Haltet den Dieb!

 - 

(verpd) Wer sich bei der Verfolgung eines Straftäters verletzt, steht grundsätzlich auch dann unter dem Schutz der gesetzlichen Unfallversicherung, wenn sich der Vorfall im Ausland abspielt. Es besteht aber kein Versicherungsschutz, wenn es bei der Verfolgung in erster Linie um die Wiedererlangung des Diebesguts ging und nicht um die Festnahme des Täters, so das Sozialgericht Berlin in einem jüngst veröffentlichten Urteil (Az. S 163 U 279/10).

Ein Mann besuchte zusammen mit seiner Verlobten einen Kongress in Barcelona. Am Ende des Kongresses nutzte das Paar die Gelegenheit, die Stadt zu erkunden. Nach einem Restaurantbesuch am letzten Abend ihres Aufenthalts wurde das Pärchen Opfer von zwei Taschendieben. Diese stahlen dem Mann die Brieftasche, die neben Bargeld und einer Bankkarte wichtige Personaldokumente enthielt, die für die Rückreise nach Deutschland benötigt wurden.

Der Mann bemerkte den Diebstahl sofort. Er setzte den Tätern daher nach. Dabei stellte ihm einer der Diebe ein Bein. Bei dem anschließenden Sturz brach sich der Bestohlene den linken Ellenbogen. Obwohl Passanten den Zwischenfall bemerkten und die Polizei riefen, konnten die Täter entkommen.

Eine Frage des Motivs

Nach seiner Rückkehr nach Deutschland wollte der Mann wegen des Zwischenfalls die Unfallkasse Berlin in Anspruch nehmen. Diese lehnte es jedoch ab, ihm Versicherungsschutz zu gewähren. Der Fall landete schließlich vor Gericht. Dort erlitt der Mann eine Niederlage.

Die Richter des Berliner Sozialgerichts stellten zwar nicht in Abrede, dass Personen, die bei der Verfolgung eines Straftäters zu Schaden kommen, unter dem Schutz der gesetzlichen Unfallversicherung stehen. Voraussetzung sei allerdings, dass das Ziel der Verfolgung in erster Linie auf die Festnahme des Täters und nicht auf die Wiedererlangung von Diebesgut gerichtet war.

Von einem versicherten Motiv vermochte der Bestohlene die Richter jedoch nicht zu überzeugen. Denn ihres Erachtens bestand die Handlungstendenz des Klägers eindeutig in der Wiedererlangung seiner Brieftasche. Er hätte die Täter nach Meinung des Gerichts nämlich wohl kaum verfolgt, wenn es ihm überwiegend darum gegangen wäre, sie der Polizei zu übergeben.

Privat absichern

Seine Klage wurde daher als unbegründet zurückgewiesen. Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig. Denn der Kläger hat inzwischen Berufung beim Landessozialgericht in Potsdam eingelegt. Es bleibt abzuwarten, wie dessen Richter den Fall beurteilen.

Wie der Fall zeigt, kann man sich nicht alleine auf die gesetzliche Absicherung verlassen, damit es nach einem Unfall aufgrund von bleibenden gesundheitlichen Schäden nicht noch zu finanziellen Problemen kommt. Denn es fallen viele Tätigkeiten nicht unter den Schutz der gesetzlichen Unfallversicherung. Die meisten Unfälle ereignen sich beispielsweise in der Freizeit, und hier besteht normalerweise grundsätzlich kein gesetzlicher Unfallschutz.

Die private Versicherungswirtschaft bietet zahlreiche Lösungen an, um sowohl einen fehlenden gesetzlichen Versicherungsschutz als auch die eventuell durch Unfall oder Krankheit auftretenden Einkommenslücken trotz gesetzlichem Schutz abzusichern. Zu nennen sind hier eine private Unfall-, eine Erwerbs- oder Berufsunfähigkeits- oder auch eine Krankentagegeld-Versicherung.

Weitere News zum Thema

  • Tipps für eine unfallfreie Bergwanderung

    [] (verpd) Ist sonniges Wetter in den Bergen angesagt, entscheiden sich viele kurzentschlossen zu einer Bergwanderung. Doch ohne eine ausreichende Planung bezüglich der Ausrüstung sowie der Wahl der Wanderwege, und ohne der erforderlichen Vor- und Umsicht in den Bergen, kann der Ausflug schnell zum Drama werden. Experten erklären, worauf beim Bergwandern zu achten ist. mehr

  • Sicher mobil – auch im Alter

    [] (verpd) Jahrzehntelange Fahrerfahrung zahlt sich aus, dennoch gibt es immer wieder auch dramatische Unfälle durch ältere Autofahrer. Jeder Einzelne kann jedoch durch eine entsprechende Kontrolle und Präventionsmaßnahmen etwas dafür tun, um auch im Seniorenalter sicher Auto zu fahren. mehr

  • Der Tanzpartner als Unfallrisiko

    [] (verpd) Wer beim Tanzen das Gleichgewicht verliert und stürzt, kann für die Folgen des Sturzes in der Regel nicht seinen Tanzpartner zur Verantwortung ziehen. Das geht aus einem kürzlich vom Oberlandesgericht Frankfurt veröffentlichten Hinweisbeschluss hervor (Az. 13 U 222/16). mehr

  • Wenn der Arbeitnehmer im Homeoffice verunfallt

    [] (verpd) Wer als Angestellter nicht zum Arbeiten in die Firma seines Arbeitgebers geht, sondern seinen Arbeitsplatz zu Hause hat, ist normalerweise auch bei einem Arbeitsunfall gesetzlich unfallversichert. Doch die Abgrenzung, welcher Unfall im Homeoffice als Arbeitsunfall gilt, für den die gesetzliche Unfallversicherung Schutz bietet, und welcher Unfall als Freizeitunfall einzustufen ist, für den kein gesetzlicher Unfallschutz besteht, ist oft schwierig. mehr

  • Inwieweit Hunger den gesetzlichen Unfallschutz kosten kann

    [] (verpd) Unterbricht ein Beschäftigter seinen unmittelbaren Weg zu seiner Arbeit, um in einer Bäckerei sein Frühstück zu besorgen, und kommt auf dem Rückweg zu seinem Auto zu Schaden, so hat er keinen Anspruch auf Leistungen durch die Berufsgenossenschaft. Das hat das Bundessozialgericht vor Kurzem entschieden (Az. B 2 U 1/16 R). mehr

Weitere News zum Thema

schließen

Link empfehlen

Mit der Inanspruchnahme des Services willigen Sie in folgende Vorgehensweise ein:

Ihre eigene E-Mail-Adresse und die des Empfängers werden nur zu Übertragungszwecken verwendet - um den Adressaten über den Absender zu informieren, bzw. bei einem Übertragungsfehler eine Benachrichtigung zu übermitteln. Um einen Missbrauch dieses Services zu vermeiden, wird Geldtipps.de die Identifikationsdaten (IP-Adresse) jedes Nutzers der versandten E-Mail in Form eines E-Mail-Header-Record (X-Sent-by-IP) beifügen und für einen Zeitraum von zwei Monaten speichern. Sofern Dritte glaubhaft machen, dass sie durch die Versendung eines Artikels im Rahmen dieses Services in ihren Rechten verletzt wurden, wird Geldtipps.de die Identifikationsdaten zur Rechtsverfolgung herausgeben.