und dabei zu Schaden kommt, hat weder einen Anspruch auf Zahlung von Schadenersatz noch von Schmerzensgeld. Das hat das Amtsgericht München in einem veröffentlichten Urteil entschieden (Az. 454 C 13676/11).

Ein Mieter war in der Wohnanlage, in der er wohnte, auf einem gerade gereinigten und deswegen nassen Fußboden des Treppenhauses ausgerutscht und hatte sich dabei schwer verletzt. Er ist seit dem Unfall zu 50 Prozent schwerbehindert. Seiner Meinung nach hätte seine Vermieterin dafür sorgen müssen, durch das Aufstellen von Schildern vor dem rutschigen Boden zu warnen. Er verklagte sie daher auf Zahlung von Schadenersatz und Schmerzensgeld.

Doch damit hatte er keinen Erfolg. Das Münchener Amtsgericht wies die Klage als unbegründet zurück. Nach Ansicht des Gerichts kann dahingestellt bleiben, ob eine Verpflichtung bestand, Warnschilder aufzustellen. Es war nämlich für den Kläger unmöglich zu übersehen, dass der Fußboden des Treppenhauses frisch gewischt worden war. Das wurde durch Zeugen bestätigt. Diese hatten ausgesagt, dass der Fußboden zum Zeitpunkt des Unfalls sehr nass gewesen sei.

Selbst verschuldet

Unabhängig davon habe das benutzte Reinigungsmittel so stark gerochen, dass jeder Nutzer des Hausflurs allein schon dadurch ausreichend gewarnt worden sei. Das Treppenhaus sei auch ausreichend beleuchtet gewesen. Und es sei auch nicht das erste Mal gewesen, dass nach der Reinigung großflächige nasse Stellen wahrnehmbar waren. Aufgrund dieser Aussagen ging das Gericht von einem vollständigen Mitverschulden des Klägers an seinem Sturz aus.

Er habe bei der Benutzung des Treppenhauses jene Sorgfalt außer Acht gelassen, die nach Lage der Dinge erforderlich schien, um sich selbst vor Schäden zu bewahren. Denn hätte er sich beim Betreten der Stufen ausreichend an dem unstreitig vorhandenen Handlauf festgehalten, so wäre er nach Überzeugung des Gerichts nicht gestürzt. Daher tritt eine mögliche Ersatzpflicht der Vermieterin hinter dem Eigenverschulden des Klägers vollständig zurück. Die Entscheidung ist rechtskräftig.

Wie der Fall zeigt, haftet nicht immer ein anderer für einen erlittenen Unfallschaden. Damit zumindest eine finanzielle Absicherung für mögliche Unfallfolgen wie eine dauerhafte Gesundheitsschädigung besteht, ist es für jeden Einzelnen sinnvoll, sich privat zu versichern. Die Versicherungswirtschaft bietet hierzu diverse Lösungen wie eine private Unfall-, eine Erwerbs- oder Berufsunfähigkeits- oder auch eine Krankentagegeld-Versicherung an.

Weitere News zum Thema

  • Tipps für eine unfallfreie Bergwanderung

    [] (verpd) Ist sonniges Wetter in den Bergen angesagt, entscheiden sich viele kurzentschlossen zu einer Bergwanderung. Doch ohne eine ausreichende Planung bezüglich der Ausrüstung sowie der Wahl der Wanderwege, und ohne der erforderlichen Vor- und Umsicht in den Bergen, kann der Ausflug schnell zum Drama werden. Experten erklären, worauf beim Bergwandern zu achten ist. mehr

  • Sicher mobil – auch im Alter

    [] (verpd) Jahrzehntelange Fahrerfahrung zahlt sich aus, dennoch gibt es immer wieder auch dramatische Unfälle durch ältere Autofahrer. Jeder Einzelne kann jedoch durch eine entsprechende Kontrolle und Präventionsmaßnahmen etwas dafür tun, um auch im Seniorenalter sicher Auto zu fahren. mehr

  • Der Tanzpartner als Unfallrisiko

    [] (verpd) Wer beim Tanzen das Gleichgewicht verliert und stürzt, kann für die Folgen des Sturzes in der Regel nicht seinen Tanzpartner zur Verantwortung ziehen. Das geht aus einem kürzlich vom Oberlandesgericht Frankfurt veröffentlichten Hinweisbeschluss hervor (Az. 13 U 222/16). mehr

  • Wenn der Arbeitnehmer im Homeoffice verunfallt

    [] (verpd) Wer als Angestellter nicht zum Arbeiten in die Firma seines Arbeitgebers geht, sondern seinen Arbeitsplatz zu Hause hat, ist normalerweise auch bei einem Arbeitsunfall gesetzlich unfallversichert. Doch die Abgrenzung, welcher Unfall im Homeoffice als Arbeitsunfall gilt, für den die gesetzliche Unfallversicherung Schutz bietet, und welcher Unfall als Freizeitunfall einzustufen ist, für den kein gesetzlicher Unfallschutz besteht, ist oft schwierig. mehr

  • Inwieweit Hunger den gesetzlichen Unfallschutz kosten kann

    [] (verpd) Unterbricht ein Beschäftigter seinen unmittelbaren Weg zu seiner Arbeit, um in einer Bäckerei sein Frühstück zu besorgen, und kommt auf dem Rückweg zu seinem Auto zu Schaden, so hat er keinen Anspruch auf Leistungen durch die Berufsgenossenschaft. Das hat das Bundessozialgericht vor Kurzem entschieden (Az. B 2 U 1/16 R). mehr

Weitere News zum Thema

schließen

Link empfehlen

Mit der Inanspruchnahme des Services willigen Sie in folgende Vorgehensweise ein:

Ihre eigene E-Mail-Adresse und die des Empfängers werden nur zu Übertragungszwecken verwendet - um den Adressaten über den Absender zu informieren, bzw. bei einem Übertragungsfehler eine Benachrichtigung zu übermitteln. Um einen Missbrauch dieses Services zu vermeiden, wird Geldtipps.de die Identifikationsdaten (IP-Adresse) jedes Nutzers der versandten E-Mail in Form eines E-Mail-Header-Record (X-Sent-by-IP) beifügen und für einen Zeitraum von zwei Monaten speichern. Sofern Dritte glaubhaft machen, dass sie durch die Versendung eines Artikels im Rahmen dieses Services in ihren Rechten verletzt wurden, wird Geldtipps.de die Identifikationsdaten zur Rechtsverfolgung herausgeben.