Dauerschaden nach Zahnarztbehandlung

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(verpd) Besteht bei einer zahnärztlichen Versorgung mit Implantaten die zwar seltene, aber gravierende Gefahr einer dauerhaften Nervenschädigung, so muss der behandelnde Arzt seinen Patienten umfassend über die mögliche Tragweite informieren. Das hat das Oberlandesgericht Koblenz in einem jüngst veröffentlichten Beschluss entschieden (Az. 5 U 496/12).

Eine Frau hatte sich von ihrem Zahnarzt zwei Implantate einsetzen lassen. Danach litt sie unter einer dauerhaften Nervenschädigung mit Sensibilitätsstörungen und täglichen Schmerzen beim Kauen.

Seltenes Risiko

Mit dem Argument, dass sie sich bei ausreichender Aufklärung über die möglichen Folgen für eine andere Behandlungsmethode entschieden hätte, verklagte sie den Zahnarzt auf Zahlung von Schmerzensgeld.

Dieser räumte zwar ein, sich nicht mehr im Detail an das Aufklärungsgespräch erinnern zu können. Bei der Patientin habe sich jedoch ein äußerst selten auftretendes Risiko verwirklicht, auf welches in einem von ihr unterzeichneten Aufklärungsbogen auch hingewiesen worden sei. Denn dort sei unter anderem das Risiko einer Nervenschädigung erwähnt worden.

Doch das reichte weder den Richtern der Vorinstanz noch denen des Koblenzer Oberlandesgerichts aus. Sie sprachen der Klägerin ein Schmerzensgeld in Höhe von 7.000 € zu.

Unzureichende Aufklärung

Allein der in dem Aufklärungsbogen enthaltene Hinweis auf eine mögliche Nervenschädigung genügt nach Ansicht des Gerichts nicht den Anforderungen, die an eine ordnungsgemäße Aufklärung durch einen Arzt zu stellen sind. Denn einem durchschnittlichen Patienten erschließt sich daraus nicht, dass er möglicherweise mit einem dauerhaft verbleibenden Schaden zu rechnen hat, der ihn massiv in seinem täglichen Leben beeinträchtigt.

„Auch wenn ein solcher Dauerschaden ein seltenes Risiko ist, so muss der Arzt umfassend über die Folgen aufklären, weil die Komplikation die weitere Lebensführung der Patienten besonders nachhaltig und tiefgreifend beeinträchtigen kann“, so das Gericht. Die Richter glaubten der Klägerin, dass sie sich für eine andere Behandlungsmethode entschieden hätte, wenn sie von ihrem Zahnarzt ausreichend aufgeklärt worden wäre. Ihr steht daher die Zahlung eines Schmerzensgeldes zu. Wie der Fall zeigt, kann auch eine Klage gegen einen Arzt oder Zahnarzt Erfolg haben.

Patienten können das Kostenrisiko eines Gerichtsprozesses mit einer Privatrechtsschutz-Versicherung vermeiden. Diese übernimmt im Streitfall unter anderem mögliche Anwalts- und Gerichtskosten, wenn der Versicherte Schadenersatz und/oder Schmerzensgeld einklagen muss. Wichtig ist, dass Aussicht auf Erfolg besteht und der Versicherer vorab eine Leistungszusage erteilt hat. Eine private Rechtsschutz-Police leistet aber auch bei zahlreichen anderen Auseinandersetzungen.

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