Kopfsprung mit fatalen Folgen

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(verpd) Wer eine Gefahrenstelle schafft, ist grundsätzlich dazu verpflichtet, alle möglichen Vorkehrungen zu treffen, um eine Schädigung anderer zu verhindern. Das heißt aber nicht, dass damit jede abstrakt denkbare Gefahr ausgeschlossen wird.

Wer einen Steg zum Kopfsprung ins Wasser nutzt, ist selbst dafür verantwortlich, zunächst zu prüfen, ob die Wassertiefe dafür ausreicht. Das ist der Tenor eines Urteils des 6. Zivilsenats des Brandenburgischen Oberlandesgerichts (Az. 6 U 84/12).

Ein Mann ist nach einem Kopfsprung in einen See teilweise querschnittsgelähmt. Zum Zeitpunkt des Urteils war er 19 Jahre alt und hatte zusammen mit einem Freund einen Bungalow gemietet.

Die Eigentümerin des Bungalows und des angrenzenden Seegrundstücks betrieb zum Unfallzeitpunkt eine Pension mit Campingplatz und Bungalows sowie einer Bootsvermietung.

Leichtsinniger Sprung

Das Seeufer ist überwiegend mit Schilf bewachsen, nur ein wenige Meter breiter Streifen wird als Badestelle freigehalten. An der Seite der Badestelle führt ein gut 25 Meter langer Steg ins Wasser. Er endet in einer Plattform, die von einem Metallgeländer umgeben ist. An ihm können Boote festgemacht werden.

Die Plattform hat zur Seemitte hin eine Öffnung, von der aus eine Leiter ins Wasser führt. Von dort aus sprang der Mann ins Wasser und kam so unglücklich mit dem Kopf auf, dass er schwer verletzt wurde.

Er verklagte die Besitzerin des Grundstücks auf eine 50-prozentige Haftungsquote an dem Schmerzensgeld, Schadenersatz wegen Erwerbsminderung und aller bisherigen und künftigen Kosten.

Bessere Information

Die Beklagte hätte aus seiner Sicht darauf hinweisen müssen, dass das Wasser nicht tief genug für einen Kopfsprung sei. Die Länge des Stegs, die Leiter, die ins Wasser führte und die Tatsache, dass dort Boote festmachten, seien für ihn Indizien gewesen, dass der See eine für einen Kopfsprung ausreichende Tiefe hatte.

Er gab immerhin zu, dass er ein 50-prozentiges Mitverschulden hatte, weil er aufgrund der Wassertrübung sich nicht selbst davon überzeugen konnte.

Die 3. Zivilkammer des Landgerichts Frankfurt (Oder) wies die Klage zurück, daraufhin legte er Berufung ein. Diese wies das Brandenburgische Oberlandesgericht zurück. Grundsätzlich sei zwar jeder, der eine Gefahrenstelle gleich welcher Art schafft, dazu verpflichtet, die notwendigen und zumutbaren Vorkehrungen zu treffen, um eine Schädigung anderer möglichst zu verhindern.

Nicht jedem abstrakten Risiko kann vorgebeugt werden

Die Beklagte habe deshalb die Pflicht, die Verkehrssicherheit der Gesamtanlage zu gewährleisten. Dies umfasse alle Maßnahmen, die ein umsichtiger und verständiger, in vernünftigen Grenzen vorsichtiger Mensch für notwendig und ausreichend hält, um andere vor Schäden zu bewahren. Damit könne aber nicht jeder abstrakten Gefahr vorbeugend begegnet werden. „Eine Verkehrssicherung, die jede Schädigung ausschließt, ist im praktischen Leben nicht erreichbar“, stellte das Gericht fest.

Der Steg sei erkennbar nicht Teil der Badestelle und auch kein Badesteg, sondern diene dem Anlegen der Boote. Deshalb musste die Beklagte nicht davon ausgehen, dass Badegäste ihn zu einem Kopfsprung ins Wasser nützen würden. Außerdem sei ein Kopfsprung in ein unbekanntes Naturgewässer grundsätzlich ein leichtfertiges und selbstgefährdendes Verhalten.

Der Kläger habe unter zweckwidriger Benutzung der Steganlage mit dem Kopfsprung in eine nicht ausreichende Wassertiefe sich selbst der Verletzungsgefahr ausgesetzt. Dafür könne er nicht die Eigentümerin des Grundstücks verantwortlich machen. Eine Revision wurde nicht zugelassen.

Private Absicherung

Wenn, wie im beschriebenen Fall, kein anderer für mögliche Unfallfolgen haftet, ist es als Betroffener grundsätzlich gut, eine private Absicherung zu haben. Denn diese kann beispielsweise das Einkommen und damit den Lebensstandard des Verunfallten sichern.

Es gibt diverse Versicherungslösungen, die im Fall einer längeren Arbeitsunfähigkeit, eines Krankenhausaufenthaltes, einer Berufsunfähigkeit oder auch bei einer bleibenden Invalidität mögliche Einkommensausfälle sowie zusätzliche Kosten abdecken können.

Infrage kommen beispielsweise eine private Krankenhaus-, Krankentagegeld-, Unfall- und/oder Berufsunfähigkeits-Versicherung.

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