Schutzschirm für Manager

 - 

(verpd) Immer wieder wird von den Medien berichtet, dass Unternehmens-Verantwortliche für Fehlhandlungen und -entscheidungen zur Rechenschaft gezogen werden.

Handelt es sich dabei um einen fahrlässigen Fehler, kann eine Versicherungspolice zumindest das Kostenrisiko minimieren.

Es gibt zahlreiche Fehler und Fallstricke, die für Vorstände, Geschäftsführer, leitende Angestellte sowie für Kontrollorgane eines Unternehmens wie Aufsichtsrat, Verwaltungsrat oder Beirat teuer werden können. Denn für diverse Handlungen und Entscheidungen steht der Verantwortliche persönlich nicht nur bei öffentlichen Stellen wie dem Finanzamt oder sonstigen Behörden, sondern auch bei diversen anderen Stellen in der Haftung.

Je nach Umstand kann beispielsweise ein Vorstand für Fehlentscheidungen von Anteilseignern oder dem Aufsichtsrat der Firma in Haftung genommen, aber auch von Konkurrenten, Kunden oder Mitarbeitern sowie ehemaligen Firmenangehörigen auf Schadenersatz verklagt werden. Unter Umständen haftet er dann auch mit seinem Privatvermögen.

Sorgfaltspflicht

Grundsätzlich unterliegt jeder Manager einer Sorgfaltspflicht gegenüber seinem Unternehmen, das heißt, er darf keine überzogenen Risiken eingehen, muss Entscheidungen sorgfältig treffen und die diversen gesetzlichen Vorgaben einhalten.

Bereiche mit Haftungsrisiken gibt es viele: von der Personalführung und der Abführung der Sozialabgaben, über Investitions-Entscheidungen von Firmenimmobilien und -technik bis hin zur Organisation betrieblicher Abläufe, der Einhaltung von Fristen und dem richtigen Verhalten im Insolvenzfall.

So könnte ein Personalmanager, der die Bewerber für eine Stelle in der Buchhaltung des Unternehmens ungenügend prüft und deswegen einen bereits wegen Betrugs Vorbestraften einstellt, für den Schaden in Haftung genommen werden, wenn dieser Mitarbeiter Firmengelder unterschlägt.

Teure Fehlentscheidungen im Geschäftsleben

Schadenersatz-Forderungen seitens der Gesellschafter einer Firma drohen beispielsweise, wenn ein Geschäftsführer eine von vornherein nicht für die Anforderungen ausreichend dimensionierte IT-Anlage installieren lässt und deshalb teure Nachbesserungen erforderlich sind. Auch wenn beispielsweise Firmengrundstücke aufgrund nicht eingeholter Vergleiche weit unter Marktwert verkauft wurden, kann der Verantwortliche zur Rechenschaft gezogen werden.

Ebenfalls haftungsrelevant kann es werden, wenn Zahlungstermine, wie sie zum Beispiel für die Zahlung von Sozialabgaben gelten, nicht eingehalten werden und deswegen Säumniszuschläge zu entrichten sind, oder nicht gerechtfertigte Rechnungen wegen mangelhafter Kontrolle bezahlt wurden.

Zahlreiche Fallstricke für Manager drohen auch hinsichtlich des Insolvenzrechts. So kann ein Unternehmensleiter belangt werden, wenn er weiter Waren einkauft, obwohl sich die Zahlungsunfähigkeit der Firma bereits abzeichnete. Die rechtlichen Grundlagen zur Managerhaftung für Vorstandsmitglieder und Geschäftsführer sind unter anderem die Paragrafen 93 Aktiengesetz und 43 GmbHGesetz.

Berufshaftpflicht-Versicherung für Manager

Damit nicht gleich die finanzielle Existenz eines Managers, dem ein Fehler vorgeworfen wird, auf dem Spiel steht, bietet die Versicherungswirtschaft mit der D&O-Versicherung – dies steht für Directors and Officers Liability Insurance – eine entsprechende Absicherungsmöglichkeit an. Es handelt sich hier um eine Berufshaftpflicht-Versicherung für Manager, die zum einen hilft, ungerechtfertigte Forderungen abzuwehren, indem sie beispielsweise die dafür nötigen Anwalts- und Gerichtskosten übernimmt.

Stellt sich heraus, dass der Versicherte fahrlässig oder grobfahrlässig gehandelt hat und er für den dadurch entstandenen Schaden haften muss, wird der Schaden im Rahmen der vereinbarten Deckungssumme übernommen.

Die D&O-Versicherung wird in den meisten Fällen von den Unternehmen für ihre Führungskräfte abgeschlossen. Doch manche Versicherer bieten auch Policen für einzelne Manager, beispielsweise wenn eine Firma keinen entsprechenden Vertrag für seine Unternehmens-Verantwortlichen abgeschlossen hat oder der Versicherungsumfang nach Meinung des Managers unzureichend ist.

