Wenn Patienten unnötig leiden

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(verpd) Versäumt es ein Krankenhausarzt, sich regelmäßig weiterzubilden und wissenschaftlich gesicherte Erkenntnisse zeitnah umzusetzen, kann ein daraus resultierender Behandlungsfehler seinen Arbeitgeber dazu verpflichten, dem betroffenen Patienten ein Schmerzensgeld zahlen zu müssen. Das geht aus einem aktuell gefällten Urteil des Oberlandesgerichts Koblenz hervor (Az. 5 U 1450/11).

Eine 46-jährige Patientin hatte sich in einem Mainzer Krankenhaus einem gynäkologischen Eingriff unterziehen müssen.

Tagelange Übelkeit

Doch obwohl sie in der Vorbesprechung darauf hingewiesen hatte, dass sie die üblichen Narkosemittel nicht vertrage, führte der Anästhesist eine normale Intubationsnarkose, bei der ein weiches Rohr durch den Mund in die Luftröhre eingeführt wird, durch. Das hatte zur Folge, dass die Patientin im Anschluss an den Eingriff drei Tage lang unter heftiger Übelkeit und Erbrechen litt.

Mit dem Argument, dass sie nach der Operation nur deswegen habe leiden müssen, weil der Anästhesist ihren Hinweis nicht ernst genug genommen habe, verklagte sie die Klinik auf Zahlung eines Schmerzensgeldes.

Nachdem das Mainzer Landgericht die Klage als unbegründet zurückgewiesen hatte, hatte die Klägerin mit ihrer beim Oberlandesgericht Koblenz eingelegten Berufung Erfolg.

Unzureichende Sorgfalt

Nach Ansicht des Gerichts konnte dem Operateur zwar weder ein Behandlungs- noch ein Aufklärungsfehler nachgewiesen werden. Allerdings habe der Anästhesist die Narkose nicht mit der erforderlichen Sorgfalt durchgeführt.

Denn wegen ihrer bekannten Überempfindlichkeit gegen die üblichen Narkosemittel hätte der Klägerin ergänzend ein die Übelkeit minderndes oder gar völlig unterdrückendes Medikament verabreicht werden müssen.

Dass es ein entsprechendes Mittel gibt, war nach dem Ergebnis der Beweisaufnahme bereits im Jahr 2004 in einer anerkannten Fachzeitschrift veröffentlicht worden. Das aber hätte dem Anästhesisten bekannt sein müssen.

Grober Behandlungsfehler

Doch trotz der relativ großen Zeitspanne zwischen der Veröffentlichung und der Operation hatte er das Medikament nicht eingesetzt. Das aber werteten die Richter als groben Behandlungsfehler mit der Folge, dass sie der Klägerin ein Schmerzensgeld in Höhe von 1.000 € zusprachen.

Die Klage wäre nur dann abzuweisen gewesen, wenn das Krankenhaus hätte nachweisen können, dass die Übelkeit auch mit dem Medikament eingetreten wäre. Diesen Nachweis konnte die Klinik jedoch nicht erbringen.

Wie der Fall zeigt, kann auch eine Auseinandersetzung mit einem Arzt Erfolg haben. Patienten können das Kostenrisiko eines Gerichtsprozesses mit einer Privatrechtsschutz-Versicherung vermeiden. Diese übernimmt im Streitfall unter anderem mögliche Anwalts- und Gerichtskosten, wenn der Versicherte Schadenersatz und/oder Schmerzensgeld einklagen muss. Wichtig ist, dass Aussicht auf Erfolg besteht und der Versicherer vorab eine Deckungszusage erteilt hat. Zudem leistet sie bei zahlreichen anderen Auseinandersetzungen.

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