Kapitallebensversicherung kündigen?

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Früher galt die Devise: Kündige nie eine Kapitallebensversicherung, sonst entstehen Verluste. Doch derzeit drohen andere Einbußen.

Auch früher lag bei länger laufenden Versicherungsverträgen der Rückkaufswert bei Kündigungen zumindest über den bis zur Kündigung bezahlten Beiträgen. Im Rückkaufswert ist zudem die Überschussbeteiligung enthalten.

Ein ganz erheblicher Teil der Überschussbeteiligung entfiel insbesondere in den letzten Jahren auf die Bewertungsreserven, an die der Versicherte mit 50 Prozent beteiligt werden musste.

Beteiligung an den Bewertungsreserven entfällt

Diese Bewertungsreserven stiegen vor allem an, weil die Kurse der festverzinslichen Wertpapiere infolge des sinkenden Zinsniveaus deutlich zulegten. Die 50prozentige Beteiligung der Versicherten daran wird ab 2015 aber der Vergangenheit angehören.

Lautet nun die Empfehlung: Schnell noch kündigen, um die Bewertungsreserve noch zu retten?

Die salomonische Antwort lautet oft: Das kommt ganz auf den Einzelfall an. Damit ist aber keinem Rat suchenden Versicherten geholfen.

Kündigungsfrist beachten

Zunächst einmal macht eine Kündigung nur dann Sinn, wenn sie noch bis zum 30.11.2014 erfolgt. Da die Kündigung nur bei monatlich gezahlten Beiträgen schon zum nächsten Monatsersten erfolgen kann, ist es für Verträge mit vierteljährlich, halbjährlich oder jährlich gezahlten Beiträgen schon zu spät, sofern der nächste Zahlungstermin nicht zufälligerweise auf den 1.12.2014 fällt.

Laufzeit von 12 Jahren einhalten

Unsinnig ist es zudem, einen noch nicht 12 Jahre laufenden Vertrag über Kapital-Lebensversicherungen zu kündigen. Wer einen am 1.12.2004 abgeschlossenen Vertrag beispielsweise schon zum 1.12.2014 kündigt, muss mit einer happigen Nachversteuerung der Erträge rechnen. Also dann besser nicht kündigen!

Wurde der Vertrag jedoch schon am 1.12.2002 abgeschlossen und jetzt zum 1.12.2014 gekündigt, kann es keine steuerlichen Nachteile geben. Vorausgesetzt, der Versicherte hat in den 12 Jahren für mindestens 5 Jahre Beiträge gezahlt, einen Todesfallschutz von mindestens 60 Prozent der Versicherungssumme vereinbart und den Vertrag nicht steuerschädlich für eine Darlehensfinanzierung abgetreten.

Garantiezins einkalkulieren

Wer einen Vertrag zwischen Anfang Juli 1994 und Ende Juni 2000 abgeschlossen hat, darf sich über den garantierten Zins von 4 Prozent freuen. Sofern diese beispielsweise am 1.4.2000 abgeschlossene Lebensversicherung noch mehrere Jahre läuft (zum Beispiel bis zum 1.4.2020), lohnt sich die Kündigung angesichts der anhaltenden Niedrigzinsphase sicherlich nicht.

Ganz anders sieht es aus, wenn der gleiche Vertrag schon zum 1.4.2015 ausläuft. Auf den Garantiezins von jährlich 4 Prozent (entspricht 1,33 Prozent für vier Monate) kann man getrost verzichten, wenn bei rechtzeitiger Kündigung zum 1.12.2014 noch hohe Bewertungsreserven anfallen. Diese werden deutlich über den nur für vier Monate entgangenen Zinsen liegen. Also macht eine Kündigung in diesem Fall Sinn.

Nur vor 2005 abgeschlossene Altverträge in der engeren Wahl

Bei der Frage Kündigen oder nicht? sollte man grundsätzlich nur vor 2005 abgeschlossene Altverträge in die engere Wahl ziehen, die bisher schon eine Laufzeit von 12 Jahren aufweisen und bei denen die im Rückkaufswert enthaltenen Erträge garantiert nicht versteuert werden. Zur Sicherheit sollte man bei seinem Steuerberater nachfragen, ob das auch tatsächlich der Fall sein wird.

Ist die steuerfreie Auszahlung nach Kündigung sicher und liegt das vertragliche Ende in den nächsten zwei Jahren, muss mit spitzem Bleistift gerechnet werden. Dazu ist es unbedingt erforderlich, von der Versicherung den aktuellen Rückkaufswert und die darin geschätzte Beteiligung an den Bewertungsreserven zu erfahren.

Wenn die Zeit davon läuft und die letzte jährliche Standmitteilung des Versicherers erst vor einigen Monaten beim Versicherten eintraf, sind auch die darin enthaltenen Werte ein guter Anhaltspunkt.

Überschlagsrechnung erstellen

Wer eine Kündigung in Erwägung zieht, sollte anschließend die bisher von ihm gezahlten Beiträge (also die Beitragssumme) mit dem zu erwartenden Rückkaufswert (einschließlich Beteiligung an den Bewertungsreserven) vergleichen.

Liegt der Rückkaufswert nach mindestens 12 Jahren Laufzeit deutlich über der Beitragssumme, kommt es nun auf die erzielbare Ablaufrendite nach Kündigung des Vertrages an.

Die Ermittlung der voraussichtlichen Ablaufrendite zum Zeitpunkt der Kündigung kann mit im Internet verfügbaren Rechnern (zum Beispiel unter www.zinsen-berechnen.de/kapitallebensversicherung.php) erfolgen.

Liegt diese steuerfreie Rendite für Altverträge noch bei mindestens 3 oder gar bei 4 Prozent und mehr, lohnt sich die Kündigung unter der Voraussetzung, dass der abgeschlossene Vertrag nur noch maximal zwei Jahre laufen würde.

Grobschätzungen misstrauen

Der GDV (Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft) schätzt die durchschnittliche Bewertungsreserve auf 930 € je Vertrag. Dieser geschätzte Durchschnittswert sagt aber nichts aus über die individuell erreichbare Bewertungsreserve, die bei höherer Versicherungssumme ganz erheblich darüber liegen kann.

Auch Schätzungen des Online-Verbrauchermagazins Finanztip, wonach sich eine Kündigung angeblich bei 4 Millionen Versicherungsverträgen lohnt und dann insgesamt rund 4 Milliarden Euro an Bewertungsreserven zu retten wären, sollten Sie misstrauen.

Niemand kann gegenwärtig zuverlässig sagen, für wie viele Versicherte sich eine Kündigung ihres Vertrages tatsächlich lohnt. Vorsicht ist also angesagt.

Für noch mehrere Jahre laufende Versicherungsverträge mit einem Garantiezins von 4 Prozent gilt eher die Regel: Lieber weiter hohe Garantiezinsen kassieren mit Lust, als überhastet eine geringe Bewertungsreserve retten mit Frust. Freilich ist dabei zu bedenken, dass lediglich der Sparanteil verzinst wird. Dieser ergibt sich aus den eingezahlten Beiträgen abzüglich der Abschluss- und Verwaltungskosten und abzüglich der Kosten für die Absicherung des Todesfallrisikos. Deshalb sind Beitragsrenditen von 4 % nur bei äußerst gut wirtschaftenden Anbietern zu erzielen.

Bei in Kürze ablaufenden Altverträgen lohnt sich der vorzeitige Ausstieg, wenn auch die steuerfreie Auszahlung gesichert ist.

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