Bei Vergiftungen schnell und richtig reagieren

 - 

(verpd) Spülmittel, Rohrreiniger, Blumendünger, Lampenöle, Körperpflegeprodukte, Tabak, Medikamente, Pflanzen, Früchte, Samen und Pilze: Es gibt unzählige Substanzen im und ums Haus, die für Menschen giftig sind.

Gefährdet sind vor allem kleine Kinder, die gerne Dinge in den Mund stecken. Dabei sind laut Experten rund 60 Prozent aller Giftunfälle vermeidbar. Und im Fall des Falles sollte man genau wissen, wie man richtig reagiert, um Schlimmeres zu verhindern.

Ein unbeobachteter Moment genügt, damit sich Kinder mit gesundheitsschädlichen Substanzen vergiften können. Deshalb empfehlen die Spezialisten der Bundesarbeits-Gemeinschaft Mehr Sicherheit für Kinder e.V. (BAG), das Zuhause giftsicher zu machen. So sollten alle Substanzen, die unverträglich oder giftig sind, kindersicher verwahrt beispielsweise in einen Schrank eingeschlossen werden. Besonders achtsam müssen Eltern mit (Klein-)Kindern sein, wenn sie sich mit ihnen in einem Haushalt aufhalten, wo es normalerweise keine Kinder gibt.

Hier fehlt oftmals das Problembewusstsein und giftige Substanzen sind in vielen Fällen griffbereit – auch für Kinder. Wie sich Vergiftungsunfälle vermeiden lassen und was im Fall des Falles zu tun ist, darüber informierten die Broschüre „Risiko Vergiftungsunfälle bei Kindern“ sowie der Flyer „Sicher aufwachsen“ der BAG wie auch die kostenlose App „Vergiftungsunfälle bei Kindern“ des Bundesinstituts für Risikobewertung (BfR).

Alle Infos stets griffbereit

Die App des BfR, die auch offline, also ohne Datenverbindung funktioniert, fasst Informationen zu Substanzen zusammen, die zu Vergiftungen bei Kindern führen können. Außerdem enthält sie Tipps, wie sich Unfälle vermeiden lassen und sie hilft, im Notfall Leben zu retten: Für unterschiedliche Vergiftungsunfälle werden dazu die entsprechenden Erste-Hilfe-Maßnahmen erklärt.

Praktisch: Das zuständige Giftinformationszentrum kann direkt aus der App heraus angerufen werden eine Geolokalisierung macht dies möglich. „Die App hilft, in Notsituationen die richtige Entscheidung zu treffen, und sollte auf dem Smartphone aller Eltern und Betreuer von kleinen Kindern installiert sein, betont BfR-Präsident Prof. Dr. Dr. Andreas Hensel.

Die genannte 80-seitige Broschüre der BAG, die es in Deutsch und Türkisch gibt, informiert ebenfalls im Detail über die Problembereiche Haushaltsprodukte und Chemikalien, Medikamente, Pflanzen und Pilze sowie über erste Maßnahmen, die bei einer Vergiftung durchzuführen sind. Außerdem sind einige Merkblätter integriert, die sich beispielsweise ausdrucken und an geeigneter Stelle aufhängen lassen. Sie kann beim BAG per E-Mail angefordert oder heruntergeladen werden.

Typische Vergiftungssymptome

Eine Vergiftung kann man unter anderem am ungewöhnlichen Verhalten eines Kindes erkennen: Eine ungewohnte Erregung, Störungen der Bewegung wie ein unsicherer Gang, ein Greifen nach unsichtbaren Gegenständen, Schläfrigkeit, Übelkeit, Erbrechen oder vermehrter Speichelfluss – all das sind häufige Symptome. Wenn bereits Anzeichen einer Vergiftung auftreten, muss das Kind umgehend zum nächsten Arzt, Kinderarzt oder ins Krankenhaus gebracht beziehungsweise der Notruf 112 angerufen werden.

Selbst wenn man nur vermutet, dass das Kind eine gefährliche Substanz zu sich genommen hat, sollte man sofort aktiv werden und nicht auf erste Beschwerden warten. Über einen Anruf bei der nächstgelegenen Giftnotrufzentrale kann man Spezialisten informieren, was passiert ist. Folgende Fragen sind hierbei von Interesse: Was wurde eingenommen? Wie alt ist der Patient? Warum, wann, wie und wie viel wurde eingenommen? Wie geht es dem Patienten? Was wurde bereits unternommen und wer ruft an?

Tipp: Muss ein Patient aufgrund der Empfehlung des Giftnotrufs ins Krankenhaus oder zum Arzt, sollte stets der Behälter, die Flasche beziehungsweise die Verpackung der Substanz, die für die Vergiftung verantwortlich gemacht wird, mitgenommen werden. Bei Pflanzen sollte ein ganzer Zweig zur Identifizierung bereitgestellt werden. Handyfotos und anderes Material, das bei der Bestimmung der giftigen Substanz unterstützt, sind ebenfalls hilfreich.

