Wie sich die Deutschen im Straßenverkehr verhalten

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(verpd) Deutschlands Autofahrer fühlen sich im Straßenverkehr immer stärker abgelenkt – und sie haben auch sehr genaue Vorstellungen davon, was ihre Aufmerksamkeit zunehmend beeinträchtigt. Gleichwohl ignorieren sie diese eigenen Erkenntnisse in erheblichem Maße. Das ergab eine repräsentative Studie.

Exakt 1.069 deutsche Autofahrer hat Ende Oktober 2016 ein Versicherer vom Marktforschungs-Unternehmen Yougov Deutschland GmbH danach befragen lassen, was beim Fahren vom Straßenverkehr ablenkt. Und danach, wie sie sich selbst verhalten.

Fast alle – 93 Prozent – sehen die Aufmerksamkeit heute durch unterschiedlichste Einflüsse stärker negativ beeinflusst als noch vor fünf Jahren, so die generelle Erkenntnis der Studie.

Handy und Smartphone stören mehr als schlechtes Wetter

So sehen 68 Prozent der Befragten in schwierigen Wetterbedingungen durchaus eine wesentliche Ursache für eine mögliche Ablenkung. Das Benutzen von Handy oder Smartphone nennen 83 Prozent als gravierenden Störfaktor.

Trotzdem räumen immerhin zwölf Prozent ein, zumindest gelegentlich selbst während des Fahrens Texte auf dem Smartphone zu lesen oder zu schreiben. Und 17 Prozent gestehen, dass sie ohne Freisprechanlage telefonieren, obwohl 70 Prozent dies als erhebliche Ablenkung einstufen, es ausdrücklich verboten ist und mit einem Bußgeld sowie einem Punkt in Flensburg geahndet wird.

Besserverdienende und Jugendliche besonders unbelehrbar

Überdurchschnittlich häufig wird das Handyverbot laut Studie von sogenannten Besserverdienern ignoriert. Mehr als jeder vierte Autofahrer mit einem monatlichen Haushaltsnettoeinkommen über 3.500 Euro hält sich eigenen Angaben zufolge nicht daran, während es bei jenen mit einem geringeren Einkommen nur etwa jeder Sechste ist.

Eine offensichtlich erhebliche Rolle spielt außerdem das Alter der Fahrer. So würden den Studienauftraggebern zufolge, bei den 18- bis 34-Jährigen fast zehnmal so viele während der Fahrt texten als die ab 55-Jährigen.

Das veränderte Kommunikationsverhalten nicht alleine schuld

32 Prozent der Jüngeren nutzen außerdem das Mobiltelefon am Steuer ohne Freisprechanlage. Mit fortschreitendem Alter sinkt diese Quote auf unter zehn Prozent.

Das veränderte Kommunikationsverhalten ist jedoch nicht der einzige Grund für die zunehmende Ablenkung. 63 Prozent deuten aus eigener Erfahrung an, dass dies auch an den Mitfahrern liegen kann. Für 60 Prozent kann die Bedienung eines Navigationssystems oder anderer Bedienelemente eine mögliche Ursache sein und 45 Prozent nennen Essen und Trinken während der Fahrt.

Eher klassische Ablenkungen im Auto sind kaum minder gefährlich

Andere eher klassische, aber ebenfalls bedenkliche Aktivitäten des Fahrers innerhalb des Autos werden allerdings als noch wesentlich gefährlicher eingestuft. Für 82 Prozent der Befragten zählt dazu die Suche nach heruntergefallenen Gegenständen und für 76 Prozent das Schminken oder die Körperpflege während der Fahrt.

Wenigstens greift über alle Altersgruppen hinweg nur jede(r) zwanzigste Autofahrer(in) während der Fahrt zu Lippenstift oder zum Rasierer. Allerdings zeigen sich auch hier wieder deutliche Altersunterschiede, denn in der Gruppe der 18- bis 24-Jährigen tun dies dreimal so viele wie in jener der über 55-Jährigen.

Unfallrisiko ist beim SMS-Lesen und SMS-Schreiben 164-mal höher

Nach Angaben des Deutschen Verkehrssicherheitsrats (DVR) ist ein Autofahrer, der nur zwei Sekunden während der Fahrt abgelenkt ist, selbst bei einer Geschwindigkeit von nur 50 Stundenkilometern schon knapp 30 Meter im Blindflug unterwegs. Auch das Telefonieren am Steuer erhöhe trotz Verwendung einer Freisprecheinrichtung das Unfallrisiko bereits um das Zwei- bis Fünffache.

Laut DVR seien beim Telefonieren während der Fahrt die Auswirkung der Ablenkung mit einer Alkoholisierung von 0,8 Promille vergleichbar, beim Schreiben von SMS mit den Auswirkungen von 1,1 Promille. Wie gefährlich die Nutzung von Smartphone und Co. zudem sein kann, erklärt Professor Mark Vollrath von der Technischen Universität in Braunschweig: Einer Studie aus den USA zufolge erhöht das Schreiben und Lesen von Textbotschaften das Unfallrisiko auf das 164-Fache.

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