Kinder – gesetzlich oder privat krankenversichert?

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(verpd) Alle werdenden Eltern sollten sich bereits vor der Geburt über den Krankenversicherungs-Schutz ihres Kindes informieren. Denn nicht immer ist ein Kind ab der Geburt automatisch krankenversichert. Auch wenn sich danach der Berufsstand oder das Einkommen eines Elternteils ändert, kann dies eine Änderung bei der Krankenversicherung für das Kind nach sich ziehen.

Sind beide Elternteile in der Gesetzlichen Krankenversicherung (GKV) pflichtversichert oder ist einer pflichtversichert und der andere nicht berufstätig beziehungsweise geringfügig beschäftigt, ist das Kind im Rahmen der Familienmitversicherung ab Geburt automatisch gesetzlich krankenversichert. Wer in der GKV pflichtversichert ist, ist in Paragraf 5 SGB V (Fünftes Sozialgesetzbuch geregelt). Pflichtversichert sind beispielsweise Arbeitnehmer, die mehr als 450 € im Monat und unter der GKV-Versicherungspflicht-Grenze (Jahresarbeitsentgelt-Grenze) von 54.900 € im Jahr verdienen.

Die Familienmitversicherung in der GKV ist in Paragraf 10 SGB V (Fünftes Sozialgesetzbuch) geregelt. Sie ist in der Regel kostenfrei und gilt unter anderem für alle minderjährigen leiblichen oder adoptierten Kinder beider Ehegatten oder gleichgeschlechtlicher Partner einer eingetragenen Lebenspartnerschaft.

Kostenlos über die Eltern versichert

Für eine kostenfreie Familienmitversicherung in der GKV darf das minderjährige Kind kein oder nur ein geringes Gesamteinkommen – dazu zählen regelmäßige Einkünfte aus Miet- oder Zinserträgen, aus einer selbstständigen Tätigkeit sowie Renteneinkünfte – von bis zu 405 € haben. BAföG-Leistungen zählen nicht dazu.

Bei Kindern, die eine geringfügige Beschäftigung (Minijob) ausüben, ist die Verdienstgrenze für eine kostenlose GKV-Mitversicherung höher – sie liegt bei monatlich 450 € im Jahr 2015. Auch volljährige Kinder können unter Umständen kostenlos familienmitversichert bleiben: Dies gilt für Kinder bis zum 23. Lebensjahr, solange sie nicht erwerbstätig sind, sowie bis zum 25. Lebensjahr, wenn sie sich in einer Schul- oder Berufsausbildung, zum Beispiel in einem Studium, befinden oder ein freiwilliges soziales oder ökologisches Jahr ableisten.

Was für Studenten gilt

Wer einen dualen Studiengang absolviert, gilt als Auszubildender, wenn er ein Arbeitsentgelt (Gehalt), Studienbeihilfe oder ein Stipendium erhält, und ist daher gesetzlich pflichtversichert. Die Beiträge zur GKV werden in der Regel automatisch vom Einkommen durch den Arbeitgeber abgezogen und an die Krankenkasse weitergegeben.

Studenten, die älter als 25 Jahre sind und damit nicht mehr der Familienversicherung unterliegen, zahlen für die gesetzliche Kranken- und Pflegeversicherung einen festgelegten Beitrag. Dieser beträgt monatlich 61,01 € für die Kranken- und 14,03 € beziehungsweise 15,52 € bei Kinderlosen für die Pflegeversicherung. Zuzüglich kann der gewählte gesetzliche Krankenversicherungs-Träger (Krankenkasse) noch einen optionalen Zusatzbeitrag verlangen. Die Studierenden können aber auch eine private Krankenvollversicherung abschließen. Auch hier gibt es für Studenten günstige Tarife.

Älter als 25 Jahre

Generell ist über das 25. Lebensjahr hinaus eine Familienversicherung längstens um maximal weitere zwölf Monate nur möglich, wenn die Schul- oder Berufsausbildung für folgende Verrichtungen entsprechend lange unterbrochen oder verzögert wurde: für den Freiwilligen Wehrdienst, die Tätigkeit als Entwicklungshelfer, den Freiwilligendienst wie Bundesfreiwilligen-Dienst, den Jugendfreiwilligen-Dienst oder einen vergleichbaren anerkannten Freiwilligendienst.

Keine zeitlichen Beschränkungen zur Familienmitversicherung gibt es für behinderte Kinder, die sich finanziell nicht selbst unterhalten können, sofern die Behinderung während der Zeit der bestehenden Familienversicherung eingetreten ist.

Wenn beide Elternteile privat krankenversichert sind ...

Sind beide Elternteile über eine Private Krankenversicherung (PKV) abgesichert, ist das Kind privat abzusichern. Dazu sollten die Eltern möglichst noch vor der Geburt eine entsprechende Police abschließen. Die PKV-Versicherung für ein Kind ist zwar nicht kostenlos wie bei der Familienmitversicherung der GKV, dafür kann aber optional ein besserer Versicherungsschutz im Vergleich zur gesetzlichen Absicherung gewählt werden.

Ist ein Elternteil mindestens drei Monate lang bei einem Versicherer privat krankenversichert und hat es versäumt, sein Kind vor der Geburt abzusichern, kann er innerhalb von zwei Monaten nach der Geburt einen Aufnahmeantrag bei dem Versicherer stellen, der dann rückwirkend ab Geburt gilt. Der Gesundheitszustand des Kindes spielt in diesem Fall keine Rolle.

.... oder nur ein Elternteil

Wo und über wen ein Kind versichert werden kann, wenn ein Elternteil gesetzlich und das andere privat krankenversichert ist, hängt unter anderem von der jeweiligen Einkommenshöhe der Elternteile ab. Wenn ein Elternteil über die PKV abgesichert ist, sein Einkommen über der Versicherungs-Pflichtgrenze für die GKV (54.900 € im Jahr) liegt und er mehr verdient als das Elternteil, das Mitglied in einer gesetzlichen Krankenkasse ist, besteht ein Wahlrecht.

In diesem Fall kann das Kind entweder in der PKV oder auch als freiwillig versichertes Mitglied gegen einen eigenen Beitrag in der GKV versichert werden. Eine beitragsfreie Familienversicherung in der gesetzlichen Krankenversicherung ist in diesem Fall jedoch ausgeschlossen.

Wahlfreiheit

Ist ein Elternteil zwar privat krankenversichert, sein Einkommen aber niedriger ist als das des anderen Elternteils, das über die gesetzliche Krankenversicherung abgesichert ist, hat man die Wahl: Das Kind kann dann entweder kostenlos in der GKV oder kostenpflichtig, dafür aber optional mit einem besseren Versicherungsschutz über die PKV krankenversichert werden.

Das Gleiche gilt, wenn ein Elternteil, beispielsweise ein Selbstständiger, in der PKV versichert ist, sein Einkommen aber unterhalb der GKV-Versicherungspflicht-Grenze liegt und das andere Elternteil Mitglied der gesetzlichen Krankenversicherung ist.

Für einen optimalen Versicherungsschutz

Um sicherzugehen, dass ein Kind eine optimale medizinische Versorgung bekommt, kann auch für jedes Kind, das gesetzlich krankenversichert ist, eine private Krankenzusatz-Versicherung abgeschlossen werden.

Je nach Vertragsvereinbarung können damit Leistungen in Anspruch genommen werden, die über die gesetzliche Absicherung beispielsweise im Bereich Zahnersatz und Kieferorthopädie, beim Heilpraktiker oder bei einem Krankenhausaufenthalt hinausgehen.

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