Ausgerutscht beim Ausweichmanöver

 - 

(verpd) Einen Fußgänger, der auf einer für ihn eindeutig erkennbar glatten Gehwegfläche zu Schaden kommt, trifft in der Regel ein Mitverschulden.

Das geht aus einem Beschluss des Oberlandesgerichts Bremen hervor (Az. 3 W 20/13).

Ein gehbehinderter Mann war an einem Wintertag auf einem weder von Schnee und Eis geräumten noch gestreuten Gehweg unterwegs, als ihm ein Benutzer eines Rollators entgegenkam. Bei dem Versuch, diesem Platz zu machen, rutschte der Mann aus und verletzte sich erheblich.

Erhebliches Mitverschulden?

Seiner Schadenersatz- und Schmerzensgeldklage gegen den für den Gehweg Verantwortlichen gab das Bremer Landgericht nur zum Teil statt. Denn nach dem Ergebnis der Beweisaufnahme war für den Kläger eindeutig zu erkennen gewesen, dass der von ihm benutzte Gehweg glatt war.

Nach Ansicht des Richters hätte er den Unfall daher bei ausreichender Aufmerksamkeit vermeiden können, sodass er sein Mitverschulden mit 50 Prozent bemaß. Der Fall landete schließlich beim Bremer Oberlandesgericht. Hier hatte der Kläger mehr Erfolg.

Unzureichende Aufmerksamkeit

Kommt ein Fußgänger auf einer für ihn eindeutig erkennbar glatten Gehwegfläche zu Schaden, dann spricht nach Meinung des Gerichts in der Regel alles dafür, dass er die gebotene Vorsicht außer Acht gelassen hat.

Denn auch wenn zu berücksichtigen ist, dass ein Verkehrssicherungs-Pflichtiger bei Schnee- und Eisglätte zum Räumen und Streuen verpflichtet ist, entbindet das den Benutzer einer Verkehrsfläche nicht von seiner Verpflichtung zur Aufmerksamkeit und Vorsicht.

Das gilt nach Ansicht der Richter insbesondere auf Wegen, die wie in dem entschiedenen Fall, abgesehen von der Glätte, keine besonderen Gefahren des Ausrutschens aufweisen.

Nicht besonders unvorsichtig

Liegen keine besonderen Umstände vor, so wiegt das Verschulden eines Verkehrssicherungs-Pflichtigen, der seiner Räum- und Streupflicht nicht nachkommt, gleichwohl deutlich schwerer als eine möglicherweise momentane Unachtsamkeit eines auf dem Weg zu Schaden gekommenen Passanten.

Nach dem Ergebnis der Beweisaufnahme hatte sich der Kläger nicht besonders unvorsichtig verhalten, als er dem ihm entgegenkommenden Benutzer des Rollators Platz machen wollte. Sein Mitverschulden an seinem Sturz bemaß das Gericht daher mit einer Quote von 20 Prozent.

Denn entgegen der Meinung des Bremer Landgerichts kann dem Kläger nach Ansicht der Richter des Oberlandesgerichts nicht zum Vorwurf gemacht werden, dass er trotz seiner Gehbehinderung bei widrigen Witterungsbedingungen seine Wohnung verlassen hat.

Private Absicherung schützt

Prinzipiell sollten Immobilienbesitzer eine Haus- und Grundbesitzer-Haftpflicht-Police oder Eigentümer eines selbst genutzten Einfamilienhauses eine private Haftpflichtversicherung haben. Sie haben nämlich in der Regel eine Räum- und Streupflicht für angrenzende Gehwege und für Zugangswege zum Haus. Eine entsprechende Police übernimmt nicht nur berechtigte Schadenersatz-Forderungen Dritter, wenn tatsächlich die Streupflicht verletzt wurde, sondern wehrt auch ungerechtfertigte Ansprüche oder ungerechtfertigt hohe Anforderungen wie in dem genannten Fall ab.

