Riskanter Tanz auf der Bierbank

 - 

(verpd) Wer beim ausgelassenen Tanz auf einer Bierbank herunterstürzt und sich dabei verletzt, ist für seinen Schaden selbst verantwortlich. Zu dieser Entscheidung kam kürzlich das Oberlandesgericht Stuttgart in einem Urteil (Az. 13 U 165/16).

Eine Frau besuchte ein Volksfest. In einem Festzelt tanzte sie mit anderen zum Teil mit dem Rücken zueinander auf einer Bierbank. In dieser ausgelassenen Stimmung stieß ein ebenfalls auf der Bierbank tanzender Mann mit dem Rücken gegen die Frau, woraufhin beide von der Bank fielen. Die Frau behauptete, sie habe einen Schlag auf den Rücken bekommen. Durch diesen wäre sie von der Bank gestürzt und hätte dann unter anderem eine Prellung am linken Kniegelenk erlitten, die einen arthroskopischen Eingriff am Knie erforderlich gemacht und ein Schmerzsyndrom ausgelöst habe. Sie verklagte den Mann auf eine Zahlung von Schadenersatz und Schmerzensgeld in Höhe von insgesamt gut 7.600 Euro. Der beklagte Mann gab hingegen vor Gericht zu Protokoll, dass er "mehr oder weniger von der Bierbank gezogen" worden sei und hierbei das Gleichgewicht verloren habe. Dabei sei er mit dem Rücken gegen die Klägerin gefallen, woraufhin auch diese das Gleichgewicht verloren habe und beide von der Bank gestürzt seien.

Was ändert sich ab 60plus? Dieser Ratgeber gibt Ihnen Sicherheit bei Finanzen, Versicherungen, Altersvorsorge und Pflege.

Klage wurde bereits in erster Instanz abgewiesen

Die Klage der Frau auf Schmerzensgeld sowie Schadenersatz und auf den Ersatz vorgerichtlicher Anwaltskosten wies das Landesgericht Stuttgart in erster Instanz in einem Urteil (Az.: 29 O 316/16) ab. Insbesondere sei es der Klägerin durch die Beweisaufnahme nicht gelungen zu beweisen, dass der Beklagte wegen eigenen Fehlverhaltens auf sie gestürzt sei. Mit ihrer Berufung gegen das Urteil des Landgerichts verfolgte die Klägerin ihre Ansprüche jedoch weiter. Doch der 13. Zivilsenat des Oberlandesgerichts Stuttgart wies die Berufung der Klägerin zurück und bestätigte damit das Urteil des Landgerichts. Für die Haftung des Beklagten "fehle es an einer Verletzungshandlung im Rechtssinne", heißt es in der Kurzbeschreibung des Urteils auf der Internetseite des Oberlandesgerichts Stuttgart.

Die optimale Baufinanzierung. Detaillierte Checklisten, umfangreiche Finanzierungskonzepte und leicht verständliche Beispielrechnungen sorgen dafür, dass Sie mit Ihren Kreditgebern auf Augenhöhe verhandeln können.

Tanz auf Bierbänken gehört zum Volksfest dazu

In der Begründung heißt es, eine solche Verletzungshandlung setze bewusstes, menschliches Handeln und Willen voraus, welches grundsätzlich beherrschbar sei. Im Zuge der Beweisaufnahme konnte dem Beklagten jedoch nicht nachgewiesen werden, weshalb er an die Klägerin stieß. Die Aussage des Beklagten, er sei "mehr oder weniger von der Bierbank gezogen" worden, sei ihm nicht zu widerlegen. "Zu Recht habe das Landgericht es zudem nicht als vorwerfbar angesehen, dass der Beklagte zum Tanzen auf die Bierbank stieg. Das Verhalten des Beklagten wie auch der Klägerin entspreche dem einer Vielzahl der übrigen Gäste im Zelt. Die Gefahr, dass Gäste auf einer wackelnden Bierbank das Gleichgewicht verlieren und stürzen könnten, habe von Anfang an bestanden und sei für alle Personen – die Klägerin eingeschlossen – erkennbar gewesen. Durch den Beklagten sei keine über diese allgemeine Gefahr hinausgehende Gefährdung geschaffen worden", heißt es zur Zurückweisung der Berufung weiter. Dass Erwachsene, die freiwillig auf eine wackelige Bierbank steigen und sich dabei verletzen, selbst dafür verantwortlich sind, hatte vor einiger Zeit auch ein Urteil des Oberlandesgerichts Hamm vom November 2015 gezeigt.

Private Krankenversicherung im Alter. Bescheid wissen, zahlt sich aus.

