Neuberechnung des Rückkaufswerts gekündigter Kapitallebensversicherungen immer noch möglich

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Wer in der Vergangenheit eine Kapitallebens- oder eine private Rentenversicherung abgeschlossen und diese später gekündigt hat, wurde oft böse überrascht. Doch noch ist nicht alles zu spät.

Die Verrechnung von Vertriebsprovisionen und anderen Abschlusskosten mit den eingezahlten Beiträgen und zusätzliche Abzüge für das Storno führten dazu, dass gerade bei Verträgen mit kurzer Laufzeit von den eingezahlten Prämien nur geringe Anteile zurückerstattet wurden. Hierüber wurden die Versicherungsnehmer jedoch nur im Kleingedruckten informiert. Deshalb war vielen Kunden nicht die Wirkung der Verrechnung aller Vertriebs- und Abschlusskosten im Falle einer Kündigung der Police klar - nämlich ein sehr geringer Rückkaufswert.

Am 12.10.2005 verpflichtete der Bundesgerichtshof die Lebensversicherer, bei vorzeitiger Kündigung der Lebensversicherungspolicen und der privaten Rentenversicherungen den Versicherungskunden mindestens einen Rückkaufswert von 40 Prozent der eingezahlten Beiträge zu garantieren, und untersagte den Versicherern zugleich, diese Bestimmungen rückwirkend durch eine angeblich transparentere Darstellung zu ersetzen (BGH, Az. IV ZR 162/03). Deshalb können Versicherte insbesondere bei Lebensversicherungspolicen, die bereits nach kurzer Laufzeit gekündigt werden, jetzt mit einem verbesserten Rückkaufswert rechnen.

Daneben können die Besitzer von gekündigten Verträgen mit einer Aufstockung ihrer Rückzahlung rechnen. Allerdings gilt diese Hoffnung nur für Kunden, die ihren Versicherungsvertrag zwischen dem 29.7.1994 und Herbst 2001 abgeschlossen und sodann gekündigt haben. Diese Kunden sollten mit dem gekündigten Vertrag bei ihrem Versicherer vorstellig werden.

Weitere Komplikation: In der Regel tritt fünf Jahre nach der Vertragsregulierung Verjährung ein. Die Versicherer versuchen auch, sich auf diese 5-Jahres-Frist zu berufen. Doch da höchstrichterlich noch nicht entschieden ist, wann eventuelle Ansprüche auf Neuberechnung des Rückkaufswerts verjähren, sollte man es auf jeden Fall versuchen. Verbraucherschützer argumentieren nämlich, diese 5-Jahres-Frist beziehe sich auf den Zeitpunkt der Bekanntgabe des BGH-Urteils. Demgemäß wäre noch Zeit bis Ende 2010, um Ansprüche auf Neuberechnung des Rückkaufswerts beim Versicherer anzumelden.

Geldtipp
Sollte es Unstimmigkeiten zwischen Ihnen und Ihrem Versicherer geben, können Sie sich an den Ombudsmann für Versicherungen wenden:
Postfach 080632, 10006 Berlin, www.versicherungsombudsmann.de; beschwerde@versicherungsombudsmann.de. Dieses Beschwerdeverfahren ist für Sie kostenlos.

Musterbrief an die Versicherungsgesellschaft

Sehr geehrte Damen und Herren,
am XX.XX.XXXX habe ich eine Kapitallebensversicherung gekündigt, die ich am XX.XX.XXXX bei Ihnen abgeschlossen hatte. Als Rückkaufswert habe ich Euro X.XXX,XX erhalten.

Aufgrund des BGH-Urteils vom 12.10.2005, Az. IV ZR 162/03, ergibt sich jedoch möglicherweise ein höherer Rückkaufswert. Ich bitte Sie, diesen zu prüfen und den höheren Erstattungsbetrag gegebenenfalls auf mein Konto Nr. XXX bei der XXX-Bank, BLZ XXXXXXXX, zu überweisen.

Gegen die eventuell von Ihnen erhobene Einrede der Verjährung wende ich vorsorglich ein, dass seit dem BGH-Urteil noch keine fünf Jahre vergangen sind.

Mit freundlichen Grüßen

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