Berufskrankheit: Auch nach Jahrzehnten ist noch eine Anerkennung möglich

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Dass sich mit zunehmendem Alter Krankheiten einstellen, ist eher die Regel als die Ausnahme. Im Fall des Falles sollten Sie aber immer im Blick haben, ob diese Krankheiten beruflich verursacht sein können. Dann ist nämlich eine Anerkennung als Berufskrankheit möglich – auch noch Jahrzehnte nach den Ereignissen, die die Krankheit verursacht haben.

Das zeigt ein Urteil des Bayerischen Landessozialgerichts vom 13.8.2013 (Az. L 3 U 262/12).

Chemikalien, dauernder schwerer Lärm, bestimmte Körperhaltungen und sogar die Sonne können Krankheiten verursachen. Zahlreiche Krankheiten sind inzwischen als Berufskrankheiten anerkannt. Das bedeutet natürlich nicht, dass sie in jedem Fall beruflich verursacht sind. Wenn aber eine hinlängliche Wahrscheinlichkeit besteht, dass die Betroffenen sich durch kurzfristige oder dauerhafte Belastungen im Beruf eine bestimmte Krankheit zugezogen haben, kann eine Krankheit als Berufskrankheit anerkannt werden. Das ist auch noch Jahrzehnte nach der Tätigkeit, die ggf. zur Krankheit geführt hat, möglich. In einem Urteil des Bayerischen LSG ging es um eine HIV-Infektion, die vor mittlerweile 32 Jahren stattgefunden hat.

1982 hatte sich eine damals 16-jährige Praktikantin im Krankenhaus mit AIDS infiziert. Dies steht nach dem Urteil des LSG München mit hinreichender Wahrscheinlichkeit fest. Eine AIDS-Infektion wurde erst fünf Jahre später bei einer Laboruntersuchung festgestellt, woraufhin die Betroffene ihren Beruf nicht mehr ausüben konnte. Zum Zeitpunkt der Infektion waren entsprechende Tests noch gar nicht verfügbar. Unmittelbar nach der – nun als hinreichend sicher angenommenen – Infizierung musste die Betroffene wegen grippeähnlicher Symptome für zwei Wochen das Bett hüten. Hierbei handelt es sich um einen typischen Verlauf bei einer AIDS-Infizierung. Als wahrscheinliche Ursache sah das Gericht die Stichverletzung mit einer infizierten Spritze an. Die Betroffene musste es im Verfahren auch hinnehmen, dass ihr Privatleben, insbesondere ihr Sexualverhalten untersucht wurde. Hier stellte das Gericht allerdings fest, dass sie eindeutig nicht zu den Risikogruppen für eine AIDS-Erkrankung gehörte. Wäre dies der Fall gewesen, wäre eine Berufskrankheit nicht anerkannt worden.

Die Anerkennung als Berufskrankheit bringt Vorteile. Denn soweit eine Berufskrankheit anerkannt ist, haben Betroffene Anspruch auf Leistungen der gesetzlichen Unfallversicherung. Dazu gehören u.a. Rente (auf die beispielsweise die ehemalige Kinderkrankenschwester mit einer MdE von 70 % Anspruch hat), Rehabilitationsmaßnahmen und medizinische Behandlungen. Ob die Krankenkasse oder die Unfallversicherung bestimmte Behandlungen zahlt, ist keineswegs egal. Denn die Leistungen der Berufsgenossenschaft sind vielfach besser. Auch Zuzahlungen – etwa bei der Behandlung im Krankenhaus – gibt es bei der gesetzlichen Unfallversicherung nicht.

Bei neu auftretenden Krankheiten sollten Betroffene immer auch eine mögliche berufliche Verursachung im Blick haben. Eine Anerkennung als Berufskrankheit ist auch dann möglich, wenn eine Krankheit erst in jüngerer Zeit als Berufskrankheit anerkannt wurde und die Ursache der Krankheit bereits längere Zeit zurückliegt.

So ist z.B. Lärmschwerhörigkeit erst mit Bekanntmachung vom 1.7.2008 als Berufskrankheit anerkannt. Eine Schwerhörigkeit kann aber auch heute noch – nachträglich – als Berufskrankheit anerkannt werden, wenn der Betroffene belegen kann, dass er eine Reihe von Jahren unter Lärmbedingungen gearbeitet hat oder wenn er kurzzeitig besonders hohen, intensiven Lärmbelastungen ausgesetzt war.

Eine Übersicht über anerkannte Berufskrankheiten sowie Merkblätter zu den einzelnen Berufskrankheiten enthält das Internet (Eingabe in die Suchmaschine Merkblätter und wissenschaftliche Begründungen zu den Berufskrankheiten).

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