Warum Augenzeugen bei einem Auffahrunfall wichtig sind

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(verpd) Behauptet ein Autofahrer, dass es nur deswegen zu einem Auffahrunfall gekommen ist, weil sein Vordermann unmittelbar zuvor die Spur gewechselt hat, so muss er seine Behauptung in vollem Umfang beweisen. Allein die Unfallspuren reichen dafür nicht aus, so das Oberlandesgericht München in einem Urteil (Az. 10 U 964/13).

Ein Mann war mit seinem Pkw auf einer Autobahn unterwegs, als er seine Geschwindigkeit wegen eines Staus erheblich reduzieren musste. Unmittelbar darauf fuhr ein anderer Pkw auf sein Fahrzeug auf.

Der auffahrende Kfz-Fahrer wurde von dem Unfallopfer auf Schadenersatz verklagt. Was sich wie ein klassischer Auffahrunfall anhört, bei dem die Schuldfrage eindeutig ist, entpuppte sich vor Gericht als schwierigere Entscheidung.

Unfallspuren als Beweis

Der Beklagte, also der Kfz-Fahrer, der auffuhr, behauptete nämlich, dass der Kläger zunächst von der linken auf die mittlere Fahrspur gefahren war, um kurz vor dem Zusammenprall erneut auf die linke der drei Fahrbahnen zu wechseln. Auf der befand sich jedoch sein Fahrzeug. Als Beleg für seine Behauptung berief sich der Beklagte auf die Unfallspuren. Denn während an dem klägerischen Fahrzeug die linke Heckseite beschädigt wurde, wies das Auto des Beklagten einen Schaden im Bereich der rechten Fahrzeugfront auf.

Bei einem klassischen Auffahrunfall hätten jedoch beide Fahrzeuge mittig beschädigt sein müssen. Der Beklagte ging daher von einem alleinigen Verschulden des Klägers aus. Damit hatte er zunächst Erfolg. Das in erster Instanz mit dem Fall befasste Landgericht schloss sich der Argumentation des Beklagten an und wies die Forderungen des Klägers als unbegründet zurück. Doch dem wollten die Richter des Münchener Oberlandesgerichts nicht folgen. Sie gaben der Revision des Klägers statt.

Beweis des ersten Anscheins

Nach Ansicht des Gerichts gilt es als allgemein anerkannt, dass derjenige, der mit seinem Fahrzeug auf ein vorausfahrendes oder vor ihm stehendes Fahrzeug auffährt, den Anscheinsbeweis gegen sich hat. Denn in so einem Fall ist zunächst einmal davon auszugehen, dass er entweder nicht den nötigen Sicherheitsabstand eingehalten hat beziehungsweise mit unangepasster Geschwindigkeit gefahren ist – oder falsch reagiert hat.

Beruft sich ein Geschädigter allerdings auf den Anscheinsbeweis, so muss er nach Ansicht des Gerichts vortragen und gegebenenfalls beweisen, dass er sich mit seinem Fahrzeug schon ausreichend lange auf der Fahrspur befunden hat, auf der es zu einem Unfall gekommen ist, sodass der Hintermann den nötigen Sicherheitsabstand einhalten konnte.

Typischer Auffahrunfall

Einen derartigen Geschehensablauf konnte der Kläger nach Überzeugung der Richter jedoch beweisen. Denn seine Ehefrau hatte als Beifahrerin ausgesagt, dass er schon längere Zeit auf der linken Fahrbahn gefahren war und die Warnblinkanlage eingeschaltet hatte, bevor es zu dem Unfall kam. Vergleichbares ging auch aus der Aussage einer Autofahrerin hervor, die angab, zunächst hinter dem Fahrzeug des Klägers gefahren zu sein. Nachdem sie von der linken auf die mittlere Fahrspur gewechselt war, sei es kurz darauf zu dem Auffahrunfall gekommen.

Die Richter gingen daher trotz der Art der Beschädigungen von einem typischen Auffahrunfall aus. Sie zeigten sich davon überzeugt, dass der Beklagte entweder zu schnell gefahren war, den nötigen Sicherheitsabstand nicht eingehalten oder falsch reagiert hatte. Der Kläger hat daher einen Anspruch auf vollständigen Ersatz des ihm entstandenen Schadens. Das Gericht sah keine Veranlassung, eine Revision zum Bundesgerichtshof zuzulassen.

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