Unfallversicherungsschutz für Studierende bei Skikursen im Ausland und bei Hochschulmeisterschaften?

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Studentinnen und Studenten sind während ihrer Aus- und Fortbildung an Hochschulen in der gesetzlichen Unfallversicherung versichert. Unfälle während der versicherten Tätigkeit sind als Arbeitsunfälle festzustellen und zu entschädigen.

In zwei vom Bundessozialgericht zu entscheidenden Revisionsverfahren hatten Studierende an Sportveranstaltungen teilgenommen und dabei Verletzungen erlitten. Streitig ist jeweils, ob es sich bei den sportlichen Aktivitäten noch um versicherten Hochschulsport handelte (§ 2 Abs 1 Nr 8 Buchstabe c, § 8 Abs 1 SGB VII).

Skikurs in der Schweiz

Die Studentin des ersten Verfahrens (Az. B 2 U 13/13 R) nahm über Silvester 2007/2008 an einem vom Hochschulsport ihrer Universität angebotenen und veranstalteten Sporttouren-Kurs in der Schweiz teil, der auch Externen offenstand. Die Studentin belegte mit anderen mitgereisten Studierenden einen Skikurs für Anfänger, der von einem vom Hochschulsport der Universität gestellten Skilehrer geleitet wurde. Während der Teilnahme an diesem Kurs wurde sie auf der Piste von einem Snowboardfahrer umgefahren und erlitt Knochenbrüche.

Der beklagte Unfallversicherungsträger lehnte die Feststellung als Arbeitsunfall ab, weil die Sportausübung nicht innerhalb des organisierten Übungsbetriebs während fester Zeiten am Hochschulort stattgefunden habe, auch Nichtstudierende hätten teilnehmen können und der Freizeitcharakter im Vordergrund stehe.

Während das Sozialgericht die Klage abgewiesen hat, hat das Landessozialgericht ihr stattgegeben. Der Unfallversicherungsträger rügt mit ihrer Revision, der erforderliche unmittelbare räumliche und zeitliche Zusammenhang der Skifreizeit zur Hochschule habe gefehlt. Die Studentin habe an einer preiswerten mehrtägigen Urlaubsreise ins Ausland teilnehmen wollen, ohne dass ein konkreter Studienbezug bestanden habe.

Hochschulmeisterschaften im Basketball

Der ebenfalls als Student an einer Universität eingeschriebene Kläger des zweiten Verfahrens (Az. B 2 U 10/13 R) gehörte der Basketball-Hochschulmannschaft seiner Universität an und nahm mit ihr an den Deutschen Hochschulmeisterschaften im Basketball teil. Diese wurden vom Allgemeinen Deutschen Hochschulsport organisiert und fanden an einer anderen Universität statt. Während eines Spiels verletzte sich der Student am linken Knie.

Auch hier lehnte die zuständige Unfallkasse des Landes die Feststellung als Arbeitsunfall ab. Ebenso wie beim Betriebssport falle die Teilnahme an Wettkämpfen – wie auch die Teilnahme an Sportfreizeiten – nicht unter den Schutz der gesetzlichen Unfallversicherung. Darüber hinaus sei die Hochschulmeisterschaft nicht im organisatorischen Verantwortungsbereich der Universität des Klägers durchgeführt worden.

Das Sozialgericht hat der Klage stattgegeben und das Landessozialgericht die Berufung der Beklagten zurückgewiesen. Die Unfallkasse rügt mit ihrer Revision, dass für Studierende Versicherungsschutz – wie im Rahmen des Betriebssports – nur für Ausgleichssport, nicht aber für Wettkampf- und Leistungssport bestehe. Allein die finanzielle Förderung durch die Universität reiche nicht aus, um deren organisatorischen Verantwortungsbereich hinsichtlich der an einer anderen Universität stattfindenden Basketball-Hochschulmeisterschaft zu bejahen.

Verhandlung des Bundessozialgerichts

Der 2. Senat des Bundessozialgerichts wird am Donnerstag, dem 4.12.2014, in Kassel, Elisabeth-Selbert-Saal um 10:00 Uhr (B 2 U 13/13 R) und 10:45 Uhr (B 2 U 10/13 R) über die Revisionen der Unfallkassen mündlich verhandeln.

Az. B 2 U 13/13 R, A.-K. P. ./. Unfallkasse Nordrhein-Westfalen

Az. B 2 U 10/13 R, N. B. ./. Unfallkasse Rheinland-Pfalz

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