Lebensversicherungen: Beteiligung an Bewertungsreserven soll verringert werden

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Die erneute Zinssenkung der Europäischen Zentralbank (EZB) bringt die Lebensversicherer weiter in Bedrängnis. Nun will die große Koalition korrigierend eingreifen.

In der gegenwärtigen Niedrigzinsphase entstehen in den Büchern der Versicherer Scheingewinne, an denen die Versicherten hälftig zu beteiligen sind, weil höherverzinsliche alte festverzinsliche Wertpapiere deutlich an Wert gewinnen.

Wenn die Lebensversicherer weiterhin diese Scheingewinne hälftig ausschütten müssen, gehen dem Versichertenkollektiv Milliarden Euro an Einlagen verloren. Zudem leidet die Risikotragfähigkeit der Unternehmen.

Die Papiergewinne verflüchtigen sich freilich vollständig, wenn die Anleihen bis zu Fälligkeit gehalten und zu 100 Prozent bedient werden.

Weiteres Problem: Muss ein Lebensversicherer höher verzinsliche Wertpapiere verkaufen, findet er sich bei der Wiederanlage im Zinstief wieder. Zehnjährige Bundesanleihen rentieren derzeit mit lediglich 1,76 % p.a.

Aus diesen Gründen hält der Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft eine schnelle Neuregelung der Beteiligung an den Bewertungsreserven für notwendig.

Finanzexperten von Union und SPD planen bereits Korrekturen hinsichtlich der Beteiligung der Kunden an den Bewertungsreserven. CDU-Finanzexperte Michael Meister sagte der Neuen Osnabrücker Zeitung (NOZ): "Angesichts der anhaltenden Niedrigzinsphase werden ihre Auswirkungen auf die Altersversorgung und gesetzgeberischen Handlungsbedarf geprüft werden müssen."

Der stellvertretende finanzpolitische Sprecher der SPD-Bundestagsfraktion Manfred Zöllmer sagte der NOZ: "Wir müssen jetzt relativ zügig zu einem Ergebnis kommen, damit für alle Betroffenen Klarheit herrscht". Man sei sich zwar einig, dass das Problem dringend gelöst werden müsse, aber es müsse auf jeden Fall verhindert werden, dass der Eindruck einer Nacht- und Nebelaktion zu Lasten einzelner Versicherungsnehmer entstehe. Seiner Ansicht nach muss eine Lösung gefunden werden, die dem Versichertenkollektiv gerecht wird und auch den Versicherern einen Beitrag abverlange. Eine Streichung der Beteiligung an den Bewertungsreserven bei Festverzinslichen lehnte Zöllmer ab. "Politik ist kein Wunschkonzert und in diesem Fall auch kein Wunschkonzert der Versicherungen."

Der Bundesrat hatte mit rot-grüner Mehrheit Ende vergangenen Jahres eine vom Bundesministerium der Finanzen (BMF) erarbeitete Kappung der Bewertungsreserven blockiert. Nach Protesten von Versicherungsnehmern hat die CDU eine Kehrtwende gemacht und von einer Verringerung abgesehen.

Weitere Informationen zu den Plänen der großen Koalition lesen Sie in folgenden Geldtipps-Beiträgen:

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