Schutz bei fahrlässig verursachten Vermögensschäden

Versichert sind in einer D&O-Police üblicherweise fahrlässige Pflichtverletzungen, die einen Vermögensschaden nach sich ziehen können. Bei Vorsatz besteht in der Regel kein Versicherungsschutz. Auch übliche unternehmerische und kaufmännische Risiken, wie ein aufgrund einer schlechten Marketingstrategie niedrigerer Umsatz als erwartet, sind nicht versichert.

Einer der prominentesten D&O-Fälle ist nach Angaben des Gesamtverbandes der Deutschen Versicherungswirtschaft e.V. der Fall des Ex-Vorstandschefs der Arcandor-Gruppe Thomas Middelhoff.

Der Manager und drei andere ehemalige Vorstände haben nach einem Gerichtsurteil  beim Verkauf einiger Karstadt-Warenhäuser ihre Sorgfaltspflichten verletzt. Alleine die D&O-Versicherung, die für Thomas Mittelhoff bestand, hatte daraufhin den in einem Vergleich vereinbarten Schadenersatz von 3,4 Millionen Euro an den Insolvenzverwalter des Konzerns gezahlt.

Weitere News zum Thema

  • Fluggastrechte im Streikfall

    [] (verpd) Fluggesellschaften sind nicht zur Entschädigungs-Zahlung verpflichtet, wenn sich Flüge wegen eines Streiks verspäten oder annulliert werden. Dies zeigen unter anderem diverse Gerichtsurteile. Doch ein Fluggast hat auch im Streikfall bestimmte Rechte, die er einfordern kann. mehr

  • Dürfen kranke Mitarbeiter zum Gespräch zitiert werden?

    [] (verpd) Ein durch krankheitsbedingte Arbeitsunfähigkeit an seiner Arbeitsleistung verhinderter Beschäftigter ist in der Regel nicht dazu verpflichtet, auf Anweisung seines Arbeitgebers im Betrieb zu einem Gespräch zur Klärung seiner weiteren Beschäftigungs-Möglichkeiten zu erscheinen. Das hat das Bundesarbeitsgericht mit einem vor Kurzem getroffenen Urteil entschieden (Az. 10 AZR 596/15). mehr

  • Flugverspätung – faule Ausrede

    [] (verpd) Eine Fluggesellschaft kann sich im Fall einer erheblichen Verspätung nicht auf außergewöhnliche Umstände berufen, wenn das Ereignis selbst mehr als 24 Stunden vor dem verspäteten Flug aufgetreten ist und seitdem mit dem Flugzeug mehrere Flüge stattgefunden haben. Das hat das Landgericht Frankfurt am Main in einem Urteil entschieden (Az. 2-24 S 149/14). mehr

  • Wann Sonderzahlungen auf den Mindestlohn angerechnet werden

    [] (verpd) Wenn das Urlaubs- und Weihnachtsgeld monatlich mit dem Bruttogehalt ausbezahlt wird, handelt es sich in der Regel um Gehaltsbestandsteile, die bei der Berechnung eines Stundenlohns zu berücksichtigen sind. Das gilt nach einem Urteil des Arbeitsgerichts Stuttgart (Az. 11 Ca 6834/15). mehr

  • Urlaubsabgeltung, wenn der Arbeitnehmer selbst gekündigt hat

    [] (verpd) Ein Arbeitnehmer hat in der Regel auch dann einen Anspruch auf eine finanzielle Vergütung für nicht in Anspruch genommenen Jahresurlaub, wenn er selbst das Arbeitsverhältnis durch eine Kündigung beendet hat. Das hat der Europäische Gerichtshof in einem kürzlich getroffenen Urteil entschieden (Az. C-341/15). mehr

Weitere News zum Thema

schließen

Link empfehlen

Mit der Inanspruchnahme des Services willigen Sie in folgende Vorgehensweise ein:

Ihre eigene E-Mail-Adresse und die des Empfängers werden nur zu Übertragungszwecken verwendet - um den Adressaten über den Absender zu informieren, bzw. bei einem Übertragungsfehler eine Benachrichtigung zu übermitteln. Um einen Missbrauch dieses Services zu vermeiden, wird Geldtipps.de die Identifikationsdaten (IP-Adresse) jedes Nutzers der versandten E-Mail in Form eines E-Mail-Header-Record (X-Sent-by-IP) beifügen und für einen Zeitraum von zwei Monaten speichern. Sofern Dritte glaubhaft machen, dass sie durch die Versendung eines Artikels im Rahmen dieses Services in ihren Rechten verletzt wurden, wird Geldtipps.de die Identifikationsdaten zur Rechtsverfolgung herausgeben.