Gekündigte Lebensversicherung: Wie Sie eine noch höhere Auszahlung durchsetzen können

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Im Jahr 2009 haben 3,6 Millionen Vorsorgesparer ihre Kapitallebens- oder Rentenversicherung vorzeitig gekündigt. Die meisten machten dabei ein schlechtes Geschäft. Die Vertriebs-, Abschluss- und Verwaltungskosten für die gesamte Laufzeit mussten sie nämlich dennoch voll bezahlen.

Dagegen belohnen die Versicherer vor allem diejenigen, die ihren Vertrag bis zum Ende der vereinbarten Laufzeit durchhalten. Sie erhalten zusätzlich einen Schlussbonus. Doch das schafft allenfalls jeder Zweite, schließlich laufen viele Verträge über 20, 30 oder mehr Jahre.

Doch auch während der Laufzeit müssen jedes Jahr die garantierten Zinsen auf den Sparanteil und die Beteiligung an den jährlichen Überschüssen (sofern vorhanden) gutgeschrieben und verzinst werden. Und auch bei vorzeitigem Ausstieg steht dem Versicherten ein entsprechender Anteil an den stillen Reserven des Versicherers zu.

Viele Versicherer nehmen es freilich manchmal nicht so ganz genau mit der vollständigen Auszahlung aller vertraglichen Ansprüche des Versicherten. Das haben viele Gerichte inzwischen bestätigt. Für den Laien ist aber nicht leicht erkennbar, ab die Auszahlung korrekt ist.

Professionelle Hilfe nötig

Deshalb schalten viele Versicherte die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin), den Versicherungsombudsmann oder eine Verbraucherzentrale ein, um zu ihrem Geld zu kommen. Nach Studien dieser drei Institutionen geht es i.d.R. um mehrere Tausend Euro Nachzahlung pro Vertrag.

In mehreren Fällen haben Landgerichte und sogar der Bundesgerichtshof Lebensversicherer dazu verurteilt, die Auszahlungssumme neu zu berechnen und ihren Kunden höhere Beträge auszuzahlen.
So bestimmte das Landgericht Hamburg am 20.10.2009 in mehreren Fällen von zu niedriger Auszahlung nach Beitragsfreistellung: Ruht ein Vertrag, muss das bis dahin angesammtelte Kapital ordnungsgemäß mit der gesetzlichen Mindestverzinsung verzinst werden, so wie bei nicht beitragsfreien Verträgen (Az. 324 O 1116/07, 324 O 1136/07, 324 O 1153/07).

Auch bei vorzeitiger Kündigung müssen die Versicherten an den vorhandenen stillen Reserven der Lebensversicherer beteiligt werden (Landgericht Hamburg, Az. 234 R 1256/09). Diese Vermögenswerte sind schließlich aus den Beiträgen entstanden. Doch die stillen Reserven sind für den Laien nur schwer zu bestimmen.

Nach Urteilen des Bundesgerichtshofs vom 12.10.2005 (Az. IV ZR 162/03, 177/03, 245/03) muss der Rückkaufswert bei vorzeitiger Kündigung mindestens 50 Prozent des ursprünglichen Deckungskapitals betragen. Die Kosten des Versicherers dürfen nicht dazu führen, dass der Rückkaufswert gegen null geht. Das ist in den ersten Jahren nach Vertragsabschluss vielfach der Fall.

Nachzahlung einfordern

Auf der Grundlage dieser Urteile können Versicherte, die der Meinung sind, nicht genügend Geld von ihrem Versicherer bekommen zu haben, von diesem die Neuberechnung der Police verlangen und eine Nachzahlung einfordern. Das gilt insbesondere für Versicherungspolicen die zwischen 1995 und Herbst 2001 abgeschlossen und vorzeitig gekündigt wurden.

Tipp
Da die Versicherungsgesellschaften in den seltensten Fällen dieser Forderung sofort entsprechen, ist es ratsam, eine Frist von vier Wochen für die Beantwortung des Schreibens zu setzen und anzukündigen, notfalls den Versicherungsombudsmann oder einen Fachanwalt einzuschalten.

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