Wie Unwissen einen Autofahrer vor Strafe schützen kann

 - 

(verpd) Ein Autofahrer muss weder wissen, wie lang die Markierungen einer unterbrochenen Mittellinie sind, noch wie lang der Abstand zur nächsten Markierung ist.

Das geht aus einem jüngst veröffentlichten Beschluss des Oberlandesgerichts Oldenburg hervor (Az. 2 Ss(Owi) 322/14).

Ein Autofahrer war wegen zu dichten Auffahrens auf das vor ihm fahrende Fahrzeug mit einem Bußgeld in Höhe von 80 € vom Amtsgericht Wildeshausen verurteilt worden.

Das Urteil begründete das Amtsgericht damit, dass der Mann leicht hätte erkennen können, dass er zu dicht hinter dem vorausfahrenden Fahrzeug herfuhr. Denn den in seinem Fall erforderlichen Mindestabstand von 50 Meter hätte er ermitteln können, indem er sich an der unterbrochenen Mittellinie orientierte.

Man kann nicht alles wissen

Gegen diese Entscheidung legte der Autofahrer eine Rechtsbeschwerde ein. Wie der Autofahrer hielten auch die Richter des Oldenburger Oberlandesgerichts die vom Amtsgericht angeführte Berechnungsmethode für den Abstand für weltfremd. Sie gaben der Rechtsbeschwerde des Beschuldigten statt und wiesen den Fall zur erneuten Verhandlung an das Amtsgericht zurück.

Aus den Richtlinien für die Markierung von Straßen (RMS) ergebe sich zwar, dass ein einzelner Mittelstrich sechs Meter lang ist und der Abstand zum nächsten Strich zwölf Meter betragen muss. Nach Ansicht der Richter kann jedoch weder davon ausgegangen werden, dass ein durchschnittlicher Kraftfahrer von dieser Regelung weiß, noch dass er dazu in der Lage ist, den Abstand zu einem Vorausfahrenden anhand der unterbrochenen Mittellinien zu berechnen.

Gängige Methoden zur Abstandsberechnung

Aus dem Schneider ist der Beschwerdeführer trotz des Beschlusses des Oldenburger Oberlandesgerichts jedoch nicht. Denn sollte die Vorinstanz dem Autofahrer nachweisen können, dass er den Abstand zu dem Vorausfahrenden problemlos mit einer anderen Methode hätte ermitteln können, wird er wohl endgültig das verlangte Bußgeld zahlen müssen.

Unter anderem helfen beispielsweise die Leitpfosten am Fahrbahnrand, den Abstand einzuhalten. Denn diese, und dies wird in jeder Fahrschule gelehrt und muss demzufolge ein Autofahrer wissen, stehen auf Landstraßen in der Regel 50 Meter auseinander. Auf einem Internetportal des Deutschen Verkehrssicherheitsrats e.V. (DVR) wird eine andere Variante – die sogenannte Zweisekunden-Formel – erklärt. Danach darf man einen Punkt, den der Vordermann passiert hat, selber frühestens zwei Sekunden später erreichen, um den ausreichenden Mindestabstand einzuhalten.

Weitere News zum Thema

  • Die wichtigsten Maßnahmen nach einem Autounfall

    [] (verpd) Wer an einem Unfall beteiligt ist oder als Erster an eine Unfallstelle kommt, muss auch aufgrund gesetzlicher Regelungen bestimmte Verhaltensregeln einhalten, um beispielsweise weitere Schäden zu verhindern und Verletzten zu helfen. Zudem erleichtert eine richtige Vor-Ort-Dokumentierung des Unfalles die Schadenregulierung durch den oder die Kfz-Versicherer. mehr

  • Zusammenstoß mit Autotür

    [] (verpd) Stößt ein vorbeifahrendes Fahrzeug gegen die Tür eines geparkten Autos, hat es zu einer Schadenteilung zu kommen, wenn nicht geklärt werden kann, wann die Tür geöffnet wurde. Das hat das Amtsgericht Frankenthal mit Urteil entschieden (Az. 3a C 176/16). mehr

  • Wie Biker bei der Kfz-Versicherung sparen können

    [] (verpd) Die Motorradsaison hat begonnen. Wer sich bereits vor der Anmeldung des Bikes entsprechende Gedanken macht, kann dafür sorgen, dass das eigene Motorrad gut, aber dennoch günstig versichert ist. mehr

  • Speziell für Schönwetter-Fahrzeuge

    [] (verpd) Kfz-Halter, die ihr Auto, ihr Motorrad oder auch ihr Wohnmobil nur in einem bestimmten Zeitraum des Jahres, beispielsweise von März bis Oktober fahren möchten, kommen mit einem Saisonkennzeichen in den Genuss diverser Vorteile. Denn sie sparen damit Kfz-Steuern und Versicherungsprämien, ohne das Fahrzeug ständig an- und abmelden zu müssen. mehr

  • Von den teuren Folgen einer Spritztour mit dem Dienstwagen

    [] (verpd) Ein Beschäftigter, der sein Dienstfahrzeug ohne Erlaubnis seines Arbeitgebers zu privaten Zwecken nutzt, kann für die Folgen eines dabei durch einen Wildunfall entstandenen Schadens in Anspruch genommen werden. Das geht aus einem aktuellen Urteil des Verwaltungsgerichts Koblenz hervor (Az. 5 K 684/16.KO). mehr

Weitere News zum Thema

schließen

Link empfehlen

Mit der Inanspruchnahme des Services willigen Sie in folgende Vorgehensweise ein:

Ihre eigene E-Mail-Adresse und die des Empfängers werden nur zu Übertragungszwecken verwendet - um den Adressaten über den Absender zu informieren, bzw. bei einem Übertragungsfehler eine Benachrichtigung zu übermitteln. Um einen Missbrauch dieses Services zu vermeiden, wird Geldtipps.de die Identifikationsdaten (IP-Adresse) jedes Nutzers der versandten E-Mail in Form eines E-Mail-Header-Record (X-Sent-by-IP) beifügen und für einen Zeitraum von zwei Monaten speichern. Sofern Dritte glaubhaft machen, dass sie durch die Versendung eines Artikels im Rahmen dieses Services in ihren Rechten verletzt wurden, wird Geldtipps.de die Identifikationsdaten zur Rechtsverfolgung herausgeben.