Nicht jeder Verkehrskreisel ist ein Kreisverkehr

 - 

(verpd) Will ein Fahrradfahrer eine in Form eines Kreises gestaltete Straßenkreuzung überqueren, auf der die Vorfahrtsregelung rechts vor links gilt, muss er sicherstellen, dass er die Kreuzung vor einem von rechts kommenden Fahrzeug räumen kann. Das hat das Oberlandesgericht Hamm entschieden (Az. 9 U 22/16). Diese Regelung gilt auch für alle Kfz-Fahrer.

Eine 78-jährige Frau war mit ihrem Fahrrad in Münster unterwegs, als sie im Bereich einer als Kreis gestalteten Straßenkreuzung mit einem von rechts kommenden Pkw kollidierte. Bei dem Unfall zog sie sich einen schwerwiegenden Bruch eines ihrer Schienbeinköpfe zu. Dieser musste mehrfach operativ versorgt werden. Die Radfahrerin war in den Kreisel eingefahren, ohne dabei auf den von rechts kommenden Wagen, der ebenfalls in den Kreis einfuhr, zu achten.

Die Seniorin hatte das Auto zwar wahrgenommen, glaubte aber offenkundig, Vorfahrt zu haben. Deswegen verklagte sie den Autofahrer beziehungsweise den zuständigen Kfz-Versicherer des Pkws wegen dessen angeblicher Vorfahrtverletzung auf Schadenersatz und Schmerzensgeld. Zu Unrecht, urteilten die Richter des Hammer Oberlandesgerichts, auch wenn sie der Schadenersatz- und Schmerzensgeldklage der Fahrradfahrerin teilweise stattgaben.

Was ändert sich ab 60plus? Dieser Ratgeber gibt Ihnen Sicherheit bei Finanzen, Versicherungen, Altersvorsorge und Pflege.

Rechts vor links

Die Klage wäre nach Ansicht des Gerichts gegebenenfalls nur dann in vollem Umfang erfolgreich gewesen, wenn sich der Unfall in einem als solchen ausgewiesenen echten Kreisverkehr ereignet hätte. Das aber hätte vorausgesetzt, dass der Kreisel an den Einmündungen mit dem Kreisverkehr-Zeichen 215, das ist ein rundes blaues Schild mit drei weißen Pfeilen im Kreis, die die Fahrtrichtung angeben, sowie dem Verkehrsschild Vorfahrt gewähren (Zeichen 205) ausgeschildert gewesen wäre. Da das nicht der Fall war, galt in der entschiedenen Sache die Regel rechts vor links.

Die Klägerin, egal ob mit einem Rad oder einem Kfz unterwegs, hätte folglich nur dann vor dem Auto in den Kreisel, sprich die Kreuzung, einfahren dürfen, wenn sichergestellt gewesen wäre, dass sie den Kreis vor dem vorfahrtsberechtigten Pkw hätte räumen können. Die Klägerin sei daher überwiegend für den Unfall verantwortlich. Die Richter lasteten dem Autofahrer allerdings ebenfalls ein gravierendes Verschulden an der Entstehung des Unfalls an.

Denn beim Einfahren in den Kreis hätte dieser die dort bereits befindliche Klägerin wahrnehmen können. Der Pkw-Fahrer sei zwar bevorrechtigt gewesen. Das gebe ihm aber nicht das Recht, sein erkennbar durch die Klägerin verletztes Vorfahrtsrecht ohne Rücksicht durchzusetzen. Nach Auffassung des Gerichts ist unter Abwägung der beiderseitigen Verursachungs- und Verschuldensanteile an der Entstehung des Unfalls eine Haftungsquote von 60 Prozent zu 40 Prozent zulasten der klagenden Radfahrerin gerechtfertigt. Das Urteil ist mittlerweile rechtskräftig.

Die optimale Baufinanzierung. Detaillierte Checklisten, umfangreiche Finanzierungskonzepte und leicht verständliche Beispielrechnungen sorgen dafür, dass Sie mit Ihren Kreditgebern auf Augenhöhe verhandeln können.

