Unfall auf dem Schul-WC

 - 

(verpd) Grundsätzlich sind alle eigenwirtschaftlichen Tätigkeiten während des Schulbesuchs nicht von der gesetzlichen Unfallversicherung abgedeckt. Wenn sich dabei das besondere Gefahrenmoment verwirklicht, das sich aus dem typischen Gruppenverhalten von Schülern und Jugendlichen ergibt, besteht dennoch Versicherungsschutz.

Das hat die 19. Kammer des Sozialgerichts Osnabrück in einem aktuellen Urteil entschieden (Az. S 19 U 103/12).

Ein Schüler an einem Gymnasium suchte in der Pause zusammen mit einem Mitschüler die Toilette auf. Er wurde, während er sich im Toilettenbereich aufhielt, von einem anderen Mitschüler in den Rücken gestoßen. In der Folge stürzte er und schlug mit dem Oberkiefer an den Eckpfosten einer Toilettenkabine auf. Dabei verlor er ein Stück seines rechten oberen Schneidezahns.

Nicht versicherte Privatsache?

Die gesetzliche Unfallversicherung lehnte den Antrag des Vaters des Schülers ab, dies als Schul- oder Arbeitsunfall zu werten. Ebenso wie Essen und Trinken zähle nach Ansicht des Trägers der gesetzlichen Unfallversicherung der Toilettengang zu den privaten nicht gesetzlich versicherten Tätigkeiten.

Als der Widerspruch dagegen abgelehnt wurde, reichte der Vater als gesetzlicher Vertreter des Schülers vor dem Sozialgericht Osnabrück dagegen Klage ein. Er begründete diese damit, dass die Schüler keine andere Möglichkeit hätten, als während der Schulzeit und im organisatorischen Verantwortungsbereich der Schule die Toilette zu besuchen.

Dagegen wandte der beklagte Unfallversicherungs-Träger ein, dass lediglich der Weg zur Toilette und zurück unfallversichert sei, der Schutz ende mit dem Durchschreiten der Tür, die zu den Sanitäranlagen führt.

Sachlicher Zusammenhang

Das Gericht stellte fest, dass der Versicherungsschutz für Schüler enger definiert ist als der in der gewerblichen Unfallversicherung, weil er sich auf den organisatorischen Verantwortungsbereich der Schule beschränkt. Dies umfasst den Unterricht, die dazwischenliegenden Pausen und die Schulveranstaltungen. Außerhalb dieses Verantwortungsbereichs bestehe in der Regel kein Versicherungsschutz – auch bei Verrichtungen, die wesentlich durch den Schulbesuch bedingt sind.

Im vorliegenden Fall sah das Gericht aber einen sachlichen Zusammenhang zwischen dem Sturz nach dem Schubsen durch den Mitschüler und der versicherten Tätigkeit als Schüler. Hier habe sich das besondere Gefahrenmoment der Schüler-Unfallversicherung verwirklicht, das sich aus der unzureichenden Beaufsichtigung und dem typischen Gruppenverhalten von Schülern und Jugendlichen ergibt.

Denn im „Übungsstadium vom Kind zum werdenden Mann“ zögen diese das Schubsen des Mitschülers einem sachlichen Gespräch vor. Umstände aus dem versicherten Risikobereich hätten im vorliegenden Fall also wesentlich zum Unfall beigetragen. Deshalb sei der Sturz als Schul-/Arbeitsunfall anzuerkennen.

Gesetzlicher Schutz mit Lücken

Wie der Fall zeigt, ist nicht immer klar, ob der gesetzliche Unfallschutz auch wirklich greift. Und obwohl wie in dem genannten Fall ein gesetzlicher Unfallschutz bereits in einigen Bereichen gegeben ist, gibt es zahlreiche Bereiche ohne eine derartige Absicherung. Kein gesetzlicher Unfallschutz besteht zum Beispiel, wenn ein Schüler auf dem Weg zur Schule einen kleinen Umweg nimmt, um einkaufen zu gehen und dabei einen Unfall erleidet. Die meisten Unfälle passieren zudem im Haushalt und in der Freizeit. Hier besteht in der Regel gar kein gesetzlicher Unfallschutz.

