Der will doch nur spielen

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(verpd) Wer aus Gefälligkeit Hunde ausführt, muss die Tiere so halten, dass von ihnen keine Gefahr für Leib und Leben von Menschen ausgeht, denen sie beim Ausführen begegnen. Eine Haftungsverpflichtung besteht folglich auch dann, wenn die Hunde vorschriftsmäßig angeleint waren und trotzdem einen Schaden verursachen, so das Oberlandesgericht Hamm in einem kürzlich veröffentlichten Urteil (9 U 91/14).

Eine 22-Jährige war beim Spazierengehen einer Frau begegnet, die aus Gefälligkeit neben ihrem eigenen zwei weitere angeleinte Hunde ausführte. Bei einem dieser Hunde handelte es sich um einen Cane Corso, einer Hunderasse, die als freundlich und kinderlieb, aber auch als verspielt und anschmiegsam gilt. Doch als die junge Frau die Hundegruppe passieren wollte, sprang sie der Cane Corso unvermittelt an.

Das massige Tier verletzte die 22-Jährige bei dem Sprung im Gesicht. Durch die Verletzung blieb eine Narbe unterhalb des Auges der Klägerin zurück. Sie forderte daher von der Dame, die die Hunde ausführte, die Zahlung eines Schmerzensgeldes in Höhe von 3.000 €.

Vorschriftsmäßig angeleint

In dem sich anschließenden Rechtsstreit verteidigte sich diese mit dem Argument, dass sie alle drei Hunde vorschriftsmäßig und entsprechend dem Landeshundegesetz Nordrhein-Westfalen angeleint habe. Mehr könne man nicht von ihr erwarten. Die Schmerzensgeldforderung sei daher ungerechtfertigt. Doch dem wollten sich die Richter des Hammer Oberlandesgerichts nicht anschließen. Sie gaben der Klage der Verletzten gegen die Dame, die die Hunde ausführte, in voller Höhe statt.

Das Gericht stellte zwar nicht in Abrede, dass die Beklagte insbesondere auch in Bezug auf den Cane Corso dem im Landeshundegesetz Nordrhein-Westfalen geregelten Leinenzwang genügt hat. Das allein reiche jedoch nicht aus, um sie von einer Haftungsverpflichtung gegenüber der Klägerin zu befreien. Denn sie hätte das Tier so führen müssen, dass es die Klägerin nicht hätte anspringen und verletzen können.

Die Sorgfaltsanforderungen eines Hundeführers

Im Übrigen sei auch der Beklagten bekannt gewesen, dass der an sich friedfertige Hund zum Schmusen neigt und deswegen auch schon einmal an Personen hochsprang, um ihnen die Pfoten auf die Schultern zu legen. Das habe im Fall der Klägerin leider zu einer Verletzung geführt, welche die Beklagte hätte verhindern müssen.

Nach Ansicht der Richter kann sich die Beklagte auch nicht damit entlasten, dass sie zum Zeitpunkt des Zwischenfalls gleichzeitig auf zwei weitere Hunde aufpassen musste. „Eine derartige Rudelführung war im vorliegenden Fall zwar nicht verboten. Sie hat aber das Gefährdungspotenzial für Dritte gesteigert und konnte deswegen die an einen Hundeführer zu stellenden Sorgfaltsanforderungen erhöhen“, so das Gericht. Das Urteil ist mittlerweile rechtskräftig.

Finanzielle Absicherung bei Schäden

Wie der Fall zeigt, ist es grundsätzlich für alle Hundehalter wichtig, eine Tierhalter-Haftpflichtversicherung zu haben. Denn diese hätte in diesem wie auch in anderen Fällen die berechtigten Forderungen übernommen. Denn Frauchen und Herrchen haften nach Paragraf 833 Satz 1 BGB (Bürgerliches Gesetzbuch) unabhängig vom eigenen Verschulden für Schäden, die der vierbeinige Liebling anrichtet, in unbegrenzter Höhe.

Eine Tierhalterhaftpflicht-Versicherung schützt dabei nicht nur den Hundehalter als Versicherungsnehmer, sondern auch alle Personen, die den Hund beaufsichtigen, wie im genannten Fall. Zudem wehrt eine solche Police aber auch unberechtigte oder zu hohe Forderungen ab.

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