Leben Privatrentner länger als Nichtversicherte?

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Welche Lebenserwartung sollte in private Rentenversicherungen einkalkuliert werden? Eine harte Nuss für Mathematiker – genauer gesagt: für Statistiker.

Die Lebenserwartung der Versicherten ist die wichtigste Kalkulationsgrundlage für die private Rentenversicherung. Diese wird auf der Basis von regelmäßig aktualisierten Sterbetafeln der Deutschen Aktuarvereinigung (DAV) berechnet. Diese internen Sterbetafeln unterstellen für private Rentenversicherte eine höhere Lebenserwartung als das Statistische Bundesamt für die Gesamtbevölkerung und als die Deutsche Rentenversicherung für die gesetzlich Pflichtversicherten.

Deshalb gibt es regelmäßig Streit zwischen der Versicherungswirtschaft und Verbraucherschützern über das richtige Maß dieser Prognose zur künftigen Lebenserwartung und damit über die Höhe der Rentenauszahlungen. Denn eine monatliche Rente fällt umso kleiner aus, je länger der Auszahlungszeitraum für einen fixen Gesamtbetrag gewählt wird. Grund: Wer länger lebt, kommt bei einer festen, monatlichen Rente länger in den Genuss dieser Rentenzahlungen als jemand, der früh verstirbt.

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Sicherheit geht vor – die Sicherheit, dass der Versicherer nicht drauflegen muss

In der aktuellen Ausgabe 37 ihrer Mitgliederzeitschrift "Aktuar aktuell" schreibt die Deutsche Aktuarvereinigung e.V. (DAV) der Versicherungswirtschaft über den Sinn und Zweck ihrer Sterbetafeln. Ausgangspunkt: Ab Vertragsbeginn sind die Beiträge von Lebensversicherungsverträgen für die gesamte Laufzeit des Vertrags festgesetzt und Leistungen garantiert. Vertragslaufzeiten von 50 und mehr Jahren sind dabei keine Seltenheit.

"Würde mit zu niedrigen Annahmen kalkuliert werden, wäre langfristig die Erfüllbarkeit der Versicherungsverträge gefährdet. Eine Entwicklung, die zweifellos auch nicht im Interesse der Kunden wäre", geben die Aktuare zu Bedenken. Daher schreibe der Gesetzgeber das Prinzip der vorsichtigen Kalkulation mit eingerechneten Sicherheitszuschlägen im VAG zwingend vor.

Die Sterbetafeln der DAV fußen laut Angaben der Aktuarvereinigung auf einer Vielzahl von Quellen, von denen die Todesfallstatistiken der Versicherungsunternehmen die wichtigsten seien. Einbezogen würden auch die Daten zur allgemeinen Bevölkerungssterblichkeit des Statistischen Bundesamtes (Destatis), die Berechnungen internationaler Forschungseinrichtungen und Auswertungen der Deutschen Rentenversicherung Bund.

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Generationen statt Perioden

Anders als die bundesamtlichen Statistiker, die mit Periodensterbetafeln die Sterblichkeits-Verhältnisse der Bevölkerung im zurückliegenden Jahr darstellen, verwenden Aktuare Generationentafeln. In diese würden auch langfristige Trends einbezogen wie etwa das Sinken der Sterbewahrscheinlichkeit seit den 1950er-Jahren aufgrund beispielsweise gesünderer Ernährung und dank der zahlenmäßigen Abnahme von tödlichen Arbeits- und Autounfällen.

Der DAV zufolge habe sich die positive Entwicklung der Sterbewahrscheinlichkeit in den letzten 25 Jahren dank besserer medizinischer Versorgung sowie dank höheren Wohlstands und besserer Bildung in Deutschland sogar beschleunigt. Werde ein solcher Trend unterschätzt, könnten bei Vertragslaufzeiten von 50 oder 60 Jahren die vertraglich garantierten Leistungen nicht eingehalten werden, argumentiert die DAV.

Zudem leben nach Beobachtung der Aktuare Rentenversicherungskunden länger als Menschen, die keine private Rentenversicherung abgeschlossen haben. In jüngeren Jahren schlössen nämlich zumeist diejenigen eine Rentenversicherung ab, die einen höheren Bildungsstand und ein höheres Einkommen hätten, was sich in der Regel positiv auf die Lebenserwartung auswirke. Zu Beginn der Rentenphase bevorzugten diejenigen die lebenslange Renten- statt der Kapitalauszahlung, die sich subjektiv gesünder fühlten.

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Sicherheitszuschlag zugunsten der Versicherer

Die Sterblichkeitsverhältnisse in den Beständen der Versicherer wichen somit signifikant von denen der allgemeinen Bevölkerungssterblichkeit ab, meinen die Aktuare. Daher werde bei einer Rentenversicherung, die ein langes Leben versichert (finanzieller Langlebigkeitsschutz), vorsichtshalber ein Abschlag auf die Sterbewahrscheinlichkeit vorgenommen, diese also noch ein bisschen weiter hinausgeschoben.

Weiche die tatsächliche Sterblichkeitsentwicklung des Versichertenkollektivs jedoch von diesen (über)vorsichtigen Kalkulationsgrundlagen ab, entstünden Risikoüberschüsse, an denen die Versicherungsnehmer aufgrund der Mindestzuführungsverordnung zu 90 Prozent beteiligt werden müssten. Dieser Teil der Überschüsse würde bei Rentenversicherungen für Rentenerhöhungen eingesetzt, versichern die Versicherer.

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