Wer sein Kind umfassend absichern möchte, sollte daher eine private Unfallversicherung und/oder eine Invaliditäts-Versicherung abschließen. Die private Unfallpolice bietet im Gegensatz zur gesetzlichen Absicherung einen weltweiten Schutz rund um die Uhr. Sie leistet also bei Unfällen im Beruf und in der Schule, aber eben auch in der Freizeit. Zudem können die nach einem Unfall fälligen Leistungen, eine vereinbarte Kapitalsumme bei Invalidität, Bergungs- und Suchkosten und kosmetische Operationskosten vertraglich entsprechend dem individuellen Bedarf vereinbart werden.

Eine Kinder-Invaliditäts-Versicherung leistet nicht nur bei Unfall, sondern auch bei Krankheit. Sie zahlt eine vereinbarte Invaliditätsrente und/oder eine Kapitalsumme, wenn das versicherte Kind durch einen Unfall oder durch eine Krankheit einen dauerhaften Gesundheitsschaden erleidet.

Weitere News zum Thema

  • Tipps für eine unfallfreie Bergwanderung

    [] (verpd) Ist sonniges Wetter in den Bergen angesagt, entscheiden sich viele kurzentschlossen zu einer Bergwanderung. Doch ohne eine ausreichende Planung bezüglich der Ausrüstung sowie der Wahl der Wanderwege, und ohne der erforderlichen Vor- und Umsicht in den Bergen, kann der Ausflug schnell zum Drama werden. Experten erklären, worauf beim Bergwandern zu achten ist. mehr

  • Sicher mobil – auch im Alter

    [] (verpd) Jahrzehntelange Fahrerfahrung zahlt sich aus, dennoch gibt es immer wieder auch dramatische Unfälle durch ältere Autofahrer. Jeder Einzelne kann jedoch durch eine entsprechende Kontrolle und Präventionsmaßnahmen etwas dafür tun, um auch im Seniorenalter sicher Auto zu fahren. mehr

  • Wenn der Arbeitnehmer im Homeoffice verunfallt

    [] (verpd) Wer als Angestellter nicht zum Arbeiten in die Firma seines Arbeitgebers geht, sondern seinen Arbeitsplatz zu Hause hat, ist normalerweise auch bei einem Arbeitsunfall gesetzlich unfallversichert. Doch die Abgrenzung, welcher Unfall im Homeoffice als Arbeitsunfall gilt, für den die gesetzliche Unfallversicherung Schutz bietet, und welcher Unfall als Freizeitunfall einzustufen ist, für den kein gesetzlicher Unfallschutz besteht, ist oft schwierig. mehr

  • Der Tanzpartner als Unfallrisiko

    [] (verpd) Wer beim Tanzen das Gleichgewicht verliert und stürzt, kann für die Folgen des Sturzes in der Regel nicht seinen Tanzpartner zur Verantwortung ziehen. Das geht aus einem kürzlich vom Oberlandesgericht Frankfurt veröffentlichten Hinweisbeschluss hervor (Az. 13 U 222/16). mehr

  • Inwieweit Hunger den gesetzlichen Unfallschutz kosten kann

    [] (verpd) Unterbricht ein Beschäftigter seinen unmittelbaren Weg zu seiner Arbeit, um in einer Bäckerei sein Frühstück zu besorgen, und kommt auf dem Rückweg zu seinem Auto zu Schaden, so hat er keinen Anspruch auf Leistungen durch die Berufsgenossenschaft. Das hat das Bundessozialgericht vor Kurzem entschieden (Az. B 2 U 1/16 R). mehr

Weitere News zum Thema

schließen

Link empfehlen

Mit der Inanspruchnahme des Services willigen Sie in folgende Vorgehensweise ein:

Ihre eigene E-Mail-Adresse und die des Empfängers werden nur zu Übertragungszwecken verwendet - um den Adressaten über den Absender zu informieren, bzw. bei einem Übertragungsfehler eine Benachrichtigung zu übermitteln. Um einen Missbrauch dieses Services zu vermeiden, wird Geldtipps.de die Identifikationsdaten (IP-Adresse) jedes Nutzers der versandten E-Mail in Form eines E-Mail-Header-Record (X-Sent-by-IP) beifügen und für einen Zeitraum von zwei Monaten speichern. Sofern Dritte glaubhaft machen, dass sie durch die Versendung eines Artikels im Rahmen dieses Services in ihren Rechten verletzt wurden, wird Geldtipps.de die Identifikationsdaten zur Rechtsverfolgung herausgeben.