Bei teuren Reisen unbedingt auch das Risiko des Reiseabbruchs versichern

 - 

Aus Schaden wird man klug, auch aus dem Schaden anderer – etwa aus folgendem Fall: Zwei Damen mussten eine dreimonatige USA-Reise bereits auf dem Hinflug wegen einer Erkrankung abbrechen. Daraufhin verlangten sie von ihrem Reisebüro rund 4.000 Euro für die nicht in Anspruch genommenen Reiseleistungen zurück.

Doch das bekamen sie nicht. Denn das Reisebüro hatte sie zwar auf eine Reiserücktrittskostenversicherung – die die beiden Damen auch abschlossen –, jedoch nicht auf die Notwendigkeit einer Reiseabbruchversicherung hingewiesen. Der Versicherer lehnte erwartungsgemäß jegliche Leistung ab, weil es sich nicht um einen Rücktritt vor Reisebeginn, sondern um einen Abbruch der bereits angetretenen Reise gehandelt habe.

Wegen der fehlerhaften Beratung verklagten die beiden Damen das Reisebüro. Doch Amtsgericht und Landgericht wiesen die Klage mit der Begründung ab, das Reisebüro brauche nicht ungefragt auf die Möglichkeit einer Abbruchversicherung hinzuweisen. Der Bundesgerichtshof folgte dieser Ansicht .  Er stellte zunächst klar, dass das Reisebüro mit dem Reisekunden einen eigenen Reisevermittlungsvertrag mit Haftungsfolgen abgeschlossen habe. Ein solcher Reisevermittlungsvertrag habe nur die Beratung des Kunden bei der Auswahl oder Zusammenstellung einer seinen Wünschen entsprechenden Reise zum Gegenstand, nicht aber die Versicherungsberatung. Anders könne es nur dann sein, wenn das Reisebüro ähnlich wie ein Reiseveranstalter auftrete.

Zur Pflicht des Reisebüros gehört laut Bundesgerichtshof lediglich der Hinweis auf die Möglichkeit des Abschlusses einer Reiserücktrittskosten- und einer Rücktransportkostenversicherung, nicht aber einer Reiseabbruchsversicherung. Auch eine verhältnismäßig lange Reisedauer und ein hoher Reisepreis begründen nach Meinung des BGH keine weitergehende Aufklärungspflicht (BGH-Urteil vom 25. Juli 2006, Az. X ZR 182/05).

Weitere News zum Thema

  • Erwachsen und trotzdem bei den Eltern mitversichert

    [] Wird jemand volljährig, sollte er sich grundsätzlich Gedanken darüber machen, ob er auch richtig abgesichert ist. Insbesondere eine private Haftpflichtversicherung, eine Berufsunfähigkeits-Versicherung und eine vernünftige Vorsorge für Krankheit und Alter sind existenziell. Doch nicht für alles muss man gleich einen eigenen Vertrag abschließen. mehr

  • Betriebsunterbrechungs-Versicherung: Wenn der Chef arbeitsunfähig wird

    [] Bei kleineren Unternehmen sowie Freiberuflern wie Ärzten, Architekten, Anwälten oder Sachverständigen ist der geschäftliche Erfolg oft von der Person und Arbeitskraft des Inhabers abhängig. Viele Arbeitsabläufe oder auch die Neukundenakquise stehen und fallen hier mit der Arbeitskraft des Inhabers. mehr

  • Nutzungsausfall für Fahrradfahrer?

    [] Ein Radler, der nach einem unverschuldeten Unfall vorübergehend auf sein Fahrrad verzichten muss, hat unter Umständen einen Anspruch auf Zahlung einer Nutzungsausfall-Entschädigung. Das geht aus einem Urteil des Landgerichts Lübeck hervor (Az. 1 S 16/11). mehr

  • Die größten Irrtümer zur Berufsunfähigkeit

    [] Ein Versicherer hat in einer Studie untersuchen lassen, warum die eigentlich essenzielle Absicherung gegen das Risiko Berufsunfähigkeit (BU) für viele nicht wichtig scheint. Die Untersuchung kam zu dem Ergebnis, das viele Bürger fälschlicherweise glauben, adäquat gegen den Verlust der Arbeitskraft geschützt zu sein, eine mangelnde persönliche Risikoeinschätzung haben oder auch von falschen Ursachen ausgehen, die zur BU führen. mehr

Weitere News zum Thema

schließen

Link empfehlen

Mit der Inanspruchnahme des Services willigen Sie in folgende Vorgehensweise ein:

Ihre eigene E-Mail-Adresse und die des Empfängers werden nur zu Übertragungszwecken verwendet - um den Adressaten über den Absender zu informieren, bzw. bei einem Übertragungsfehler eine Benachrichtigung zu übermitteln. Um einen Missbrauch dieses Services zu vermeiden, wird Geldtipps.de die Identifikationsdaten (IP-Adresse) jedes Nutzers der versandten E-Mail in Form eines E-Mail-Header-Record (X-Sent-by-IP) beifügen und für einen Zeitraum von zwei Monaten speichern. Sofern Dritte glaubhaft machen, dass sie durch die Versendung eines Artikels im Rahmen dieses Services in ihren Rechten verletzt wurden, wird Geldtipps.de die Identifikationsdaten zur Rechtsverfolgung herausgeben.