Weitere News zum Thema

  • Achtung, Geisterradler!

    [] (verpd) Ein Fahrradfahrer behält zwar sein Vorfahrtsrecht gegenüber kreuzenden und einbiegenden Fahrzeugen auch dann, wenn er verbotswidrig den linken von zwei vorhandenen Radwegen nutzt. Allerdings muss er mit einer Anrechnung eines Mitverschuldens rechnen, wie der 9. Zivilsenat des Oberlandesgerichts Hamm mit einem kürzlich veröffentlichten Urteil entschieden hat (Az. 9 U 173/16). mehr

  • Fast 32.000 Fußgänger verunfallten 2016 im Straßenverkehr

    [] (verpd) Jede Woche verunfallten letztes Jahr 611 Fußgänger so schwer im Straßenverkehr, dass sie verletzt oder getötet wurden. Damit hat sich die Zahl der bei Verkehrsunfällen verunglückten Fußgänger eines Jahres zum zweiten Mal hintereinander erhöht. Allerdings gab es diesbezüglich in 2016 im Vergleich zum Vorjahr etwas weniger Unfalltote zu beklagen. Dennoch starben letztes Jahr immer noch 490 Fußgänger bei einem Verkehrsunfall. mehr

  • Erste Hilfe ohne Panik

    [] (verpd) Jeder, der zu einem Unfall kommt oder sieht, dass jemand in Gefahr ist, muss helfen, wenn ihm dies den Umständen nach zuzumuten ist. Anderenfalls muss er mit einer Geld- oder sogar Freiheitsstrafe rechnen. Je nach Situation reicht es bereits, die Polizei, die Feuerwehr oder den Rettungsdienst zu verständigen. In manchen Fällen ist es, um Schlimmeres zu verhindern, zudem notwendig, Erste-Hilfe-Maßnahmen durchzuführen, bis professionelle Helfer eintreffen. mehr

  • Wie ein Haustier den gesetzlichen Unfallschutz kosten kann

    [] (verpd) Ein Beschäftigter, der auf dem Heimweg von seiner Arbeit den direkten Weg zwischen seiner Arbeitsstätte und seiner Wohnung verlässt, weil er seine Katze suchen will, steht dabei nicht unter dem Schutz der gesetzlichen Unfallversicherung. Das hat das Sozialgericht Landshut in einem aktuellen Urteil entschieden (Az. S 13 U 243/16). mehr

  • Lebensgefährlicher Leichtsinn an Bahnübergängen

    [] (verpd) Eine aktuelle Analyse kommt zu einem eindeutigen Schluss: Es ist nicht die Technik, die versagt, sondern der Mensch. In 84 Prozent der Fälle, in denen es an einem mit einem Blinklicht gesicherten Bahnübergang zu einem Unfall kam, ignorierten die Verkehrsteilnehmer das Rotlicht. Und auch an Bahnübergängen mit Schranken regiert zu oft der Leichtsinn. mehr

Weitere News zum Thema

schließen

Link empfehlen

Mit der Inanspruchnahme des Services willigen Sie in folgende Vorgehensweise ein:

Ihre eigene E-Mail-Adresse und die des Empfängers werden nur zu Übertragungszwecken verwendet - um den Adressaten über den Absender zu informieren, bzw. bei einem Übertragungsfehler eine Benachrichtigung zu übermitteln. Um einen Missbrauch dieses Services zu vermeiden, wird Geldtipps.de die Identifikationsdaten (IP-Adresse) jedes Nutzers der versandten E-Mail in Form eines E-Mail-Header-Record (X-Sent-by-IP) beifügen und für einen Zeitraum von zwei Monaten speichern. Sofern Dritte glaubhaft machen, dass sie durch die Versendung eines Artikels im Rahmen dieses Services in ihren Rechten verletzt wurden, wird Geldtipps.de die Identifikationsdaten zur Rechtsverfolgung herausgeben.