Berufsunfähigkeitsversicherung: Was tun nach einer Ablehnung?

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Ab dem 40. und ganz besonders ab dem 50. Lebensjahr steigt das Risiko dramatisch an, berufsunfähig zu werden. Deshalb honorieren die Versicherungsgesellschaften einen frühen Versicherungsbeginn mit niedrigen Prämien. Dennoch sollten Sie keinesfalls übereilt eine Berufsunfähigkeitsversicherung abschließen.

Vergleichsangebote einzuholen, lohnt sich: Eine 30-jährige Frau (Nichtraucherin) zahlt für einen Berufsunfähigkeitsschutz in Höhe von monatlich 1.000 Euro beim teuersten Anbieter rund 1.600 Euro im Jahr, während die gleiche Leistung beim günstigsten Versicherer für 600 Euro im Jahr zu haben ist.
Der Beitrag hängt allerdings vom jeweiligen Beruf ab.

Im Durchschnitt bewegen sich die Beiträge für eine Berufsunfähigkeitsversicherung in folgendem Rahmen: Selbstständige Berufsunfähigkeitsversicherung bei kaufmännischer Tätigkeit. Versichert ist eine Berufsunfähigkeitsrente in Höhe von 1.000 Euro monatlich, Laufzeit bis zum 65. Lebensjahr.

Doch wer schon ein paar Jährchen auf dem Buckel hat und noch dazu in einem risikoreichen Beruf arbeitet, hat es nicht immer leicht, einen passenden Versicherungsschutz zu finden. Manchmal können schon kleine Vorerkrankungen zu einer Ablehnung führen. Weit mehr als 10 Prozent aller Anfragen werden abgelehnt.

Die häufigsten Ursachen für eine Berufsunfähigkeit bei Angestellten
Psychische Erkrankungen 29,1 Prozent
Skelett, Muskeln, Bindegewebe 19,9 Prozent
Krebs, Neubildungen 16,0 Prozent
Herz- und Kreislauferkrankungen 13,6 Prozent
Stoffwechsel, Verdauung 4,1 Prozent

Vier Alternativen

Oft bleibt dann nur noch das Ausweichen in andere Versicherungssparten. Diese können allerdings nicht das hauptsächliche Risiko der Berufsunfähigkeit abdecken, das bei Angestellten überwiegend in psychischen Krankheiten und Skelettproblemen besteht.
  • Dread-Disease-Versicherung,
  • Erwerbsunfähigkeitsversicherung,
  • Grundfähigkeitenversicherung und
  • Unfallversicherung.

Dread-Disease-Versicherung

Der Begriff „Dread Disease“ kommt aus dem Englischen und bedeutet „schwere Krankheit“. Im Allgemeinen sind Krankheiten wie Krebs, Schlaganfall, Herzinfarkt und Bypass-Operationen abgesichert. Die Leistung aus dieser Versicherung ist ein einmaliger Geldbetrag. Er wird gezahlt, wenn eine der vertraglich festgelegten Krankheiten eintritt. Die Heilungschancen bei schweren Krankheiten wie etwa Krebs oder Herzinfarkt werden zwar dank des medizinischen Fortschritts immer größer. Doch steigen auch die Kosten, die durch aufwändige Behandlungsmethoden oder den vorübergehenden Verlust der Arbeitskraft entstehen.

Beispiel:
Im Falle eines Herzinfarkts erhält der Versicherte den nötigen finanziellen Freiraum, um beispielsweise Umbauten durchführen lassen zu können und um sich beruflich neu zu orientieren. Denn auch wenn keine Berufsunfähigkeit vorliegt, führt eine schwere Erkrankung häufig zu einer dauerhaften Einschränkung der Leistungskraft. Eine Alternative ist dieser Schutz, wenn der Abschluss einer Berufsunfähigkeitsversicherung etwa wegen bereits bestehender Krankheiten nicht möglich ist. Sinnvoll kann sie auch für Selbstständige und Freiberufler sein, die nach Herzinfarkt, Bypass oder Krebs häufig ihre Tätigkeit wieder aufnehmen. Dann würde eine Berufsunfähigkeitsversicherung ihre Zahlungen sofort stoppen.

Erwerbsunfähigkeitsversicherung

Erwerbsunfähigkeitsversicherung zahlt, wenn der Versicherte gar keine Tätigkeit mehr regelmäßig und dauerhaft ausüben kann. Damit ähnelt sie der gesetzlichen Erwerbsminderungsrente. Anders als bei einer Berufsunfähigkeitsversicherung spielt der bisher ausgeübte Beruf keine Rolle, ebenso wenig wie das bislang erzielte Einkommen. Eine Erwerbunfähigkeitsversicherung ist deshalb auch bedeutend günstiger als eine Berufsunfähigkeitsversicherung. Deshalb kann sie als Einstiegsprodukt dienen, wenn (noch) keine ausreichenden Mittel für eine richtige Berufsunfähigkeitsversicherung zur Verfügung stehen.

Grundfähigkeitenversicherung

Die Grundfähigkeitenversicherung zahlt eine monatliche Rente, wenn bestimmte Fähigkeiten wie etwa Sehen, Greifen oder Autofahren vollständig verloren gegangen sind. Kann der Versicherte diese Tätigkeiten infolge von Krankheit, Körperverletzung oder Kräfteverfall nicht mehr ausführen, leistet die Versicherung. Voraussetzung dafür ist eine ärztliche Beurteilung, aus der hervorgeht, dass der Betroffene mindestens zwölf Monate lang ununterbrochen nicht fähig war oder ist, mindestens eine der im Vertrag festgelegten Tätigkeiten durchzuführen. Die Grundfähigkeitenversicherung ist ein Mittelding zwischen Berufsunfähigkeitsversicherung und Pflegeversicherung. Sie zahlt auch dann, wenn der Beruf noch ausgeübt werden kann, was in der Praxis aber nur selten vorkommt.

Unfallversicherung

Die Unfallversicherung wird zwar häufig als Alternative zur Berufsunfähigkeitsversicherung angeboten, doch sie zahlt nur dann, wenn ein Unfall zu einer dauerhaften Beeinträchtigung geführt hat. Unfälle sind jedoch nur zu 10 Prozent die Ursache für Berufsunfähigkeit. Die Unfallversicherung ist von den vier Alternativen zur Berufsunfähigkeitsversicherung die schlechteste.

Unser Versicherungstipp:
Viele unterschätzen das Risiko, ihre Arbeitskraft zu verlieren. Gleichzeitig überschätzen sie, was sie aus der gesetzlichen Rentenversicherung bei Erwerbsunfähigkeit zu erwarten haben.

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