Was bei einem Wildunfall zu tun ist

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(verpd) Morgens und abends ist die Gefahr eines Wildunfalls am größten.

Es gibt jedoch einige Verhaltensweisen, um als Kfz-Fahrer diese Unfallgefahr zu reduzieren. Zudem sollte jeder Autofahrer wissen, wie er sich zu verhalten hat, wenn es doch zu einem Wildunfall gekommen ist.

Nach Angaben des Statistischen Bundesamtes (Destatis) wurden letztes Jahr bei Wildunfällen über 2.400 Personen verletzt. 17 Menschen kamen dabei ums Leben. Zudem beträgt der jährliche Sachschaden durch Wildunfälle zwischen 500 bis 600 Millionen Euro. Besonders dramatisch sind die Unfallfolgen bei einem Zusammenstoß mit einem großen Wildtier. Wenn ein 50 km/h schneller Pkw ein 80 Kilogramm schweres Wildschwein erfasst, ergibt sich nach den Berechnungen des Deutschen Jagdverbandes e.V. (DJV) ein Aufschlaggewicht von zwei Tonnen.

Dies kann zu erheblichen Schäden am Auto führen und stellt eine hohe Verletzungsgefahr für die Pkw-Insassen dar. Doch nicht nur ein Zusammenprall mit einem Wildschwein ist gefährlich, sondern auch mit einem Reh oder Hirsch. Denn ein Reh kann bis zu 50 Kilogramm und ein Hirsch sogar bis zu 180 Kilogramm wiegen. Alleine von April 2013 bis März 2014 wurden nach Aussagen des DJV hierzulande über 200.000 Rehe und Hirsche und 21.500 Wildschweine bei einem Verkehrsunfall getötet.

Häufiger Wildwechsel am Morgen und am Abend

Die meisten Wildunfälle ereignen sich nach einer Studie der Unfallforschung der Versicherer (UDV) morgens und abends zwischen 5 und 8 Uhr und zwischen 17 Uhr und Mitternacht. Doch auch nachts besteht ein erhöhtes Wildunfallrisiko. Die Anzahl der Wildunfälle ist im Oktober und November sowie im Mai eines Jahres etwas höher als in den anderen Monaten. Grundsätzlich müssen die Autofahrer laut UDV jedoch das ganze Jahr über damit rechnen, dass Wildtiere auf der Suche nach Futter die Straßen überqueren.

Insbesondere in der Nähe von Waldstücken sowie auf Feldern und Wiesen mit Büschen am Wegesrand und auf Straßen mit Wildwechsel-Warnschildern ist eine erhöhte Aufmerksamkeit angebracht. Hier sollten Autofahrer vorausschauend und langsam fahren, einen großen Abstand zum Vordermann halten sowie bremsbereit sein.

Befindet sich ein Tier am Straßenrand oder steht bereits auf der Straße, sollte man sofort hupen, kontrolliert abbremsen und das Fern- auf Abblendlicht umschalten, damit das Tier nicht geblendet wird und auf das Fahrzeug zuläuft oder verängstigt auf der Straße stehen bleibt. Ist ein Tier zu sehen, muss man zudem noch mit weiteren Tieren rechnen, die unvorhergesehen über die Straße laufen könnten.

Keine riskanten Ausweichmanöver

Wenn ein Zusammenstoß nicht mehr vermeidbar ist, sollten Autofahrer ihr Lenkrad gut festhalten und versuchen, auf der rechten Fahrbahn zu bleiben, um nicht in den Gegenverkehr, den Straßengraben oder gegen einen Baum zu fahren. Ein riskantes Ausweichmanöver oder ein verrissenes Lenkrad sind nämlich häufig die Ursachen von schwersten Unfällen.

Ist es zu einem Wildunfall gekommen, sollte der betroffene Autofahrer die Warnblinkanlage anschalten, das Fahrzeug am Straßenrand abstellen und mit angezogener Warnweste die Unfallstelle mit einem Warndreieck in ausreichendem Abstand sichern. Grundsätzlich sollte man ein verletzt auf der Straße liegendes Tier nicht berühren, da es noch treten oder angreifen könnte.

Wurde ein Wildschwein angefahren, aber nicht getötet, ist es besser nur die Warnblinkanlage einzuschalten, um den nachfolgenden Verkehr zu warnen, aber das Fahrzeug nicht zu verlassen, denn verletzte Wildschweine können sehr gefährlich werden.

Strafen vermeiden

Prinzipiell sollten nach einem Wildunfall immer sofort die Polizei und eventuell das Forstamt verständigt werden. Zudem ist es für eine problemlose Schadenregulierung sinnvoll, Fotos vom Unfallort, vom Tier und vom Auto zu machen. Behindert ein beim Zusammenstoß getötetes Tier den übrigen Verkehr, sollte es mit Handschuhen – wegen der Tollwutgefahr – von der Fahrbahn entfernt werden.

Wenn ein angefahrenes Wild noch flüchten konnte, sollte dennoch umgehend die Polizei und, wenn die Telefonnummer bekannt ist, auch der zuständige Jagdaufseher benachrichtigt werden, damit das verletzte Tier gesucht werden kann. Anderenfalls könnte der Unfallfahrer sogar wegen Verstoßes gegen das Tierschutzgesetz belangt werden, da das Tier eventuell unnötig lange leiden muss.

Übrigens: Wer nach einem Wildunfall einfach weiterfährt, ohne die Unfallstelle zu sichern, kann wegen Verletzung der Verkehrssicherheits-Pflicht belangt werden, wenn ein nachfolgendes Fahrzeug durch das auf der Straße liegende Tier verunfallt. Ein bei einem Unfall getötetes Wild darf auf keinen Fall mitgenommen werden, anderenfalls kann man wegen Wilderei bestraft werden.

Für eine reibungslose Schadenregulierung

Eine bestehende Teilkaskoversicherung kommt nach einem Zusammenstoß mit einem Haarwild für Sachschäden am eigenen Pkw auf. Zum Haarwild zählen gemäß Paragraf 1 BJagdG (Bundesjagdgesetz) beispielsweise Rehe, Hasen, Füchse und Wildschweine. Viele Kfz-Versicherer bieten teils optional eine Erweiterung der Teilkaskoversicherung auf Schäden mit sonstigen Tieren, wie Rindern, Pferden oder Vögeln an.

Eine Vollkaskoversicherung enthält automatisch den Schutz, den eine Teilkasko bietet, und erstattet aber auch bei einem fahrlässig verursachten, selbst verschuldeten Unfall den Schaden am eigenen Pkw. Sie leistet beispielsweise, wenn man bei einem Ausweichmanöver vor einem Tier in den Graben oder gegen einen Baum gefahren ist und das Auto dabei beschädigt wurde. Und sie ersetzt auch Schäden aufgrund von Unfällen mit Vögeln oder anderen Tieren, die eventuell nicht im Teilkaskoschutz mit abgedeckt werden.

Damit die Kaskoversicherung im Schadenfall schnell leisten kann, ist es wichtig, sich den Unfall schriftlich von der Polizei durch eine Wildschaden-Bescheinigung bestätigen zu lassen. Mögliche Unfallspuren wie Blut, Haar- oder Fellreste des Wildtieres sollten vor der Unfallaufnahme durch die Polizei daher nicht beseitigt werden. Die Unfallmeldung muss umgehend, spätestens eine Woche nach dem Unfall, beim Versicherer eingehen. Hilfreich ist es, neben der Schadenmeldung dem Versicherer auch Fotos, soweit vorhanden, von der Unfallstelle, dem verletzten oder getöteten Tier und dem beschädigten Auto zukommen zu lassen.

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