Ein Hundehalter muss nicht für alles haften

 - 

(verpd) Wer auf die Bedrohung durch einen Hund ungewöhnlich schreckhaft reagiert und deswegen zu Schaden kommt, kann den Halter des Tieres nicht zur Verantwortung ziehen. Das geht aus einem kürzlich veröffentlichten Urteil des Landgerichts Coburg hervor (Az. 32 S 47/13).

Ein Schüler war mit seinem Fahrrad auf einem Radweg auf dem Weg zum Unterricht, als er sich dem Beklagten näherte, der mit seinem Hund am Wegesrand spazieren ging. Als der Schüler an Herrchen und Hund vorbeifahren wollte, fing der Hund zu bellen an und machte eine Bewegung in Richtung des Fahrradfahrers. Das Tier wurde von seinem Herrchen jedoch am Halsband festgehalten, sodass es nicht zu mehr als einer Bedrohung kam.

Durch den Zwischenfall erschrocken machte der Schüler jedoch eine Ausweichbewegung, durch die er zu Fall kam. Dabei zog er sich Verletzungen an den Händen, im Gesicht sowie im Bereich der Zähne zu. Mit dem Argument, dass der Hundehalter für den Unfall verantwortlich sei, verklagte er ihn auf Zahlung von Schmerzensgeld. Ohne Erfolg. Denn sowohl das Amtsgericht Coburg als auch das von dem Schüler in Berufung angerufene Coburger Landgericht wiesen die Klage als unbegründet zurück.

Überreaktion

Im Rahmen der Beweisaufnahme musste der Hundehalter zwar einräumen, dass der Hund versucht hatte hochzuspringen. Das war ihm jedoch wegen seines beherzten Zugreifens nicht gelungen. Der Schüler hatte nach Auffassung beider Instanzen daher überreagiert, als er trotzdem abrupt mit seinem Fahrrad auswich.

Kommt ein Passant jedoch infolge einer Überreaktion wegen eines vermeintlichen Angriffs eines Hundes zu Schaden, so kann der Halter des Tieres nicht zur Verantwortung gezogen werden. Denn in so einer Situation verwirklicht sich nach Ansicht der Richter keine spezifische Tiergefahr, die eine Haftungsverpflichtung gemäß Paragraf 833 BGB (Bürgerliches Gesetzbuch) auslöst. Das Urteil ist inzwischen rechtskräftig.

Absicherung für Tierhalter

Der Fall wäre nach Ansicht der Richter jedoch anders zu beurteilen gewesen, wenn der Kläger im Rahmen einer gemessen an der Zuordnung zu seiner Bevölkerungsgruppe, „gewöhnlichen Schreckreaktion“ zu Schaden gekommen wäre. Denn dann hätte er den Hundehalter zur Verantwortung ziehen können. Dies zeigt wiederum, wie wichtig eine Tierhalterhaftpflicht-Versicherung für Hundebesitzer ist.

Der Haftpflichtversicherer übernimmt bei berechtigten Forderungen nämlich nicht nur den Schadenersatz beispielsweise für zerrissene Kleidung, eventuell notwendige Arzt- und Krankenkosten und ein dem Verletzten zugesprochenes Schmerzensgeld. Sondern er wehrt auch zu hohe oder, wie in dem aufgezeigten Fall, unberechtigte Forderungen ab.

Weitere News zum Thema

  • Jedem kann ein Missgeschick passieren

    [] (verpd) Wer einen Schaden anrichtet, auch wenn es nur versehentlich geschieht, muss laut Gesetz dafür haften – und zwar in voller Höhe. Wird dabei beispielsweise jemand verletzt, können die Schadenersatz- und Schmerzensgeld-Forderungen an den Schadenverursacher schnell im fünf- oder sechsstelligen Betrag liegen. Dies wäre für die meisten ein finanzielles Desaster. Mit einer Privathaftpflicht-Versicherung kann man dieses Kostenrisiko für wenig Geld absichern. mehr

  • Wenn die Kommune den Schneeräumdienst an Dritte abwälzt

    [] (verpd) Dass die Übertragung der Räum- und Streupflicht für einen Gehweg auf die Anlieger der Straße durch die Satzung der Gemeinde rechtmäßig ist, zeigt ein Urteil des 3. Zivilsenats des Oberlandesgerichts Braunschweig (Az. 3 U 13/15). mehr

  • Was Firmen bei Mitarbeiterparkplätzen beachten sollten

    [] (verpd) Wenn eine Firma das Betriebsgelände den Mitarbeitern zum Parken anbietet, ist das für das Unternehmen selbst nicht ohne Tücken. Denn bei einem Unfall kann auch die betreffende Firma zum Schadenersatz verpflichtet sein, wenn sie bestimmten Pflichten, die sich aus der Bereitstellung eines Firmenparkplatzes ergeben, nicht nachgekommen ist. mehr

  • Wenn dem Nikolaus ein Missgeschick passiert

    [] (verpd) Ab November ist in Kaufhäusern sowie bei privaten, betrieblichen oder öffentlichen Feiern wieder Hochsaison für Engel, Weihnachtsmänner und andere Himmelsvertreter. Passiert der dafür engagierten Person während eines solchen Auftritts jedoch ein Unglück und wird dabei eine Person oder eine Sache beschädigt, stellt sich nicht selten die Frage, wer für den finanziellen Schaden aufkommt. Wird diese Frage jedoch bereits bei der Beauftragung geklärt, können sich Auftraggeber und Beauftragter im Fall des Falles Geld und Ärger sparen. mehr

  • Dreist geradelt

    [] (verpd) Ein Radfahrer, der verbotswidrig entgegen der Fahrtrichtung auf dem Bürgersteig fährt und mit einem aus einer Seitenstraße kommenden Fahrzeug, dessen Fahrer keine freie Sicht hat, kollidiert, ist allein für die Unfallfolgen verantwortlich. Das hat das Amtsgericht Wiesbaden in einem Streitfall entschieden (Az. 91 C 1333/15). mehr

Weitere News zum Thema

schließen

Link empfehlen

Mit der Inanspruchnahme des Services willigen Sie in folgende Vorgehensweise ein:

Ihre eigene E-Mail-Adresse und die des Empfängers werden nur zu Übertragungszwecken verwendet - um den Adressaten über den Absender zu informieren, bzw. bei einem Übertragungsfehler eine Benachrichtigung zu übermitteln. Um einen Missbrauch dieses Services zu vermeiden, wird Geldtipps.de die Identifikationsdaten (IP-Adresse) jedes Nutzers der versandten E-Mail in Form eines E-Mail-Header-Record (X-Sent-by-IP) beifügen und für einen Zeitraum von zwei Monaten speichern. Sofern Dritte glaubhaft machen, dass sie durch die Versendung eines Artikels im Rahmen dieses Services in ihren Rechten verletzt wurden, wird Geldtipps.de die Identifikationsdaten zur Rechtsverfolgung herausgeben.