Reiserücktrittsversicherung: Trotz vorheriger Rückenschmerzen ist der Bandscheibenvorfall "unerwartet"

 - 

Wer kurz vor dem Urlaub erkrankt, kann froh sein, wenn er eine Reiserücktrittsversicherung abgeschlossen hat, die ggf. die anfallenden Stornokosten übernimmt. Streit entzündet sich dann unter Umständen aber an der Frage, ob es sich bei der Krankheit, die die Reise verhindert, um eine neue Krankheit handelt.

Die Versicherungsbedingungen verlangen in der Regel, dass essich um eine "unerwartete schwere Erkrankung" handelt. Ein inzwischen rechtskräftiges Urteil des Oberlandesgerichts Koblenz vom 22.1.2010 kam dabei zu einer großzügigen Rechtsauslegung zugunsten der Versicherten (Az. 10 U 613/09).

Konkret ging es um 7.600 Euro Stornokosten, die nach dem Rücktritt eines Versicherten von einer Südamerikareise anfielen. Der Betroffene hatte die Reise nach einem Bandscheibenvorfall absagen müssen. Da er vor der Buchung der Reise bereits an Rückenschmerzen gelitten hatte und von einem Orthopäden Krankengymnastik und Massagen verschrieben bekommen hatte, meinte der Reiserücktrittsversicherer, es habe sich bei dem Bandscheibenvorfall nicht um eine "unerwartet schwere Erkrankung" im Sinne der Versicherungsbedingungen gehandelt. Das sah das OLG in einem inzwischen rechtskräftigen Urteil anders. Unerwartet sei eine Krankheit, die aus der subjektiven Sicht des Versicherten nicht voraussehbar sei. Auch wochenlange Rückenschmerzen ließen bei einem durchschnittlichen Versicherungsnehmer nicht den Schluss zu, dass er sich einen Bandscheibenvorfall eingehandelt habe.

Ähnlich großzügig hatte das Oberlandesgericht Köln am 30.10.2009 bei einem Streitfall im Zusammenhang mit einer Reisekrankenversicherung geurteilt (Az. 20 U 62/09). Auch hier sahen die Versicherungsbedingungen vor, dass der Versicherungsschutz bei akuten, unerwarteten Erkrankungen und Verletzungen eintrete. Tatsächlich erlitt die Versicherte einen Herzinfarkt. Bereits einige Jahre zuvor hatte sie einen Infarkt gehabt und hatte zudem bei Versicherungsabschluss unter Bluthochdruck und gelegentlichen Herzrhythmusstörungen gelitten. Das OLG Köln nahm dennoch eine unerwartete Krankheit an. Auch bei bestehenden Vorerkrankungen sei ein Herzinfarkt unerwartet, wenn er "keine zwingende, notwendig eintretende Folge der Vorerkrankung darstellt". Eine vorherige Behandlung wegen Herzbeschwerden führe "nicht ohne Weiteres zur Vorhersehbarkeit einer Behandlung wegen eines neu auftretenden Herzinfarkts". Das Gericht ließ gegen die Entscheidung keine Revision zu.

Tipp
Die Urteile zeigen, dass sich das Einlegen von Rechtsmitteln gegen abschlägige Entscheidungen von Reiserücktritts- und Reisekrankenversicherungen durchaus lohnen kann.

 

Weitere News zum Thema

  • Wenn Verkehrsschilder vom Schnee verdeckt werden

    [] (verpd) Während die Bedeutung einiger Verkehrsschilder schon alleine durch deren Form klar ist, ist dies bei anderen nicht so. Gerade diese Tatsache spielt eine große Rolle bei der Frage, wie sich ein Verkehrsteilnehmer zu verhalten hat, wenn er an ein Verkehrszeichen kommt, das von Schnee ganz oder zum überwiegenden Teil bedeckt ist. mehr

  • Kein Recht auf eisfreie Straßen

    [] (verpd) Auf öffentlichen Kreisstraßen außerhalb geschlossener Ortschaften muss der Verkehrssicherungs-Pflichtige nur an besonders gefährlichen Stellen streuen, um der Gefahr einer Glatteisbildung vorzubeugen. Das hat das Oberlandesgericht Hamm mit einem veröffentlichten Urteil entschieden (Az. 11 U 121/15). mehr

  • Gefahrlos aufs Eis

    [] (verpd) Besonders gefährlich ist es, sich bei einer natürlichen Eisfläche auf den ersten Anschein, dass das Eis dick genug ist, zu verlassen und sie vorschnell zu betreten. Es gibt einige Kriterien, die man berücksichtigen sollte, bevor man aufs Eis geht, sowie so manche Stellen, welche man grundsätzlich meiden sollte. Darüber hinaus sollte jeder Schlittschuhläufer, Eishockeyspieler oder andere Personen, die gerne auf zugefrorene Seen oder Flüsse gehen, die wichtigsten Regeln kennen, die es zu befolgen gilt, wenn man selbst oder ein anderer ins Eis eingebrochen ist. mehr

  • Versicherungsprämien durch Selbstbehalt senken

    [] (verpd) Es gibt zahlreiche Versicherungsarten, bei denen die Versicherer dem Versicherungskunden eine Selbstbeteiligung beziehungsweise einen Selbstbehalt anbieten. Vereinbart der Kunde einen derartigen Selbstbehalt, trägt er im Schadenfall einen festgelegten und im Vergleich zum möglichen Risiko in der Regel niedrigen Betrag am Schaden selbst. Dafür jedoch ist die Versicherungsprämie um einiges niedriger als ohne einen vereinbarten Selbstbehalt. mehr

  • Keine höhere Kfz-Versicherungsprämie wegen Bagatellschäden

    [] (verpd) Ein selbst verschuldeter Autounfall ist doppelt ärgerlich. Zum einen muss man für den eigenen Schaden am Pkw ohne vorhandene Vollkaskoversicherung selbst aufkommen. Zum anderen steigt die Kfz-Prämie im nächsten Jahr, wenn die Kfz-Versicherung den Schaden des Unfallgegners begleichen musste und sich die Schadenfreiheitsklasse deswegen verschlechterte. Doch bei Bagatellschäden kann man Letzteres unter Umständen verhindern. mehr

Weitere News zum Thema

schließen

Link empfehlen

Mit der Inanspruchnahme des Services willigen Sie in folgende Vorgehensweise ein:

Ihre eigene E-Mail-Adresse und die des Empfängers werden nur zu Übertragungszwecken verwendet - um den Adressaten über den Absender zu informieren, bzw. bei einem Übertragungsfehler eine Benachrichtigung zu übermitteln. Um einen Missbrauch dieses Services zu vermeiden, wird Geldtipps.de die Identifikationsdaten (IP-Adresse) jedes Nutzers der versandten E-Mail in Form eines E-Mail-Header-Record (X-Sent-by-IP) beifügen und für einen Zeitraum von zwei Monaten speichern. Sofern Dritte glaubhaft machen, dass sie durch die Versendung eines Artikels im Rahmen dieses Services in ihren Rechten verletzt wurden, wird Geldtipps.de die Identifikationsdaten zur Rechtsverfolgung herausgeben.