Wenn der Hund nicht angeleint ist

 - 

(verpd) Wer seinen Hund auf einem Weg frei laufen lässt, auf dem auch mit Fahrradfahrern zu rechnen ist, haftet im Fall eines Unfalls allein, wenn ein sich nähernder Radler langsam an dem Tier vorbeizufahren versucht und es dabei zu einer Kollision zwischen dem Fahrrad und dem Hund kommt.

Das geht aus einem Urteil des Landgerichts Tübingen hervor (Az. 5 O 218/14).

Die Frau war mit ihrem Fahrrad auf einem asphaltierten Feldweg unterwegs, als sie sich einem Mann und seinem Hund näherte, die sich in gleicher Richtung bewegten. Während der Tierbesitzer am rechten Wegrand ging, befand sich sein Hund auf der linken Seite des Weges. Dabei zog er die Leine hinter sich her. Nachdem die Frau die Fahrradklingel betätigt hatte, versuchte der Mann seinen Hund durch einen Pfiff dazu zu bewegen, „bei Fuß“ zu gehen.

Das Tier folgte dem Befehl jedoch nicht. Erst als die Radfahrerin versuchte, langsam an dem Hund vorbeizufahren, lief er plötzlich nach rechts. Dabei kam es zu einer Kollision mit dem Fahrrad. Bei dem anschließenden Sturz zog sich die Frau eine schmerzhafte Knieverletzung zu, die es ihr zeitweise unmöglich machte, weiterhin Fahrrad fahren zu können.

Alleinige Verantwortung

Über die Frage, inwieweit die Frau für den Unfall mitverantwortlich sei, und damit über die Höhe ihrer Schadenersatz- und Schmerzensgeldansprüche kam es zum Streit. Die Radfahrerin klagte daraufhin ihre Ansprüche gerichtlich ein. Nach Ansicht des Tübinger Landgerichts ist der Hundehalter allein für den Unfall verantwortlich. Denn wer seinen Hund auf einem für Radfahrer freigegebenen Weg frei laufen lässt, handelt sorgfaltswidrig.

Dabei erhöht sich das Maß der Fahrlässigkeit, wenn der Hund nicht stets auf Zuruf sofort reagiert oder wie im entschiedenen Fall auf der anderen Wegseite wie sein Halter beziehungsweise Hüter läuft und dabei die Leine frei hinter sich her zieht. Denn in diesem Fall wird das Passieren für Radfahrer nochmals deutlich schwieriger, weil bei einem Seitenwechsel des Hundes zwangsweise der Weg kurzfristig durch die Leine gesperrt wird, so das Gericht.

Kein Mitverschulden der Radfahrerin

Die Klägerin muss sich auch kein Mitverschulden anrechnen lassen. Nach Meinung der Richter war sie nämlich lediglich dazu verpflichtet, bei Annäherung an den Hund die Geschwindigkeit ihres Fahrrades zu reduzieren. Es konnte von ihr hingegen nicht verlangt werden, abzusteigen und ihr Fahrrad vorsichtig an dem Tier vorbeizuschieben. Das Urteil ist mittlerweile rechtskräftig.

Die bestehende Tierhalterhaftpflicht-Versicherung des Hundebesitzers übernahm die entstehenden Schmerzensgeld- und Schadenersatz-Forderungen. Hätte der Hundehalter diese Police nicht, müsste er die Kosten aus der eigenen Tasche begleichen.

Weitere News zum Thema

  • Tierischer Familienanschluss gewünscht

    [] (verpd) Wer sich ein Haustier anschafft, übernimmt dauerhaft viel Verantwortung. Er ist nicht nur für die artgerechte Haltung, Pflege und Fütterung zuständig, sondern haftet auch dafür, wenn der tierische Freund einen Schaden anrichtet. mehr

  • Damit die Au-pair-Kraft richtig abgesichert ist

    [] (verpd) Gasteltern, die sich Unterstützung durch eine Au-pair-Kraft erhoffen, müssen diverse gesetzliche Regelungen einhalten. Unter anderem ist beispielsweise geregelt, für welche Tätigkeiten und in welchem Zeitumfang eine Au-pair-Hilfe eingesetzt werden kann. Außerdem besteht ein gesetzlich vorgeschriebener Versicherungsschutz, den die Gasteltern für die Au-pair-Kraft abschließen müssen. mehr

  • Das hohe Risiko eines Tierbesitzers

    [] (verpd) Ein Urteil des Bundesgerichtshofs (Az. VI ZR 13/12) zeigt, wie hoch das Risiko eines Tierhalters ist, für einen Schaden, den sein Tier anrichtet, Schadenersatz zahlen zu müssen, auch wenn der Geschädigte eine Mitschuld aufgrund seines Verhaltens trägt. mehr

  • Cyberangriffe: Eine große Bedrohung für Firmen

    [] (verpd) Das Bewusstsein für die Gefahren aus dem Internet und im weiteren Umgang mit IT nimmt laut einer Studie eines Versicherers bei deutschen Unternehmen zu. Größere Firmen fürchten vor allem den Betriebsausfall nach einer Attacke, kleinere den Diebstahl von Kundendaten. mehr

  • Gut abgesichert im Karneval

    [] (verpd) Großes Gedränge und eine ausgelassene Stimmung gehören zu vielen Karnevals-Veranstaltungen dazu. Schnell kann es hier zu einem Unfall kommen. Welche Versicherungslösung hilft, wenn man einen anderen geschädigt hat und dafür einstehen muss oder man selbst bei einem Unfall zu Schaden gekommen ist. mehr

Weitere News zum Thema

schließen

Link empfehlen

Mit der Inanspruchnahme des Services willigen Sie in folgende Vorgehensweise ein:

Ihre eigene E-Mail-Adresse und die des Empfängers werden nur zu Übertragungszwecken verwendet - um den Adressaten über den Absender zu informieren, bzw. bei einem Übertragungsfehler eine Benachrichtigung zu übermitteln. Um einen Missbrauch dieses Services zu vermeiden, wird Geldtipps.de die Identifikationsdaten (IP-Adresse) jedes Nutzers der versandten E-Mail in Form eines E-Mail-Header-Record (X-Sent-by-IP) beifügen und für einen Zeitraum von zwei Monaten speichern. Sofern Dritte glaubhaft machen, dass sie durch die Versendung eines Artikels im Rahmen dieses Services in ihren Rechten verletzt wurden, wird Geldtipps.de die Identifikationsdaten zur Rechtsverfolgung herausgeben.