Zu optimistische Annahmen der Lebensversicherer über Lebenserwartung korrigiert

Das Statistische Bundesamt hat neue Sterbetafeln vorgelegt. Die gute Nachricht: Wir werden immer älter (im Schnitt). Die schlechte Nachricht: Der Zuwachs an Lebenserwartung ist gebremst.

Gab es zwischen 2004 und 2009 noch einen deutlichen Anstieg der Lebenserwartung, so zeigt sich im Vergleich zwischen 2009 und 2014 nur eine relativ geringe Zunahme der durchschnittlichen Lebenserwartung. Doch immerhin haben Frauen mit 65 Jahren im Schnitt noch weitere 20,9 Lebensjahre vor sich. Bei Männern sind es 17,7 Jahre. 2004 waren es erst 19,8 bzw. 16,3 Jahre.

Lebenserwartung in Jahren

Jahr

Männer

Frauen

bei Geburt

mit 65 Jahren

bei Geburt

mit 65 Jahren

1871

35,6

9,6

38,5

10,0

1960

66,9

12,4

72,4

14,6

2004

75,9

16,3

81,6

19,8

2009

77,7

17,5

82,7

20,7

2014

78,1

17,7

83,1

20,9

(Statistisches Bundesamt)

Deutliche Unterschiede gibt es bei der Lebenserwartung nach den Berechnungen der Wiesbadener Statistiker nach wie vor zwischen den einzelnen Bundesländern. Auf eine besondere Langlebigkeit können danach Baden-Württemberger hoffen, etwas kürzer leben Männer und Frauen aus dem Saarland.

Von einer deutlich höheren Lebenserwartung gehen die Sterbetafeln aus, die die Versicherungswirtschaft nutzt. Diese Daten dienen explizit einer vorsichtigen Kalkulation (also eher einer Überschätzung) des Risikos der Langlebigkeit. Die Versicherer gehen von der Generationensterbetafel aus, die ebenfalls vom Statistischen Bundesamt ermittelt wird. Diese berücksichtigt auch die in Zukunft zu erwartenden Entwicklungen – also vor allem den künftig zu erwartenden medizinischen und technischen Fortschritt. Die aktuelle Generationensterbetafel berücksichtigt alle Geburtsjahrgänge von 1986 bis 2009. Danach können Jungen, die 2009 geboren wurden, im Schnitt damit rechnen, 86 Jahre alt zu werden, bei Mädchen sind es sogar 90 Jahre.

Auf Basis dieser Daten kommt der Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft e. V. (GDV) dann beim Vergleich mit einer von ihm selbst in Auftrag gegebenen Forsa-Umfrage, in der Bundesbürger gefragt wurden, wie alt sie schätzungsweise werden würden, auch zum Schluss: Die meisten Deutschen unterschätzen die durchschnittliche Lebenserwartung deutlich (und – das ist damit impliziert – tun zu wenig für die Altersvorsorge). Deutsche leben sieben Jahre länger, als sie denken, fasst der GDV die Forsa-Ergebnisse zusammen.

Originalton GDV: Wenn die Deutschen das durchschnittliche Sterbealter schätzen müssen, so liegen sie mit ihren Prognosen ziemlich weit daneben. Laut einer aktuellen Forsa-Umfrage tippen Männer die Lebenserwartung ihres Geschlechts auf 77,4 Jahre. Tatsächlich haben sie – vom Kind bis zum Greis – jedoch durchschnittlich 84,7 Jahre zu erwarten, also gut sieben Jahre mehr. Geht man von der aktuell vom Statistischen Bundesamt veröffentlichten Sterbetafel aus, so müsste man allerdings sagen: Die Deutschen schätzen ihre voraussichtliche Lebenserwartung sehr realistisch ein.

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