Von den Gefahren privater Telefonate am Arbeitsplatz

 - 

(verpd) Beschäftigte, die an ihrem Arbeitsplatz im Rahmen eines privaten Telefonats einen Unfall erleiden, stehen in der Regel nicht unter dem Schutz der gesetzlichen Unfallversicherung. Das hat das Hessische Landessozialgericht entschieden (Az. : L 3 U 33/11).

Ein Arbeitnehmer wollte während der Arbeit mit seinem privaten Handy seine Frau anrufen. Weil es an seinem Arbeitsplatz zu laut und die Stärke des Handynetzes zu gering war, begab er sich nach draußen. Als er nach dem zwei- bis dreiminütigen Telefonat an seinen Arbeitsplatz zurückkehren wollte, blieb er aus Unachtsamkeit mit seinem Knie an einer im Eingangsbereich befindlichen Begrenzung hängen. Dadurch erlitt er einen Kreuzbandriss.

Wegen der Unfallfolgen wollte der Mann die Berufsgenossenschaft in Anspruch nehmen. Diese lehnte es jedoch ab, den Zwischenfall als Arbeitsunfall anzuerkennen. Denn Unfälle im Rahmen privater Telefonate stünden grundsätzlich nicht unter dem Schutz der gesetzlichen Unfallversicherung. Mit seiner gegen die Berufsgenossenschaft gerichteten Klage hatte der Verletzte weder beim Sozialgericht noch beim Hessischen Landessozialgericht Erfolg. Sie wurde von beiden Instanzen als unbegründet zurückgewiesen.

Eigenwirtschaftliche Verrichtung

Nach Ansicht der Richter unterbrechen persönliche eigenwirtschaftliche Verrichtungen wie zum Beispiel Essen oder Einkaufen grundsätzlich den Schutz der gesetzlichen Unfallversicherung. Diese Regel ist nach Meinung des Gerichts auch auf private Telefonate während der Arbeitszeit anzuwenden. Auch durch sie wird der Versicherungsschutz unterbrochen. Eine Ausnahme bilden lediglich zeitlich ganz geringfügige Unterbrechungen, die quasi „im Vorbeigehen“ oder „ganz nebenher“ erledigt werden.

Von einer solchen Ausnahme gingen die Richter im Fall des Klägers jedoch nicht aus. Denn er hatte sich vor seinem Unfall mindestens 20 Meter von seinem Arbeitsplatz entfernt und mehrere Minuten mit seiner Frau telefoniert. Daher kann nach Ansicht beider Instanzen nicht von einer nur geringfügigen Unterbrechung der Arbeit ausgegangen werden. Das Hessische Landessozialgericht sah keine Veranlassung, eine Revision zum Bundessozialgericht zuzulassen.

Kein gesetzlicher Rund-um-Schutz

Wie der Fall zeigt, fallen manche Tätigkeiten, selbst wenn sie im unmittelbaren Bereich der Berufsausübung erfolgen, nicht unter den Schutz der gesetzlichen Unfallversicherung. Doch selbst wenn ein gesetzlicher Versicherungsschutz besteht, reichen die Leistungen in der Regel nicht aus, um den unfallbedingten Einkommensverlust und eventuell anfallende Zusatzkosten abzudecken. Die meisten Unfälle passieren zudem in der Freizeit – hier besteht normalerweise grundsätzlich kein gesetzlicher Unfallschutz.

Weitere News zum Thema

  • Gesetzlicher Schutz für Helfer

    [] (verpd) Egal ob bei einer Panne, einem Unfall oder sonstigen Notlage, nicht immer kann sich jemand aus einer solchen für ihn schwierigen oder riskanten Situation selbst helfen. Er benötigt dann Unterstützung durch andere. Doch was, wenn ein Helfer dabei selbst verletzt wird? In der Regel springt in solchen Fällen die gesetzliche Unfallversicherung ein. mehr

  • Wenn Kinder oder Jugendliche einen Unfall mit verschulden

    [] (verpd) Eine Zwölfjährige, die nach dem Aussteigen aus einem Bus unachtsam die Straße überquert und dabei von einem Motorrad überfahren wird, ist trotz ihres Alters überwiegend selbst für die Folgen des Unfalls verantwortlich. Das geht aus einem aktuellen Urteil des Oberlandesgerichts Stuttgart hervor (Az. 13 U 143/16). mehr

  • Unfallursache: Schlaglöcher in der Straße

    [] (verpd) Straßenschäden wie Schlaglöchern oder Rissen im Fahrbahnbelag sind für alle Verkehrsteilnehmer gefährlich. So kann ein Fahrzeug beschädigt werden, wenn der Fahrer versehentlich mit einem Reifen in ein tiefes Schlagloch fährt. Radfahrer und Fußgänger können zudem wegen eines Schlagloches leicht stürzen und sich verletzen. Nicht selten stellt sich in diesen Fällen die Frage, wer für die entstandenen Schäden aufkommen muss. mehr

  • So lernen Kinder spielerisch ihr Unfallrisiko zu minimieren

    [] (verpd) Nicht immer und überall sind die Eltern oder andere Erwachsene dabei, um ein Kind vor Unfällen zu schützen. Deshalb ist es wichtig, dass Kinder selbst erkennen, wenn etwas gefährlich ist, und zwar egal, ob im Straßenverkehr, in der Schule, in der Freizeit oder auch zu Hause. Eine kostenlose App, herausgegeben von der Unfallforschung der Versicherer (UDV,) hilft dabei, dieses Wissen kindgerecht und mit viel Spaß zu vermitteln. mehr

  • Unfallversicherung: Vorschädigung macht nichts

    [] 50-Jährige ohne irgendwelche Schäden an der Wirbelsäule, an Knien, Schultern und Hüfte wird man nur wenige finden. Oft wirken sich Verengungen, Verschleiß oder sogar ein Bandscheibenvorfall zunächst aber im Alltag kaum aus. Kommt es dann zu einem Unfall, werden die vorher latenten Probleme plötzlich akut. Fraglich ist: Hilft dann eine private Unfallversicherung? mehr

Weitere News zum Thema

schließen

Link empfehlen

Mit der Inanspruchnahme des Services willigen Sie in folgende Vorgehensweise ein:

Ihre eigene E-Mail-Adresse und die des Empfängers werden nur zu Übertragungszwecken verwendet - um den Adressaten über den Absender zu informieren, bzw. bei einem Übertragungsfehler eine Benachrichtigung zu übermitteln. Um einen Missbrauch dieses Services zu vermeiden, wird Geldtipps.de die Identifikationsdaten (IP-Adresse) jedes Nutzers der versandten E-Mail in Form eines E-Mail-Header-Record (X-Sent-by-IP) beifügen und für einen Zeitraum von zwei Monaten speichern. Sofern Dritte glaubhaft machen, dass sie durch die Versendung eines Artikels im Rahmen dieses Services in ihren Rechten verletzt wurden, wird Geldtipps.de die Identifikationsdaten zur Rechtsverfolgung herausgeben.