Wer selbst für seinen Schaden aufkommen muss

Wie der Gerichtsfall zeigt, haften nicht immer andere für die gesundheitlichen Folgen eines Unfalles. Um als Unfallopfer dadurch nicht auch noch in finanzielle Schwierigkeiten zu geraten, ist eine private Vorsorge wichtig. Denn in der Regel reichen die gesetzlichen Absicherungen durch die Sozialversicherungen nicht aus, um mögliche finanzielle Mehrkosten oder Verdienstausfälle auszugleichen. So kann es zum Beispiel aufgrund schwerwiegender Unfallverletzungen zu einer langen Arbeitsunfähigkeit oder bei unfallbedingten dauerhaften Gesundheitsschäden auch zu einer Erwerbsminderung kommen, was zu erheblichen Einkommenseinbußen führen kann. Je nachdem würde jedoch eine bestehende Krankentagegeld- oder auch eine Erwerbs- beziehungsweise Berufsunfähigkeits-Versicherung diese Verdienstausfälle ausgleichen. Sollten aufgrund einer bleibenden Behinderung Umbaumaßnahmen an der Wohnung notwendig werden, kann dies zum Beispiel mit einer in der privaten Unfallversicherung vereinbarten Invaliditätssumme finanziert werden.

Die wichtigsten Fragen zum Thema "Pflege" beantworten Experten in unserem Ratgeber Der Pflegefall droht: Entscheidungen treffen, Vermögen schützen und Ansprüche durchsetzen.

Weitere News zum Thema

  • Was bei der halben Vorfahrt zu beachten ist

    [] (verpd) Der Grundsatz, dass sich Verkehrsteilnehmer Kreuzungen, an denen die Vorfahrt nicht mit Schildern geregelt ist, mit mäßiger Geschwindigkeit zu nähern haben, gilt nicht uneingeschränkt. Das hat das Kammergericht Berlin in einem Gerichtsverfahren entschieden (Az. 29 U 45/15). mehr

  • Für ein unfallfreies Zuhause

    [] (verpd) Die meisten Unfälle mit Personenschäden passieren in den eigenen vier Wänden. So verletzen sich nach Schätzungen der Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin und des Robert-Koch-Instituts rund 3,2 Millionen Personen bei Unfällen zu Hause. mehr

  • So viele Radfahrer bei Unfällen verletzt wie noch nie

    [] (verpd) Letztes Jahr wurden bei Verkehrsunfällen fast 86.100 Personen, die auf einem Fahrrad unterwegs waren, verletzt und mehr als 400 Radfahrer getötet. Wie aus den Angaben des Statistischen Bundesamts (Destatis) hervorgeht, gab es damit seit Aufzeichnung der Radunfälle im Jahre 1992 in 2016 die bisher meisten Verkehrsopfer unter den Radfahrern. Die statistischen Daten zeigen zudem, was die Hauptgründe für die Radunfälle waren. mehr

  • Nicht jeder Verkehrskreisel ist ein Kreisverkehr

    [] (verpd) Will ein Fahrradfahrer eine in Form eines Kreises gestaltete Straßenkreuzung überqueren, auf der die Vorfahrtsregelung rechts vor links gilt, muss er sicherstellen, dass er die Kreuzung vor einem von rechts kommenden Fahrzeug räumen kann. Das hat das Oberlandesgericht Hamm entschieden (Az. 9 U 22/16). Diese Regelung gilt auch für alle Kfz-Fahrer. mehr

  • Krank durch den ausgeübten Beruf

    [] (verpd) Wer glaubt, an einer Berufskrankheit zu leiden, sollte zu einem Arzt gehen. Dieser kann die Symptome abklären und, sollte sich die Vermutung bestätigen, eine entsprechende Meldung an den zuständigen Träger der gesetzlichen Unfallversicherung senden. Doch nur wer eine anerkannte Berufskrankheit hat und die versicherungs-rechtlichen Voraussetzungen erfüllt, hat Anspruch auf Leistungen der gesetzlichen Unfallversicherung, die zum Teil umfangreicher sind als die der gesetzlichen Kranken- oder Rentenversicherung. mehr

Weitere News zum Thema

schließen

Link empfehlen

Mit der Inanspruchnahme des Services willigen Sie in folgende Vorgehensweise ein:

Ihre eigene E-Mail-Adresse und die des Empfängers werden nur zu Übertragungszwecken verwendet - um den Adressaten über den Absender zu informieren, bzw. bei einem Übertragungsfehler eine Benachrichtigung zu übermitteln. Um einen Missbrauch dieses Services zu vermeiden, wird Geldtipps.de die Identifikationsdaten (IP-Adresse) jedes Nutzers der versandten E-Mail in Form eines E-Mail-Header-Record (X-Sent-by-IP) beifügen und für einen Zeitraum von zwei Monaten speichern. Sofern Dritte glaubhaft machen, dass sie durch die Versendung eines Artikels im Rahmen dieses Services in ihren Rechten verletzt wurden, wird Geldtipps.de die Identifikationsdaten zur Rechtsverfolgung herausgeben.