Schülerstreich mit fatalen Folgen

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(verpd) Ein Schüler, der sich verletzt, weil ihm ein Mitschüler den Stuhl weggezogen hat, hat in der Regel keinen Anspruch auf Zahlung eines Schmerzensgeldes.

Das hat das Amtsgericht Hannover in einem kürzlich veröffentlichten Urteil entschieden (Az. 465 C 15083/14).

Der nicht auszurottende Schülerscherz, einem Mitschüler in dem Augenblick den Stuhl wegzuziehen, in dem dieser sich setzen will, war einem 15-Jährigen zum Verhängnis geworden. Der Realschüler stürzte nämlich dermaßen unglücklich, dass er unter starken Schmerzen litt und nicht mehr aufstehen konnte. Er wurde daher mit einem Rettungswagen in ein Krankenhaus eingeliefert.

Weil er zudem an der sogenannten „Bluterkrankheit“ leidet, durfte er die Klinik erst nach drei Tagen verlassen. Seine Beschwerden waren damit aber noch nicht geheilt. Er konnte sich für längere Zeit auch nicht ansatzweise schmerzfrei bewegen. Das hatte unter anderem zur Folge, dass er einen bereits gebuchten Osterurlaub absagen musste.

Fehlender Vorsatz

Der Neuntklässler verklagte den „Stuhlwegzieher“ daher auf Zahlung eines Schmerzensgeldes. Ohne Erfolg. Das Amtsgericht Hannover wies die Klage als unbegründet zurück. Nach Ansicht des Gerichts gehören gegenseitige Verletzungshandlungen von Schülern durch Raufereien oder übermütiges und bedenkenloses Handeln während der Abwesenheit der Lehrer zum Schulalltag. In der Regel geschehe das nicht mit der Absicht, dem anderen ernsthaft schaden zu wollen.

Komme es trotzdem zu folgenreicheren Verletzungen, so sei es Sache des gesetzlichen Unfallversicherers, einen zu Schaden gekommenen Schüler vor langwierigen finanziellen Folgen zu bewahren. Ebenso wie im beruflichen Umfeld bestehe in derartigen Fällen gegenüber der gesetzlichen Unfallversicherung jedoch kein Anspruch auf Zahlung eines Schmerzensgeldes. Das müsse allenfalls der Schädiger, im entschiedenen Fall also der „Stuhlwegzieher“, zahlen und zwar auch nur dann, wenn er vorsätzlich gehandelt habe.

Nach Überzeugung des Gerichts bezog sich die vorsätzliche Handlung im verhandelten Gerichtsfall nur auf das Wegziehen des Stuhls, nicht aber darauf, dem 15-Jährigen einen Gesundheitsschaden zufügen zu wollen. Die Klage hatte daher keinen Erfolg.

Keine weitere Entschädigung

Wie der Gerichtsfall zeigt, stehen Schüler, die durch Streiche oder Streitigkeiten von Mitschülern in der Schule verletzt wurden, oftmals unter dem Schutz der gesetzlichen Unfallversicherung. Dies gilt insbesondere, wenn die Beteiligten noch nicht volljährig sind und das Verhalten auf einem natürlichen Spieltrieb als auch auf einer Gruppendynamik beruht. Dies geht aus mehreren Urteilen des Bundessozialgerichts (beispielsweise Az. B 2 U 40/99 R) hervor.

Mitschüler haften zudem nur, wenn sie dem anderen vorsätzlich die Verletzungen zugefügt haben. Dies zeigen der genannte Gerichtsfall, aber auch ein Urteil des Bundesgerichtshofes (BGH) (Az. VI ZR 163/03).

Mit einem Schmerzensgeld oder einer über die Leistungen der gesetzlichen Unfallversicherung hinausgehenden Entschädigung kann ein entsprechendes Unfallopfer deshalb selbst bei einem bleibenden Gesundheitsschaden nicht rechnen.

Umfassende Absicherung

Eltern, die wünschen, dass ihr Kind bei jeder Art von Unfall umfassend abgesichert ist, sollten sich prinzipiell jedoch nicht nur auf die gesetzliche Unfallabsicherung verlassen. Zum einen reichen die Leistungen insbesondere bei einem bleibenden Unfallschaden oftmals nicht aus, um die finanziellen Mehrkosten beispielsweise nach einer unfallbedingten Invalidität abzudecken.

Zum anderen stehen Unfälle, die sich in der Freizeit ereignen – und das sind statistisch gesehen die meisten – nicht unter dem Schutz der gesetzlichen Unfallversicherung. Im Gegensatz dazu leistet eine private Unfallversicherung unabhängig davon, ob sich ein Unfall in der Schule oder in der Freizeit ereignet.

Zudem kann, anders als bei der gesetzlichen Absicherung, jeder die Art und Höhe der Leistungen in einer privaten Unfallpolice selbst wählen. So lässt sich die Höhe einer Kapitalsumme und/oder einer Rentenzahlung, die nach einer unfallbedingten Invalidität fällig wird, mit dem Versicherer frei vereinbaren. Zudem können optional weitere Leistungen wie die Übernahme von Bergungs- und Suchkosten, ein Krankenhaustagegeld oder auch kosmetische Operationskosten mitversichert werden.

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