Vorsicht beim Rückwärtsfahren auf Parkplätzen

 - 

(verpd) Kommt es beim Rückwärtsausparken zweier Fahrzeuge auf einem Parkplatz zu einem Unfall, so trifft denjenigen, dessen Fahrzeug zum Zeitpunkt des Zusammenpralls gestanden hat, in der Regel ein nur geringes Verschulden. Das geht aus einem Urteil des Amtsgerichts Dortmund hervor (Az. 425 C 434/16).

Zwei Pkw-Fahrer wollten aus ihren Parkplätzen eines Supermarktes, die sich genau gegenüberliegen, herausfahren. Dummerweise wollten beide den Parkplatz zum gleichen Zeitpunkt verlassen. Daher kam es bei ihrem Bemühen, rückwärts auszuparken, zu einer Kollision der Fahrzeuge. Die Darstellungen der Pkw-Fahrer zum Unfallhergang wichen jedoch voneinander ab. Ein Fahrer behauptete, dass sich zum Zeitpunkt des Zusammenstoßes beide Fahrzeuge in Bewegung befunden hätten und somit von einem beidseitigen Verschulden auszugehen sei.

Der andere beharrte hingegen darauf, dass er mit seinem Pkw gestanden habe und der Unfallgegner in sein stehendes Fahrzeug gefahren und damit allein für den Unfall verantwortlich sei. Er forderte daher den vollständigen Ersatz des ihm entstandenen Schadens per Gerichtsklage ein. Vor dem Dortmunder Amtsgericht errang der Kläger einen Teilerfolg.

Fehlende Anhaltspunkte

Nach Ansicht des Gerichts ist es für die Beurteilung der Schuldfrage in Fällen wie dem entschiedenen nach höchstrichterlicher Rechtsprechung von entscheidender Bedeutung, welches der beiden Fahrzeuge zum Zeitpunkt des Unfalls tatsächlich gestanden hat.

Ein vom Gericht beauftragter Sachverständiger bestätigte die Behauptung des Klägers. Denn er konnte keinerlei Anhaltspunkte dafür finden, dass sich dessen Fahrzeug zum Zeitpunkt der Kollision in Bewegung befunden hatte. „Bei der Abwägung der beiderseitigen Verursachungsbeiträge ist somit davon auszugehen, dass der Unfall in allerletzter Konsequenz dadurch verursacht wurde, dass der Beklagte mit seinem Fahrzeug in das stehende Fahrzeug des Klägers beim Rückwärtsfahren hineingefahren ist oder dieses zumindest berührt hat“, so das Gericht.

Keine alleinige Verantwortung

Das heißt nach Ansicht des Gerichts jedoch nicht, dass der Beklagte allein für den Unfall verantwortlich ist. Denn angesichts der Verkehrssituation seien beide Beteiligte zu erhöhter Aufmerksamkeit verpflichtet gewesen. Auf Parkplätzen müsse nämlich immer damit gerechnet werden, dass auch andere Verkehrsteilnehmer rückwärts rangieren.

Der Unfall sei für den Kläger folglich nicht unabwendbar gewesen. Er müsse sich daher die Betriebsgefahr seines Fahrzeugs anrechnen lassen. Diese bewertete das Gericht mit 20 Prozent mit der Folge, dass von einer Schadenverteilung von 80 Prozent zu 20 Prozent zulasten des Beklagten auszugehen sei.

Weitere News zum Thema

  • Kfz-Unfall: Video kontra Lügner

    [] (verpd) Aufzeichnungen von Kameras, die in Fahrtrichtung fest auf dem Armaturenbrett eines Autos installiert sind – sogenannte Dashcams – dürfen in der Regel in einem Zivilprozess verwertet werden. Das hat das Oberlandesgericht Nürnberg mit einem Hinweisbeschluss entschieden und damit ein Urteil des Landgerichts Regensburg bestätigt (Az. 13 U 851/17). mehr

  • Fahrerflucht: Hilfe für die Opfer

    [] (verpd) Wer bei einem Verkehrsunfall einen Schaden erlitten hat und diesen nicht beim Unfallverursacher geltend machen kann, weil dieser unerkannt geflüchtet ist oder keinen Versicherungsschutz hat, kann unter Umständen trotzdem eine Entschädigung erhalten. Ansprechpartner ist in solchen Fällen der Verein Verkehrsopferhilfe e.V. (VOH). Dies gilt auch, wenn ein Kfz-Fahrer vorsätzlich mit seinem Fahrzeug Personen- oder Sachschäden herbeiführt. mehr

  • Welche Autos am häufigsten gestohlen werden

    [] (verpd) Letztes Jahr wurden fast 30.000 kaskoversicherte Autos, die in Deutschland zugelassen waren, gestohlen. Die meisten gestohlenen Autos einer Automarke kommen von Volkswagen. Anteilig, also pro 1.000 kaskoversicherte Autos der gleichen Marke, führt Toyota die Beliebtheitsskala der Kfz-Diebe an. Dies geht aus einer kürzlich vom Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft e.V. (GDV) vorgestellten Statistik hervor. mehr

  • Vorsicht, Wildwechsel!

    [] (verpd) Jedes Jahr passieren 230.000 bis 265.000 Verkehrsunfälle mit Wildtieren in Deutschland, welche Sach- und zum Teil auch Personenschäden zur Folge haben. Besonders ab Oktober ist wieder mit einem erhöhten Wildwechsel auf Deutschlands Straßen zu rechnen, daher sollten Kfz-Fahrer besonders vorsichtig sein und wissen, wie sie sich zu verhalten haben, wenn sie ein Tier auf der Straße oder am Straßenrand erblicken. mehr

  • Falls ein Ast auf das Auto fällt und es beschädigt

    [] (verpd) Richtet ein Baum beziehungsweise dessen Äste einen Schaden an, kann die Frage nach der Schadenshaftung unter anderem davon abhängen, wem der Baum gehört beziehungsweise wer für ihn verantwortlich ist. Befindet sich ein Baum in Privatbesitz, sind nämlich geringere Anforderungen an die Verkehrssicherungs-Pflicht zu stellen als bei Bäumen, die sich in öffentlichem Besitz befinden. Das geht aus einem veröffentlichten Hinweisbeschluss des Oberlandesgerichts Oldenburg hervor (Az. 2 U 7/17). mehr

Weitere News zum Thema

schließen

Link empfehlen

Mit der Inanspruchnahme des Services willigen Sie in folgende Vorgehensweise ein:

Ihre eigene E-Mail-Adresse und die des Empfängers werden nur zu Übertragungszwecken verwendet - um den Adressaten über den Absender zu informieren, bzw. bei einem Übertragungsfehler eine Benachrichtigung zu übermitteln. Um einen Missbrauch dieses Services zu vermeiden, wird Geldtipps.de die Identifikationsdaten (IP-Adresse) jedes Nutzers der versandten E-Mail in Form eines E-Mail-Header-Record (X-Sent-by-IP) beifügen und für einen Zeitraum von zwei Monaten speichern. Sofern Dritte glaubhaft machen, dass sie durch die Versendung eines Artikels im Rahmen dieses Services in ihren Rechten verletzt wurden, wird Geldtipps.de die Identifikationsdaten zur Rechtsverfolgung herausgeben.