Hausmittel sind keine Hilfe

Ganz grundsätzlich darf man bei einer Vergiftung kein Erbrechen herbeiführen. Ätzende Substanzen würden dann beispielsweise zu einer weiteren Verätzung der Speiseröhre und des Mundraumes führen.

Wenn sich das Kind allerdings von selbst übergibt, dann sind unbedingt die Atemwege freizuhalten. In diesem Fall sollte das Kind zum Beispiel nicht auf dem Rücken liegen.

Ist es zu Verätzungen im Mund- und Rachenraum gekommen, sollte der Mund ausgewischt und durch Ausspucken entleert werden. Tee oder kohlensäurefreies Wasser kann getrunken werden, solange der Patient bei Bewusstsein ist und keine schäumenden Substanzen geschluckt hat. Milch hingegen ist problematisch, da sie die Aufnahme von vielen Giftsubstanzen sogar noch fördert, sodass Vergiftungs-Erscheinungen noch schneller eintreten könnten.

Weitere News zum Thema

  • Gesetzlicher Schutz für Helfer

    [] (verpd) Egal ob bei einer Panne, einem Unfall oder sonstigen Notlage, nicht immer kann sich jemand aus einer solchen für ihn schwierigen oder riskanten Situation selbst helfen. Er benötigt dann Unterstützung durch andere. Doch was, wenn ein Helfer dabei selbst verletzt wird? In der Regel springt in solchen Fällen die gesetzliche Unfallversicherung ein. mehr

  • Wenn Kinder oder Jugendliche einen Unfall mit verschulden

    [] (verpd) Eine Zwölfjährige, die nach dem Aussteigen aus einem Bus unachtsam die Straße überquert und dabei von einem Motorrad überfahren wird, ist trotz ihres Alters überwiegend selbst für die Folgen des Unfalls verantwortlich. Das geht aus einem aktuellen Urteil des Oberlandesgerichts Stuttgart hervor (Az. 13 U 143/16). mehr

  • Unfallursache: Schlaglöcher in der Straße

    [] (verpd) Straßenschäden wie Schlaglöchern oder Rissen im Fahrbahnbelag sind für alle Verkehrsteilnehmer gefährlich. So kann ein Fahrzeug beschädigt werden, wenn der Fahrer versehentlich mit einem Reifen in ein tiefes Schlagloch fährt. Radfahrer und Fußgänger können zudem wegen eines Schlagloches leicht stürzen und sich verletzen. Nicht selten stellt sich in diesen Fällen die Frage, wer für die entstandenen Schäden aufkommen muss. mehr

  • So lernen Kinder spielerisch ihr Unfallrisiko zu minimieren

    [] (verpd) Nicht immer und überall sind die Eltern oder andere Erwachsene dabei, um ein Kind vor Unfällen zu schützen. Deshalb ist es wichtig, dass Kinder selbst erkennen, wenn etwas gefährlich ist, und zwar egal, ob im Straßenverkehr, in der Schule, in der Freizeit oder auch zu Hause. Eine kostenlose App, herausgegeben von der Unfallforschung der Versicherer (UDV,) hilft dabei, dieses Wissen kindgerecht und mit viel Spaß zu vermitteln. mehr

  • Unfallversicherung: Vorschädigung macht nichts

    [] 50-Jährige ohne irgendwelche Schäden an der Wirbelsäule, an Knien, Schultern und Hüfte wird man nur wenige finden. Oft wirken sich Verengungen, Verschleiß oder sogar ein Bandscheibenvorfall zunächst aber im Alltag kaum aus. Kommt es dann zu einem Unfall, werden die vorher latenten Probleme plötzlich akut. Fraglich ist: Hilft dann eine private Unfallversicherung? mehr

Weitere News zum Thema

schließen

Link empfehlen

Mit der Inanspruchnahme des Services willigen Sie in folgende Vorgehensweise ein:

Ihre eigene E-Mail-Adresse und die des Empfängers werden nur zu Übertragungszwecken verwendet - um den Adressaten über den Absender zu informieren, bzw. bei einem Übertragungsfehler eine Benachrichtigung zu übermitteln. Um einen Missbrauch dieses Services zu vermeiden, wird Geldtipps.de die Identifikationsdaten (IP-Adresse) jedes Nutzers der versandten E-Mail in Form eines E-Mail-Header-Record (X-Sent-by-IP) beifügen und für einen Zeitraum von zwei Monaten speichern. Sofern Dritte glaubhaft machen, dass sie durch die Versendung eines Artikels im Rahmen dieses Services in ihren Rechten verletzt wurden, wird Geldtipps.de die Identifikationsdaten zur Rechtsverfolgung herausgeben.