Nachteile durch kollegiales Verhalten

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(verpd) Eine Angestellte hatte einer Kollegin, mit der sie eine Fahrgemeinschaft bildete, eine vergessene Handtasche zurückbringen wollen. Sie wollte aussteigen, um der Kollegin, die rund 100 Meter von ihr entfernt war, die Handtasche zurückzugeben. Dabei stürzte sie und verletzte sich schwer. Der 2. Senat des Landessozialgerichts Berlin-Brandenburg entschied (Az. L 2 U 221/12) diesbezüglich: Eine – auch nur geplante – Unterbrechung der Rückfahrt vom Arbeitsplatz um mehr als 100 Meter ist nicht als geringfügig anzusehen. Wenn dabei ein Unfall passiert, steht er nicht mehr unter dem Schutz der gesetzlichen Unfallversicherung.

Eine Frau hatte sich für den Weg zur Arbeit mit einer Kollegin zusammengetan, um eine Fahrgemeinschaft zu bilden. Auf der Heimfahrt stellte sie fest, dass die Kollegin, die bereits 100 Meter von ihr entfernt war, ihre Tasche im Auto vergessen hatte. Sie wollte aussteigen und zur Kollegin laufen, um ihr die Tasche zu geben. Bereits beim Aussteigen rutschte sie auf dem feuchten Kopfsteinpflaster aus und fiel auf ihr rechtes Knie. Dadurch verdrehte sie sich das Kniegelenk und musste vier Tage stationär behandelt werden.

Der gesetzliche Unfallversicherungs-Träger lehnte es ab, dies als Arbeitsunfall einzustufen. Die Versicherte klagte dagegen vor dem Sozialgericht Cottbus. Doch die Klage wurde zurückgewiesen. Auch die von der verletzten Arbeitnehmerin eingelegte Berufung wurde vom Landessozialgericht Berlin-Brandenburg zurückgewiesen.

Keine Unterbrechung erlaubt

Das Gericht teilte die Auffassung der unteren Instanz, dass nur das Zurücklegen des mit der versicherten Tätigkeit unmittelbar zusammenhängenden Wegs nach und von dem Ort der Tätigkeit versichert ist.

Die Fortbewegung müsse ausschließlich darauf ausgerichtet sein, den Arbeitsplatz beziehungsweise die eigene Wohnung zur erreichen. Erlaubt sei lediglich eine „geringfügige Unterbrechung“. Diese werde als Verrichtung definiert, die noch als Teil des Weges anzusehen sei, ohne zu einer erheblichen Zäsur zu führen. Dazu zählten Tätigkeiten, die „im Vorbeigehen“ oder „ganz nebenher“ erledigt werden könnten.

Das Bundessozialgericht habe in diesem Zusammenhang entschieden, dass eine Rückfahrt mit dem Pkw von über 100 Meter nicht mehr als geringfügig anzusehen sei.

Längerer Weg geplant

Die Klägerin hatte geplant, ihrer Kollegin über den Marktplatz nachzulaufen, wie sie dem Gericht mit einer Skizze darlegte. Dieser Weg sei in diesem Sinne nicht mehr als nur geringfügig anzusehen. Dass sie so weit gar nicht mehr kam, weil sie bereits zu Beginn des Weges stürzte, sah das Gericht als unerheblich an.

Auch die Tatsache, dass sie im Interesse einer anderen Teilnehmerin ihrer Fahrgemeinschaft handelte, beeindruckte das Landessozialgericht nicht.

Zwar seien bei einer Fahrgemeinschaft Um- und Abwege zulässig, wenn wegen des gemeinsamen Fahrens die Wegstrecke erweitert werden müsste. Diese „Handlungstendenz“ sei aber zum Unfallzeitpunkt nicht prägend gewesen.

Rundum abgesichert

Wie der Fall zeigt, kann man sich nach einem Unfall nicht alleine auf die gesetzliche Absicherung verlassen. Zum einen wird die Frage, was als berufliche Tätigkeit gilt, vor Gericht oft anders entschieden, als viele gesetzlich Unfallversicherten glauben, zum anderen besteht gerade in der Freizeit kein gesetzlicher Unfallschutz, obwohl sich hier die meisten Unfälle ereignen. Und selbst wenn die gesetzliche Unfallversicherung eintritt, gibt es oftmals noch finanzielle Einbußen im Vergleich zum bisherigen Einkommen.

Damit eine durch einen Unfall verursachte längere Arbeitsunfähigkeit oder gar Invalidität neben den körperlichen Beschwerden nicht auch noch finanzielle Problemen mit sich bringt, sollte man entsprechend vorsorgen. Im Gegensatz zur gesetzlichen bietet eine private Unfallversicherung weltweiten Schutz rund um die Uhr, also sowohl bei Berufs-, aber auch bei Freizeitunfällen. Die Höhe der Absicherung, zum Beispiel einer Kapitalsumme oder/und Rentenleistung im Invaliditätsfall, kann entsprechend dem individuellen Bedarf und den persönlichen Präferenzen frei vereinbart werden.

Sinnvoll sind zudem eine Erwerbs- oder Berufsunfähigkeits-Police sowie die Einkommensabsicherung im Krankheitsfall durch eine Krankentagegeld-Versicherung. Diese Policen leisten nicht nur nach einem Unfall, sondern auch bei Krankheit.

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