Das Gerichtsurteil zeigt aber auch Fußgängern, dass nicht immer ein anderer für einen erlittenen Schaden haftet. Daher ist eine individuelle Absicherung empfehlenswert, die auch für solche und andere Fälle zumindest die finanziellen Folgen einer möglichen Gesundheitsschädigung abdeckt. Eine private Unfallversicherung bietet beispielsweise rund um die Uhr einen weltweiten Schutz. Es kann eine für die persönliche Situation angemessene Kapitalsumme oder/und Rentenleistung im Invaliditätsfall frei vereinbart werden.

Einkommenseinbußen, die trotz einer eventuellen Leistung durch die gesetzliche Krankenkasse möglich sind, lassen sich durch eine private Krankentagegeld-Versicherung ausgleichen. Sollte ein Verunglückter oder Erkrankter aufgrund seiner gesundheitlichen Probleme den bisherigen Beruf zukünftig nicht mehr ausüben können, kann eine private Berufsunfähigkeits-Versicherung helfen, den bisherigen Lebensstandard abzusichern. Denn in diesem Fall reichen auch hier die gesetzlichen Absicherungen in der Regel nicht aus.

Weitere News zum Thema

  • Tierischer Familienanschluss gewünscht

    [] (verpd) Wer sich ein Haustier anschafft, übernimmt dauerhaft viel Verantwortung. Er ist nicht nur für die artgerechte Haltung, Pflege und Fütterung zuständig, sondern haftet auch dafür, wenn der tierische Freund einen Schaden anrichtet. mehr

  • Damit die Au-pair-Kraft richtig abgesichert ist

    [] (verpd) Gasteltern, die sich Unterstützung durch eine Au-pair-Kraft erhoffen, müssen diverse gesetzliche Regelungen einhalten. Unter anderem ist beispielsweise geregelt, für welche Tätigkeiten und in welchem Zeitumfang eine Au-pair-Hilfe eingesetzt werden kann. Außerdem besteht ein gesetzlich vorgeschriebener Versicherungsschutz, den die Gasteltern für die Au-pair-Kraft abschließen müssen. mehr

  • Das hohe Risiko eines Tierbesitzers

    [] (verpd) Ein Urteil des Bundesgerichtshofs (Az. VI ZR 13/12) zeigt, wie hoch das Risiko eines Tierhalters ist, für einen Schaden, den sein Tier anrichtet, Schadenersatz zahlen zu müssen, auch wenn der Geschädigte eine Mitschuld aufgrund seines Verhaltens trägt. mehr

  • Cyberangriffe: Eine große Bedrohung für Firmen

    [] (verpd) Das Bewusstsein für die Gefahren aus dem Internet und im weiteren Umgang mit IT nimmt laut einer Studie eines Versicherers bei deutschen Unternehmen zu. Größere Firmen fürchten vor allem den Betriebsausfall nach einer Attacke, kleinere den Diebstahl von Kundendaten. mehr

  • Gut abgesichert im Karneval

    [] (verpd) Großes Gedränge und eine ausgelassene Stimmung gehören zu vielen Karnevals-Veranstaltungen dazu. Schnell kann es hier zu einem Unfall kommen. Welche Versicherungslösung hilft, wenn man einen anderen geschädigt hat und dafür einstehen muss oder man selbst bei einem Unfall zu Schaden gekommen ist. mehr

Weitere News zum Thema

schließen

Link empfehlen

Mit der Inanspruchnahme des Services willigen Sie in folgende Vorgehensweise ein:

Ihre eigene E-Mail-Adresse und die des Empfängers werden nur zu Übertragungszwecken verwendet - um den Adressaten über den Absender zu informieren, bzw. bei einem Übertragungsfehler eine Benachrichtigung zu übermitteln. Um einen Missbrauch dieses Services zu vermeiden, wird Geldtipps.de die Identifikationsdaten (IP-Adresse) jedes Nutzers der versandten E-Mail in Form eines E-Mail-Header-Record (X-Sent-by-IP) beifügen und für einen Zeitraum von zwei Monaten speichern. Sofern Dritte glaubhaft machen, dass sie durch die Versendung eines Artikels im Rahmen dieses Services in ihren Rechten verletzt wurden, wird Geldtipps.de die Identifikationsdaten zur Rechtsverfolgung herausgeben.