Schadensersatz nach schmerzhaftem Rutschvergnügen

 - 

Wer in einem Schwimmbad grundlegende und jedem Besucher einleuchtende Regeln und Sicherheitsvorkehrungen missachtet, ist in vollem Umfang für einen dadurch ausgelösten Unfall verantwortlich. Das gilt auch dann, wenn er sich der Gefahren angeblich nicht bewusst war, so das Oberlandesgericht Koblenz in einem jüngst getroffenen Urteil (Az. 2 U 271/11).

Zwei 34- und 38-jährige Männer hatten im Februar 2006 ein ihnen bis dahin unbekanntes Freizeitbad besucht.

Auf der Suche nach der Schatzinsel

Nach einiger Zeit folgten sie einer im Hallenbereich angebrachten Beschilderung mit der Aufschrift „Schatzinsel“. Aus nicht geklärten Gründen gelangten sie dabei in einen Raum, der ein Auslaufbecken einer Rutsche enthielt.

Unter Überwindung mehrerer Hindernisse stiegen die beiden Männer in das Becken und krabbelten anschließend in der Röhre der Rutsche, über deren Bedeutung sie sich nach eigenen Angaben nicht im Klaren waren. Im gleichen Augenblick rutschte ein weiterer Schwimmbadbesucher die sehr steile Rutsche herunter. Dabei stieß er mit voller Wucht mit einem der Männer zusammen.

Gesundheitlicher Dauerschaden

Bei dem Zwischenfall wurden alle drei verletzt. Den herunterrutschenden Mann erwischte es jedoch besonders heftig. Denn er erlitt eine Teilfraktur des Schienbeinkopfs, was eine dauerhafte erhebliche Bewegungseinschränkung zur Folge hatte.

Er verklagte die beiden „Schatzsucher“ daher auf Zahlung von Schadensersatz sowie eines Schmerzensgelds. Zu Recht, urteilten die Richter des Koblenzer Oberlandesgerichts. Sie gaben der Klage in vollem Umfang statt.

Gesicherte Rutsche

Nach Ansicht des Gerichts sind ausschließlich die beiden Männer für den Unfall verantwortlich. Denn sie haben bei ihrer Kletteraktion grundlegende und jedem Besucher eines Schwimmbads einleuchtende Sicherheitsvorkehrungen missachtet.

Das Auslaufbecken der Rutsche war nach beiden Seiten durch mit einer Glasfüllung versehene Absperrgitter gesichert. Am Ende des Beckens befand sich außerdem ein Drehkreuz, das sich bestimmungsgemäß nur in eine Richtung drehen ließ. Damit sollte ein Betreten durch Personen verhindert werden, die nicht die Rutsche benutzten. Dem Betreiber des Schwimmbads kann nach Auffassung der Richter daher kein Vorwurf gemacht werden.

Alleinige Verantwortung

Bei der von ihnen behaupteten Suche nach der „Schatzinsel“ haben die beiden Männer all diese Hindernisse überwunden. Sie haben die Körperverletzung des Klägers daher zumindest fahrlässig verursacht mit der Folge, dass sie diesem gegenüber zum Schadensersatz und der Zahlung eines Schmerzensgelds verpflichtet sind.

Unser Tipp

Hat man selbst einen Dritten verletzt oder geschädigt – wie die „Schatzsucher“ – und wird dafür zur Verantwortung gezogen, hilft eine private Haftpflichtpolice. Sie wehrt entweder unberechtigte Forderungen ab oder begleicht im Falle einer festgestellten Haftung den angerichteten Schaden.

Weitere News zum Thema

  • Cyber-Sicherheit: Es hapert schon bei der Organisation

    [] (verpd) Dass Cyber-Schutz in den Chefetagen angekommen sei, kann eine Einrichtung der deutschen Versicherungswirtschaft nicht bestätigen. Die Auswertung von 2.000 Daten aus dem für Unternehmen kostenlosen Test Quick Check, der die Cyber-Risikosituation der jeweiligen Firma aufzeigt, kommt zum Ergebnis, dass es an eindeutigen und schriftlichen Regelungen für die IT-Sicherheit in den Unternehmen mangelt. Hacker und Angriffe von außen sind dabei nicht das einzige Problem. Auch Mitarbeiter können zum Sicherheitsrisiko für das Netzwerk werden. mehr

  • Trotz Volljährigkeit bei den Eltern versichert sein

    [] (verpd) Mit Erreichen der Volljährigkeit hat man nicht nur mehr Rechte, sondern trägt auch mehr Verantwortung. Wer beispielsweise fahrlässig bei einem anderen einen Schaden verursacht, muss selbst dafür geradestehen. Die Eltern haften dann nicht mehr für einen. Doch auch für sich selbst ist man verantwortlich, zum Beispiel für eine ausreichende finanzielle Vorsorge für den Krankheitsfall und für das Alter. In bestimmten Fällen kann ein notwendiger Existenzschutz für Volljährige sogar noch über bestehende Versicherungspolicen der Eltern abgedeckt sein. mehr

  • Schutzschirm für den Start in die Selbstständigkeit

    [] (verpd) Wer sich selbstständig machen möchte, sollte alle Faktoren berücksichtigen, die für den Erfolg oder Misserfolg seines Unternehmens entscheidend sein können. Grundsätzlich muss jeder Selbstständige zwar ein gewisses Maß an unternehmerischem Risiko selbst tragen. Aber es gibt auch existenzbedrohende Risiken, die sich durch einen passenden Versicherungsschutz absichern lassen und dadurch kalkulierbar werden. mehr

  • Rechts vor links auf Fahrradwegen

    [] (verpd) Ist die Vorfahrt nicht durch Verkehrszeichen geregelt, so ist auch im Bereich zwei sich kreuzender Radwege die Regel rechts vor links anzuwenden. Das gilt selbst dann, wenn an einem der Wege im Kreuzungsbereich Pfosten aufgestellt sind, welche Fahrradfahrer zu einer Verringerung ihrer Geschwindigkeit veranlassen sollen, so das Landgericht Wuppertal in einem kürzlich bekannt gewordenen Urteil (Az. 9 S 218/15). mehr

  • Schutzschirm für Eltern

    [] (verpd) In Deutschland gibt es rund acht Millionen Familien mit minderjährigen Kindern, wie aus den Daten des Statistischen Bundesamts hervorgeht. Worauf Eltern besonders achten sollten, damit auch nach einem Unfall, bei einer Krankheit oder anderen Ereignissen die Familie zumindest finanziell abgesichert bleibt. mehr

Weitere News zum Thema

schließen

Link empfehlen

Mit der Inanspruchnahme des Services willigen Sie in folgende Vorgehensweise ein:

Ihre eigene E-Mail-Adresse und die des Empfängers werden nur zu Übertragungszwecken verwendet - um den Adressaten über den Absender zu informieren, bzw. bei einem Übertragungsfehler eine Benachrichtigung zu übermitteln. Um einen Missbrauch dieses Services zu vermeiden, wird Geldtipps.de die Identifikationsdaten (IP-Adresse) jedes Nutzers der versandten E-Mail in Form eines E-Mail-Header-Record (X-Sent-by-IP) beifügen und für einen Zeitraum von zwei Monaten speichern. Sofern Dritte glaubhaft machen, dass sie durch die Versendung eines Artikels im Rahmen dieses Services in ihren Rechten verletzt wurden, wird Geldtipps.de die Identifikationsdaten zur Rechtsverfolgung herausgeben.