Vorsicht Steinschlag

 - 

(verpd) Ein Verkehrsteilnehmer kann keinen Schutz durch die für Straßen und Wege zuständigen Behörden vor allen möglichen Naturgewalten erwarten. Es sind vielmehr die Eigenverantwortung sowie das allgemeine Lebensrisiko der Straßennutzer mit den Sicherungspflichten der Behörden in Einklang zu bringen. Das hat das Landgericht Coburg mit einem kürzlich veröffentlichten Urteil entschieden (Az. 22 O 688/15).

Eine Frau hatte mit dem Pkw ihres Mannes eine Staatsstraße im Fränkischen Jura befahren. An der Straße wurde mit Schildern vor der Gefahr durch Steinschlag gewarnt. Dieses Risiko verwirklichte sich prompt, als plötzlich auf die Straße rollendes Gestein das Auto erheblich beschädigte. Der Autobesitzer warf den Verantwortlichen für die Staatsstraße vor, gegen ihre Straßenverkehrs-Sicherungspflicht verstoßen zu haben. Denn es sei allgemein bekannt, dass es auf der Strecke häufiger zu Felsabbrüchen kommt.

Allein das Aufstellen von Warnschildern sei daher nicht ausreichend gewesen, zumal starke Regenfälle in den Tagen vor dem Zwischenfall Anlass zu einer verstärkten Felskontrolle gegeben hätten. Doch dem wollten sich die Richter des Coburger Landgerichts nicht anschließen. Sie wiesen die Klage als unbegründet zurück.

Verwirklichung des allgemeinen Lebensrisikos

Das Gericht schloss sich zwar der Meinung des Klägers an, dass es zur Vorsorge gegen eine Steinschlaggefahr erforderlich sei, einen entsprechenden Streckenabschnitt fortlaufend zu beobachten. Der damit verbundene Umfang hänge jedoch vom Ausmaß der Gefährdung ab. Nach dem Ergebnis der Beweisaufnahme wurde die Strecke mindestens dreimal wöchentlich durch einen Straßenwärter kontrolliert.

Die letzte Kontrolle hatte einen Tag vor dem Schadenereignis stattgefunden. Dabei waren ebenso wie bei etwas länger zurückliegenden Felskontrollen keine Auffälligkeiten festgestellt worden. Damit haben die Verantwortlichen nach Meinung der Richter ihre Sicherungspflichten erfüllt. Denn ein Verkehrsteilnehmer könne keinen vollständigen Schutz vor allen denkbaren Naturgewalten erwarten. Im Fall des Klägers habe sich vielmehr das allgemeine Lebensrisiko verwirklicht. Das Urteil ist inzwischen rechtskräftig.

Übrigens: Autobesitzer, die eine Vollkaskoversicherung haben, bekommen in der Regel im Rahmen dieses Versicherungsschutzes auch Kfz-Schäden am eigenen Pkw, die bei einem derartigen Unfall entstanden sind, erstattet.

Weitere News zum Thema

  • Wenn Verkehrsschilder vom Schnee verdeckt werden

    [] (verpd) Während die Bedeutung einiger Verkehrsschilder schon alleine durch deren Form klar ist, ist dies bei anderen nicht so. Gerade diese Tatsache spielt eine große Rolle bei der Frage, wie sich ein Verkehrsteilnehmer zu verhalten hat, wenn er an ein Verkehrszeichen kommt, das von Schnee ganz oder zum überwiegenden Teil bedeckt ist. mehr

  • Kein Recht auf eisfreie Straßen

    [] (verpd) Auf öffentlichen Kreisstraßen außerhalb geschlossener Ortschaften muss der Verkehrssicherungs-Pflichtige nur an besonders gefährlichen Stellen streuen, um der Gefahr einer Glatteisbildung vorzubeugen. Das hat das Oberlandesgericht Hamm mit einem veröffentlichten Urteil entschieden (Az. 11 U 121/15). mehr

  • Versicherungsprämien durch Selbstbehalt senken

    [] (verpd) Es gibt zahlreiche Versicherungsarten, bei denen die Versicherer dem Versicherungskunden eine Selbstbeteiligung beziehungsweise einen Selbstbehalt anbieten. Vereinbart der Kunde einen derartigen Selbstbehalt, trägt er im Schadenfall einen festgelegten und im Vergleich zum möglichen Risiko in der Regel niedrigen Betrag am Schaden selbst. Dafür jedoch ist die Versicherungsprämie um einiges niedriger als ohne einen vereinbarten Selbstbehalt. mehr

  • Keine höhere Kfz-Versicherungsprämie wegen Bagatellschäden

    [] (verpd) Ein selbst verschuldeter Autounfall ist doppelt ärgerlich. Zum einen muss man für den eigenen Schaden am Pkw ohne vorhandene Vollkaskoversicherung selbst aufkommen. Zum anderen steigt die Kfz-Prämie im nächsten Jahr, wenn die Kfz-Versicherung den Schaden des Unfallgegners begleichen musste und sich die Schadenfreiheitsklasse deswegen verschlechterte. Doch bei Bagatellschäden kann man Letzteres unter Umständen verhindern. mehr

  • Vorsicht beim Rückwärtsfahren auf Parkplätzen

    [] (verpd) Kommt es beim Rückwärtsausparken zweier Fahrzeuge auf einem Parkplatz zu einem Unfall, so trifft denjenigen, dessen Fahrzeug zum Zeitpunkt des Zusammenpralls gestanden hat, in der Regel ein nur geringes Verschulden. Das geht aus einem Urteil des Amtsgerichts Dortmund hervor (Az. 425 C 434/16). mehr

Weitere News zum Thema

schließen

Link empfehlen

Mit der Inanspruchnahme des Services willigen Sie in folgende Vorgehensweise ein:

Ihre eigene E-Mail-Adresse und die des Empfängers werden nur zu Übertragungszwecken verwendet - um den Adressaten über den Absender zu informieren, bzw. bei einem Übertragungsfehler eine Benachrichtigung zu übermitteln. Um einen Missbrauch dieses Services zu vermeiden, wird Geldtipps.de die Identifikationsdaten (IP-Adresse) jedes Nutzers der versandten E-Mail in Form eines E-Mail-Header-Record (X-Sent-by-IP) beifügen und für einen Zeitraum von zwei Monaten speichern. Sofern Dritte glaubhaft machen, dass sie durch die Versendung eines Artikels im Rahmen dieses Services in ihren Rechten verletzt wurden, wird Geldtipps.de die Identifikationsdaten zur Rechtsverfolgung herausgeben.