Gesetzlicher Schutz mit Lücken für Ehrenamtliche

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(verpd) In Deutschland sind nach Angaben des Bundesministeriums für Arbeit und Soziales mehr als 23 Millionen Bundesbürger ehrenamtlich tätig. Doch nicht jeder davon ist trotz eines vorhandenen gesetzlichen Versicherungsschutzes ausreichend gegen eventuelle Schäden und Unfälle, die der Ehrenamtliche erleidet oder auch selbst verursacht, versichert.

Unter bestimmten Voraussetzungen steht ein Bürger, der im Interesse der Allgemeinheit als Ehrenamtlicher tätig ist, ähnlich wie ein Arbeitnehmer unter dem Schutz der gesetzlichen Unfallversicherung. Wer als Ehrenamtlicher einen Unfall erleidet, erhält dann von der für ihn zuständigen Berufsgenossenschaft oder Unfallkasse entsprechende Leistungen aus der gesetzlichen Unfallversicherung.

Welcher Ehrenamtliche gesetzlich geschützt ist

Nur wer gemäß Paragraf 2 SGB VII (Siebtes Sozialgesetzbuch) freiwillig für bestimmte Träger und Einrichtungen ehrenamtlich tätig ist und für den Zeit- und Arbeitsaufwand keine Entlohnung bekommt, ist gesetzlich unfallversichert. Darunter fallen beispielsweise Ehrenamtliche, die für Rettungs- oder Zivilschutzunternehmen sowie in der Wohlfahrtspflege, beispielsweise beim Deutschen Roten Kreuz oder bei einer freiwilligen Feuerwehr tätig sind.

Gesetzlich versichert sind zudem Personen, die in öffentlich-rechtlichen Einrichtungen wie einer Kirche, einer Gemeinde oder einer Schule ein Ehrenamt ausüben, sowie Menschen, die sich in Vereinen oder Verbänden im Auftrag oder mit Einwilligung von Kommunen zum Wohle der Allgemeinheit engagieren.

Keinen automatisch gesetzlichen Unfallschutz gibt es jedoch für gewählte oder beauftragte Ehrenamtsträger wie beispielsweise einen Vereinsvorstand, Kassenwart, Schriftführer oder Schiedsrichter in Vereinen oder gemeinnützigen Organisationen. Der jeweilige Verein oder Organisation, aber auch der Ehrenamtsträger selbst, kann jedoch freiwillig eine gesetzliche Unfallversicherung bei der Verwaltungs-Berufsgenossenschaft (VBG) abschließen.

Umfassender Unfallschutz

Doch auch wer bei der gesetzlichen Unfallversicherung versichert ist, muss mit Absicherungslücken rechnen. Zum einen sind auch Ehrenamtliche nur während ihrer ehrenamtlichen Tätigkeit, nicht jedoch im Rahmen einer Vereinstätigkeit, die nicht der Allgemeinheit dient, versichert. Zum anderen reicht die gesetzliche Absicherung insbesondere bei einem längeren Verdienstausfall oder auch bei bleibenden gesundheitlichen Schäden oft nicht aus, die dadurch verursachten Einkommenseinbußen auszugleichen.

Diverse Vereine oder Organisationen haben daher für ihre Mitglieder einen Gruppenunfallvertrag im Rahmen einer privaten Unfallversicherung abgeschlossen, der alle Vereinsmitglieder im Rahmen ihrer Vereinstätigkeiten absichert. Eine noch umfassendere Absicherung für den Einzelnen bietet eine private Unfallversicherung. Sie gilt nämlich rund um die Uhr, also während der Vereinstätigkeit, der Freizeit, beim Sport, bei der Hausarbeit und bei der Arbeit.

Die Höhe der auszuzahlenden Geldsumme und/oder Kapitalleistung im Falle eines bleibenden Gesundheitsschadens sowie andere Leistungen lassen sich bei einer privaten Unfallpolice im Gegensatz zur gesetzlichen Absicherung individuell und bedarfsgerecht vereinbaren. Noch weiter geht die Absicherung mit einer Berufsunfähigkeits-Police. Diese schützt vor Einkommenseinbußen, wenn man seinen Beruf nach einem bleibenden Gesundheitsschaden infolge eines Unfalls oder auch einer Krankheit nicht mehr ausüben kann.

Wenn andere geschädigt werden

Doch nicht nur der eigene Schaden kann zum finanziellen Desaster für den Ehrenamtlichen werden, auch wer als Ehrenamtlicher einen anderen aufgrund eines Missgeschicks schädigt, muss unter Umständen dafür selbst aufkommen. Besteht nämlich keine Vereinshaftpflicht-Versicherung und verletzt ein Vereinsmitglied während seiner ehrenamtlichen Tätigkeit eine andere Person grob fahrlässig, muss der Ehrenamtliche selbst mit immensen Schadenersatz-Forderungen des Verletzten rechnen.

Übrigens: Nach der aktuellen Gesetzeslage gemäß Paragraf 31a und b BGB (Bürgerliches Gesetzbuch) muss ein Verein für einen Haftpflichtschaden seines Vereinsmitglieds unter Umständen einstehen, wenn dieser den Schaden während seiner Vereinstätigkeit fahrlässig verursacht hat. Aus diesen Gründen ist es wichtig, dass Vereine eine Vereinshaftpflicht-Versicherung haben, die fahrlässige und grob fahrlässige Missgeschicke ihrer Mitglieder während der Vereins- und Ehrenamtstätigkeit absichert.

Ehrenamtliche sollten sich vor Beginn ihres Engagements beim jeweiligen Träger der Ehrenamtstätigkeit erkundigen, inwieweit eine Absicherung während der ehrenamtlichen Tätigkeit besteht. Wer als Einzelner sichergehen möchte, dass er gut geschützt ist, sollte eine private Haftpflichtversicherung haben, die auch Schäden im Rahmen einer ehrenamtlichen Tätigkeit mit einschließt. Diese springt dann nicht nur für Schäden ein, die man als Privatperson, beispielsweise als Fußgänger oder Radfahrer, sondern auch als Ehrenamtlicher verursacht.

Nützliches Wissen für Ehrenamtliche

Detaillierte Informationen zum Thema „Ehrenamt“, beispielsweise welche Berufsgenossenschaft oder Unfallkasse im Einzelfall zuständig ist, bietet die vor Kurzem aktualisierte 57-seitige Broschüre „Zu Ihrer Sicherheit“ des Bundesministeriums für Arbeit und Soziales. Sie ist online herunterladbar, kann aber auch bestellt werden.

Auch einige Versicherungsträger der gesetzlichen Unfallversicherung wie die Verwaltungs-Berufsgenossenschaft (VBG), die Berufsgenossenschaft für Gesundheit und Wohlfahrtspflege (BGW) oder auch die Unfallkasse des Bundes stellen online oder in Printform Hintergrundwissen bereit.

Fragen zur optimalen Absicherung für Vereine, Verbände und Organisationen, aber auch für ehrenamtlich Tätige beantwortet ein Versicherungsfachmann.

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