Tödlicher Sturz während der Vereinstätigkeit

 - 

(verpd) Werden Vereinsmitglieder im Rahmen ihrer Mitgliedspflichten tätig, so stehen sie nur dann unter dem Schutz der gesetzlichen Unfallversicherung, wenn sie sich freiwillig versichern.

Das hat das Hessische Landessozialgericht mit einem Urteil entschieden (Az. L 3 U 231/10).

Ein Mann war mehr als 20 Jahre ehrenamtlicher Vorsitzender eines Heimatvereins. Er gehörte unter anderem einem sogenannten Zeltausschuss an, der für den entgeltlichen Verleih eines vereinseigenen Zeltes zuständig ist. Beim Aufbau dieses Zeltes für einen anderen Verein kam es zu einem tragischen Unfall. Der Mann stürzte aus gut vier Meter Höhe von einer Leiter, wobei er tödliche Verletzungen erlitt.

Seine Witwe war der Meinung, dass ihr Mann einen Arbeitsunfall erlitten hatte, für den die Berufsgenossenschaft eintrittspflichtig sei. Denn obwohl für ihn keine Beiträge gezahlt worden waren, sei er zum Zeitpunkt seines Unfalls als sogenannter „Wie-Beschäftigter“ im Sinne von Paragraf 2 Absatz 2 SGB VII (Siebtes Sozialgesetzbuch) anzusehen gewesen.

Arbeitsunfall?

Doch dem wollten sich die Richter des Hessischen Landessozialgerichts nicht anschließen. Sie wiesen die Klage der Witwe gegen den gesetzlichen Unfallversicherer als unbegründet zurück. Nach Ansicht des Gerichts stehen Vereinsmitglieder, die für ihren Verein Tätigkeiten verrichten, die üblicherweise in einem Beschäftigungs-Verhältnis ausgeübt werden, zwar unter bestimmten Voraussetzungen unter dem Schutz der gesetzlichen Unfallversicherung.

Das gilt nach Ansicht der Richter aber nicht für Tätigkeiten, die zu den Pflichten der Mitglieder gehören oder die von ihnen zum Beispiel nach der Vereinssatzung oder aufgrund allgemeiner Vereinsübung erwartet werden können. In dem entschiedenen Fall war der Verstorbene seit etlichen Jahren als Aufbauleiter für den Verein tätig. Der Aufbau des Zeltes habe daher nicht zuletzt auch wegen seiner herausragenden ehrenamtlichen Funktion zu seinen Vereinspflichten gehört.

Daher hätte er nur dann unter dem Schutz der gesetzlichen Unfallversicherung gestanden, wenn er dort freiwillig versichert gewesen wäre. Da das nicht der Fall war, geht seine Witwe leer aus. Die Richter sahen keine Veranlassung, eine Revision zum Bundessozialgericht zuzulassen.

Bessere Absicherung für Vereine, aber auch für Privatpersonen

Vereine, die ihre Mitglieder während ihrer Vereinstätigkeit besser schützen möchten als dies gesetzlich der Fall ist, können eine Gruppenunfall-Versicherung abschließen. In einer entsprechenden Police können namentlich genannte oder auch alle Vereinsmitglieder abgesichert werden.

Wie in einer privaten Unfallversicherung können auch in der Vereinsunfall-Police unter anderem eine individuelle Invaliditäts- und Todesfallsumme und ein Krankenhaustagegeld als Unfallleistung vereinbart werden.

Weitere News zum Thema

  • Gesetzlicher Schutz für Helfer

    [] (verpd) Egal ob bei einer Panne, einem Unfall oder sonstigen Notlage, nicht immer kann sich jemand aus einer solchen für ihn schwierigen oder riskanten Situation selbst helfen. Er benötigt dann Unterstützung durch andere. Doch was, wenn ein Helfer dabei selbst verletzt wird? In der Regel springt in solchen Fällen die gesetzliche Unfallversicherung ein. mehr

  • Wenn Kinder oder Jugendliche einen Unfall mit verschulden

    [] (verpd) Eine Zwölfjährige, die nach dem Aussteigen aus einem Bus unachtsam die Straße überquert und dabei von einem Motorrad überfahren wird, ist trotz ihres Alters überwiegend selbst für die Folgen des Unfalls verantwortlich. Das geht aus einem aktuellen Urteil des Oberlandesgerichts Stuttgart hervor (Az. 13 U 143/16). mehr

  • Unfallursache: Schlaglöcher in der Straße

    [] (verpd) Straßenschäden wie Schlaglöchern oder Rissen im Fahrbahnbelag sind für alle Verkehrsteilnehmer gefährlich. So kann ein Fahrzeug beschädigt werden, wenn der Fahrer versehentlich mit einem Reifen in ein tiefes Schlagloch fährt. Radfahrer und Fußgänger können zudem wegen eines Schlagloches leicht stürzen und sich verletzen. Nicht selten stellt sich in diesen Fällen die Frage, wer für die entstandenen Schäden aufkommen muss. mehr

  • So lernen Kinder spielerisch ihr Unfallrisiko zu minimieren

    [] (verpd) Nicht immer und überall sind die Eltern oder andere Erwachsene dabei, um ein Kind vor Unfällen zu schützen. Deshalb ist es wichtig, dass Kinder selbst erkennen, wenn etwas gefährlich ist, und zwar egal, ob im Straßenverkehr, in der Schule, in der Freizeit oder auch zu Hause. Eine kostenlose App, herausgegeben von der Unfallforschung der Versicherer (UDV,) hilft dabei, dieses Wissen kindgerecht und mit viel Spaß zu vermitteln. mehr

  • Unfallversicherung: Vorschädigung macht nichts

    [] 50-Jährige ohne irgendwelche Schäden an der Wirbelsäule, an Knien, Schultern und Hüfte wird man nur wenige finden. Oft wirken sich Verengungen, Verschleiß oder sogar ein Bandscheibenvorfall zunächst aber im Alltag kaum aus. Kommt es dann zu einem Unfall, werden die vorher latenten Probleme plötzlich akut. Fraglich ist: Hilft dann eine private Unfallversicherung? mehr

Weitere News zum Thema

schließen

Link empfehlen

Mit der Inanspruchnahme des Services willigen Sie in folgende Vorgehensweise ein:

Ihre eigene E-Mail-Adresse und die des Empfängers werden nur zu Übertragungszwecken verwendet - um den Adressaten über den Absender zu informieren, bzw. bei einem Übertragungsfehler eine Benachrichtigung zu übermitteln. Um einen Missbrauch dieses Services zu vermeiden, wird Geldtipps.de die Identifikationsdaten (IP-Adresse) jedes Nutzers der versandten E-Mail in Form eines E-Mail-Header-Record (X-Sent-by-IP) beifügen und für einen Zeitraum von zwei Monaten speichern. Sofern Dritte glaubhaft machen, dass sie durch die Versendung eines Artikels im Rahmen dieses Services in ihren Rechten verletzt wurden, wird Geldtipps.de die Identifikationsdaten zur Rechtsverfolgung herausgeben.