Nicht jeder Umweg ist auch ein Umweg

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(verpd) Verunglückt ein Beschäftigter auf dem Weg zu einer Bushaltestelle, von der aus er zur Arbeit fahren will, steht er selbst dann unter dem Schutz der gesetzlichen Unfallversicherung, wenn er auch eine näher an seinem Wohnort befindliche Haltestelle hätte nutzen können. Das geht aus einem Urteil des Sozialgerichts Heilbronn hervor (Az. S 13 U 4001/11).

Ein Arbeitnehmer war von seinem Arzt wegen einer Herzerkrankung mehr Bewegung empfohlen worden. Den Weg zur Arbeit nutzte er daher für einen kurzen Spaziergang, indem er nicht eine knapp 300 Meter von seinem Wohnort entfernt liegende Bushaltestelle nahm, sondern eine Haltestelle später einstieg. Um diese zu erreichen, hatte er gut einen Kilometer zurückzulegen.

Auf dem Weg zu dieser Haltestelle wurde er eines Tages auf einem Zebrastreifen von einem Auto angefahren und erheblich verletzt.

Wegeunfall?

Der Antrag des Arbeitnehmers, den Unfall als Wegeunfall anzuerkennen, wurde von seiner Berufsgenossenschaft, einem Träger der gesetzlichen Unfallversicherung, mit dem Argument abgelehnt, dass nur der direkte Weg von und zur Arbeitsstelle versichert sei. Versicherungsschutz hätte folglich nur dann bestanden, wenn der Mann die näher an seiner Wohnung befindliche Haltestelle genutzt hätte.

Doch dem wollte sich das Heilbronner Sozialgericht nicht anschließen. Es gab der Klage des Versicherten gegen die Berufsgenossenschaft statt. Die Richter stellten zwar nicht in Abrede, dass der Kläger von der näher gelegenen Haltestelle gegebenenfalls schneller zu seiner Arbeitsstätte hätte gelangen können. Die Wegstrecke sei jedoch bei beiden Varianten ungefähr gleich lang gewesen. Im Übrigen sei es Sache der Versicherten, sich ihr Fortbewegungsmittel auszusuchen.

Es bestehe nämlich keine Verpflichtung, die schnellste Fortbewegungsart zu wählen, um auf dem Arbeitsweg unter dem Schutz der gesetzlichen Unfallversicherung zu stehen. Auch die Tatsache, dass der Kläger wegen seiner Herzerkrankung den Weg zur Arbeit mit einem kurzen Spaziergang verbunden hat, hebt den Versicherungsschutz nach Ansicht der Richter nicht auf. Denn er befand sich auch am Tag seines Unfalls auf dem direkten Weg zu seiner Arbeitsstelle. Das Urteil ist mittlerweile rechtskräftig.

Rundumschutz

Generell gilt, nur wenn ein Arbeitnehmer auf dem Arbeitsweg oder während seiner beruflichen Tätigkeit einen Unfall erleidet, kann er unter dem Schutz durch die gesetzliche Unfallversicherung stehen. Doch auch hier sind die Grenzen eng gesetzt, weshalb es immer wieder zu Streitigkeiten mit den Berufsgenossenschaften kommt. Und auch wenn Ansprüche auf Leistungen aus der gesetzlichen Unfallversicherung bestehen, reichen diese oftmals nicht aus, um bei einem dauerhaften gesundheitlichen Schaden den bisherigen Lebensstandard zu halten.

Die Mehrheit der Unfälle sind zudem Freizeitunfälle. Hier greift die gesetzliche Unfallversicherung nicht. Mit einer privaten Unfallversicherung lässt sich ein fehlender oder unzureichender gesetzlicher Unfallschutz absichern. Eine solche Police gilt rund um die Uhr und weltweit. Sie deckt Unfälle ab, die in der Freizeit oder auch während der Berufsausübung passieren. Versicherbar sind hier unter anderem im Falle einer unfallbedingten Invalidität eine frei wählbare Kapitalsumme oder/und Rentenleistung.

Mit einer Kapitalsumme wäre es unter anderem möglich, sein Eigenheim behindertengerecht umbauen zu lassen. Eine Rente könnte mögliche Einkommenseinbußen ausgleichen. Wer eine Einkommensabsicherung nach einer unfall- und auch nach einer krankheitsbedingten Behinderung wünscht, kann sich durch eine private Erwerbs- oder Berufsunfähigkeits-Versicherung absichern.

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