Streit um Schadenersatz für entgangene Urlaubsreise

 - 

(verpd) Wer wegen eines Unfalls eine zuvor gebuchte Urlaubsreise nicht antreten kann, hat keinen Anspruch gegenüber dem Unfallverursacher auf Ersatz der Aufwendungen für die Reise. Das geht aus einem Urteil des Landgerichts Bremen (Az. 7 O 1759/12) hervor.

Ein Mann war in Bremen mit seinem Fahrrad unterwegs, als er von einem unachtsamen Autofahrer angefahren wurde. Bei dem Unfall wurde er so schwer verletzt, dass er monatelang arbeitsunfähig war und einen Dauerschaden davontrug, der zu einer Erwerbsminderung führte. Zwischen dem Kraftfahrzeug-Haftpflichtversicherer des Autofahrers und dem Unfallopfer bestand Einigkeit darüber, dass der Autofahrer den Unfall allein verschuldet hatte.

In dem sich anschließenden Rechtsstreit stritt man sich jedoch unter anderem über die Höhe des zu zahlenden Schmerzensgeldes sowie die Kosten für eine vom Fahrradfahrer vor dem Unfall gebuchte und bereits bezahlte Urlaubsreise. Diese konnte er wegen des Unfalls nicht mehr antreten.

„Frustrierte Aufwendungen“

Während der Fahrradfahrer der Meinung war, dass ihm die Kosten für den Urlaub als Sachschaden zu ersetzen seien, bestritt der Versicherer eine Ersatzverpflichtung. Der verunfallte Radfahrer klagte vor Gericht gegen die Entscheidung des Kfz-Versicherers. Doch die Richter des Bremer Landgerichts schlossen sich der Meinung des Versicherers an. Sie wiesen die diesbezüglichen Forderungen des Klägers als unbegründet zurück.

Auch wenn der Kläger die Reise aufgrund der erlittenen Verletzungen nicht antreten konnte, sind ihm nach Ansicht des Gerichts die Reisekosten, die er vor dem Unfall aufgewendet hat, nicht als materieller Schaden im Sinne von Paragraf 249 BGB (Bürgerliches Gesetzbuch) zu ersetzen.

Denn bei diesen Kosten handelt es sich um sogenannte frustrierte Aufwendungen – also um Aufwendungen, die durch ein Schadenereignis nutzlos geworden sind –, und die nach Auffassung der Richter im allgemeinen Schadenrecht nicht als materielle Schäden zu ersetzen sind. In der Urteilsbegründung heißt es dazu: „Allein der Umstand, dass er die aufgewendeten Kosten anschließend nicht für den angestrebten Urlaub nutzen konnte, machen diese Aufwendungen nicht zu einem zu ersetzenden Vermögensschaden.“

Höheres Schmerzensgeld

Die Aufwendungen sind nach Ansicht des Gerichts auch nicht unter dem Aspekt des entgangenen Urlaubsgenusses zu ersetzen. Denn dabei handelt es sich um einen immateriellen Schaden, der allenfalls bei Bemessung des Schmerzensgeldes Berücksichtigung finden kann. Das war jedoch bereits geschehen. Das Urteil zeigt, wie wichtig es ist, auch eine Urlaubsreise vor möglichen Eventualitäten abzusichern. Im genannten Fall würde zum Beispiel eine zeitnah zur Reisebuchung abgeschlossene Reiserücktritts-Versicherung die anfallenden Reisestornokosten übernehmen.

Denn standardmäßig ist es in einer solchen Police in der Regel versichert, dass die Reisestornokosten bezahlt werden, wenn der Reisende aufgrund von Unfallverletzung oder weil er plötzlich und unerwartet schwer erkrankt, eine gebuchte Reise nicht antreten kann. Je nach Vereinbarung gibt es auch noch diverse andere Rücktrittsgründe, bei der eine solche Police die im Reisevertrag vereinbarten Stornokosten ganz oder unter Berücksichtigung eines bestimmten Selbstbehalts übernimmt.

