Gesetzliche Unfallversicherung: Schutz auch für vergessliche Arbeitnehmer

 - 

Mit zunehmendem Alter wird das vielen Arbeitnehmern passieren: Auf dem halben (Rück-)Weg nach Hause stellt man fest, dass man am Arbeitsplatz etwas liegen gelassen hat – und fährt zurück zum Betrieb. Doch Achtung: Diese Rückfahrt steht nicht unter dem Schutz der gesetzlichen Unfallversicherung.

Anders kann es aber bei der erneuten Fahrt nach Hause sein. Dies gilt dann, wenn man im Betrieb nochmals – wenn auch nur kurz – als Arbeitnehmer tätig geworden ist. Das ergibt sich aus einem Urteil des Bundessozialgerichts vom 14.11.2013 (Az. B 2 U 27/12 R).

Beschäftigte stehen auf dem Weg von ihrer Wohnung zum Betrieb und auf dem Rückweg in ihre Wohnung unter dem Schutz der gesetzlichen Unfallversicherung (GUV). Die Abgrenzung des versicherten Weges von privaten Tätigkeiten beschäftigt die Rechtsprechung seit Jahrzehnten. Der nun vom BSG entschiedene Fall hat eine bisher noch offene Konstellation zum Gegenstand: Ein Arbeitnehmer verließ am 18.4.2006 den Betrieb gegen 16:15 Uhr. Gegen 17:00 Uhr kehrte er zurück, um seine im Spind vergessene Geldbörse zu holen. Dabei traf er auf Kollegen, mit denen er Probleme erörterte, die seinen dienstlichen Aufgabenbereich betrafen. Gegen 17:45 Uhr machte er sich erneut auf den Heimweg und verunglückte kurz vor dem Erreichen seiner Wohnung schwer.

Das BSG sah nun – wie die Vorinstanz (LSG Stuttgart) – das Ereignis als versicherten Wegeunfall an. Zwar war die Rückfahrt in den Betrieb rein privat motiviert und deshalb nicht versichert – ein Unfall auf dem Rückweg in den Betrieb hätte also auf keinen Fall unter dem Schutz der GUV gestanden. Doch durch die Gespräche mit den Arbeitskollegen über dienstliche Angelegenheiten wurde die Arbeit im entschiedenen Fall tatsächlich wieder aufgenommen. Ob der Arbeitnehmer dazu verpflichtet war, ist für den Unfallversicherungsschutz ohne Bedeutung. Ähnlich dürfte das Gericht geurteilt haben, wenn der Betroffene nach der Rückkehr in den Betrieb – wie vielfach üblich – nochmals seine dienstlichen E-Mails gecheckt hätte.

Wenn man die Anwesenheit des Arbeitnehmers im Betrieb trotz seiner privaten Motivation zur Rückkehr dorthin als Ausübung der versicherten Beschäftigung ansieht, ist die Rechtslage klar: Auf dem Weg von dieser Tätigkeit nach Hause stand er wieder unter Versicherungsschutz, und auf diesem Weg hat sich der Unfall ereignet.

Quelle: "Der GeldBerater", März 2014

Aktuelle Anlage-Empfehlungen finden Sie monatlich in den "Geldtipps konkret!".

Weitere News zum Thema

  • Gesetzlicher Schutz für Helfer

    [] (verpd) Egal ob bei einer Panne, einem Unfall oder sonstigen Notlage, nicht immer kann sich jemand aus einer solchen für ihn schwierigen oder riskanten Situation selbst helfen. Er benötigt dann Unterstützung durch andere. Doch was, wenn ein Helfer dabei selbst verletzt wird? In der Regel springt in solchen Fällen die gesetzliche Unfallversicherung ein. mehr

  • Wenn Kinder oder Jugendliche einen Unfall mit verschulden

    [] (verpd) Eine Zwölfjährige, die nach dem Aussteigen aus einem Bus unachtsam die Straße überquert und dabei von einem Motorrad überfahren wird, ist trotz ihres Alters überwiegend selbst für die Folgen des Unfalls verantwortlich. Das geht aus einem aktuellen Urteil des Oberlandesgerichts Stuttgart hervor (Az. 13 U 143/16). mehr

  • Unfallursache: Schlaglöcher in der Straße

    [] (verpd) Straßenschäden wie Schlaglöchern oder Rissen im Fahrbahnbelag sind für alle Verkehrsteilnehmer gefährlich. So kann ein Fahrzeug beschädigt werden, wenn der Fahrer versehentlich mit einem Reifen in ein tiefes Schlagloch fährt. Radfahrer und Fußgänger können zudem wegen eines Schlagloches leicht stürzen und sich verletzen. Nicht selten stellt sich in diesen Fällen die Frage, wer für die entstandenen Schäden aufkommen muss. mehr

  • So lernen Kinder spielerisch ihr Unfallrisiko zu minimieren

    [] (verpd) Nicht immer und überall sind die Eltern oder andere Erwachsene dabei, um ein Kind vor Unfällen zu schützen. Deshalb ist es wichtig, dass Kinder selbst erkennen, wenn etwas gefährlich ist, und zwar egal, ob im Straßenverkehr, in der Schule, in der Freizeit oder auch zu Hause. Eine kostenlose App, herausgegeben von der Unfallforschung der Versicherer (UDV,) hilft dabei, dieses Wissen kindgerecht und mit viel Spaß zu vermitteln. mehr

  • Unfallversicherung: Vorschädigung macht nichts

    [] 50-Jährige ohne irgendwelche Schäden an der Wirbelsäule, an Knien, Schultern und Hüfte wird man nur wenige finden. Oft wirken sich Verengungen, Verschleiß oder sogar ein Bandscheibenvorfall zunächst aber im Alltag kaum aus. Kommt es dann zu einem Unfall, werden die vorher latenten Probleme plötzlich akut. Fraglich ist: Hilft dann eine private Unfallversicherung? mehr

Weitere News zum Thema

schließen

Link empfehlen

Mit der Inanspruchnahme des Services willigen Sie in folgende Vorgehensweise ein:

Ihre eigene E-Mail-Adresse und die des Empfängers werden nur zu Übertragungszwecken verwendet - um den Adressaten über den Absender zu informieren, bzw. bei einem Übertragungsfehler eine Benachrichtigung zu übermitteln. Um einen Missbrauch dieses Services zu vermeiden, wird Geldtipps.de die Identifikationsdaten (IP-Adresse) jedes Nutzers der versandten E-Mail in Form eines E-Mail-Header-Record (X-Sent-by-IP) beifügen und für einen Zeitraum von zwei Monaten speichern. Sofern Dritte glaubhaft machen, dass sie durch die Versendung eines Artikels im Rahmen dieses Services in ihren Rechten verletzt wurden, wird Geldtipps.de die Identifikationsdaten zur Rechtsverfolgung herausgeben.