So kann zum Beispiel vereinbart sein, dass die Stornokosten auch übernommen werden, wenn der Versicherte aufgrund eines Arbeitsplatzwechsels, einer Nachprüfung an der Schule oder Universität oder eines unerwarteten Jobverlustes eine gebuchte Reise nicht antreten kann. Zudem können auch Verhinderungsgründe, wie eine Beschädigung des Eigenheims durch Feuer oder Naturgewalten, der Bruch einer Prothese, die Lockerung eines Implantats, eine erst festgestellte Schwangerschaft oder Impfunverträglichkeit, aber auch der Tod eines nahen Angehörigen versichert sein.

Weitere News zum Thema

  • Jede Woche fast 25.300 Schul- und Schulwegunfälle

    [] (verpd) Zwar ist die Anzahl der Schul- und Schulwegunfälle letztes Jahr im Vergleich zum Vorjahr etwas zurückgegangen, dennoch ereigneten sich immer noch über 1.314.000 derartige Unfälle, wie einer Statistik der Deutschen Gesetzlichen Unfallversicherung e.V. (DGUV) zu entnehmen ist. Wer sicherstellen möchte, dass sein Kind im Falle eines Unfalles zumindest finanziell abgesichert ist, sollte privat vorsorgen, denn die gesetzliche Absicherung reicht in vielen Fällen nicht aus, um die finanzielle Mehrbelastung, die ein Unfall mit sich bringen kann, auszugleichen. mehr

  • Gesetzlicher Schutz für Helfer

    [] (verpd) Egal ob bei einer Panne, einem Unfall oder sonstigen Notlage, nicht immer kann sich jemand aus einer solchen für ihn schwierigen oder riskanten Situation selbst helfen. Er benötigt dann Unterstützung durch andere. Doch was, wenn ein Helfer dabei selbst verletzt wird? In der Regel springt in solchen Fällen die gesetzliche Unfallversicherung ein. mehr

  • Wenn Kinder oder Jugendliche einen Unfall mit verschulden

    [] (verpd) Eine Zwölfjährige, die nach dem Aussteigen aus einem Bus unachtsam die Straße überquert und dabei von einem Motorrad überfahren wird, ist trotz ihres Alters überwiegend selbst für die Folgen des Unfalls verantwortlich. Das geht aus einem aktuellen Urteil des Oberlandesgerichts Stuttgart hervor (Az. 13 U 143/16). mehr

  • Unfallursache: Schlaglöcher in der Straße

    [] (verpd) Straßenschäden wie Schlaglöchern oder Rissen im Fahrbahnbelag sind für alle Verkehrsteilnehmer gefährlich. So kann ein Fahrzeug beschädigt werden, wenn der Fahrer versehentlich mit einem Reifen in ein tiefes Schlagloch fährt. Radfahrer und Fußgänger können zudem wegen eines Schlagloches leicht stürzen und sich verletzen. Nicht selten stellt sich in diesen Fällen die Frage, wer für die entstandenen Schäden aufkommen muss. mehr

Weitere News zum Thema

schließen

Link empfehlen

Mit der Inanspruchnahme des Services willigen Sie in folgende Vorgehensweise ein:

Ihre eigene E-Mail-Adresse und die des Empfängers werden nur zu Übertragungszwecken verwendet - um den Adressaten über den Absender zu informieren, bzw. bei einem Übertragungsfehler eine Benachrichtigung zu übermitteln. Um einen Missbrauch dieses Services zu vermeiden, wird Geldtipps.de die Identifikationsdaten (IP-Adresse) jedes Nutzers der versandten E-Mail in Form eines E-Mail-Header-Record (X-Sent-by-IP) beifügen und für einen Zeitraum von zwei Monaten speichern. Sofern Dritte glaubhaft machen, dass sie durch die Versendung eines Artikels im Rahmen dieses Services in ihren Rechten verletzt wurden, wird Geldtipps.de die Identifikationsdaten zur Rechtsverfolgung herausgeben.