Vollkasko: Ein Unfall mit zwei Verkehrssündern

Bei der Kollision zweier Autofahrer, die unmittelbar vor dem Zusammenstoß beide gegen elementare Verkehrsregeln verstoßen haben, kann eine Schadenteilung gerechtfertigt sein. Das geht aus einem jüngst veröffentlichten Urteil der zehnten Zivilkammer des Landgerichts Magdeburg hervor (Az. 10 O 1030/11).

Ein Mann war mit seinem Pkw auf einer Landstraße unterwegs, als er unmittelbar hinter einem Bahnübergang nach links auf ein Privatgrundstück abbiegen wollte.

Bei diesem Manöver kam es zu einer Kollision mit dem Personenkraftwagen eines anderen. Der wiederum hatte im Bereich des Bahnübergangs ein Fahrzeug, das hinter dem Linksabbieger fuhr, überholt und nicht mit dem Abbiegevorgang gerechnet.

Mehrfacher Verkehrsverstoß

Der Kfz-Haftpflichtversicherer des Überholenden wies die Schadenersatz-Forderungen des Linksabbiegers prompt zurück. Nach Ansicht des Überholenden hatte nämlich der Linksabbieger nicht nur gegen Paragraf 9 Absatz 5 StVO (Straßenverkehrsordnung) verstoßen, wonach sich ein Fahrzeugführer beim Abbiegen in ein Grundstück so zu verhalten hat, dass eine Gefährdung anderer Verkehrsteilnehmer ausgeschlossen ist.

Er habe außerdem seine Rückschaupflicht nicht erfüllt und zu allem Überfluss die durchgezogene Mittellinie überquert. Das heißt, dass er verbotswidrig versucht habe abzubiegen.

Der Linksabbieger zog nach der Ablehnung vor Gericht und verklagte den Überholenden auf Schadenersatz. Die vom Beklagten vorgebrachten Argumente konnten das Magdeburger Landgericht nur bedingt überzeugen. Es gab der Schadenersatzklage teilweise statt.

Beiderseitige Verantwortung

Nach Ansicht des Gerichts sind der Kläger und der Beklagte zu gleichen Teilen für den Unfall verantwortlich. Denn sie haben beide in erheblichem Maße gegen die Vorschriften der Straßenverkehrsordnung verstoßen. Zwar ist dem Kläger vorzuwerfen, dass er zum Abbiegen verbotswidrig die durchgezogene Mittellinie überquert und beim Abbiegen offenkundig nicht seiner Rückschaupflicht genügt hat. Er ist trotz allem nicht der Alleinschuldige.

Er musste nämlich nicht damit rechnen, dass der Beklagte im unmittelbaren Bereich des Bahnübergangs überholen werde. Denn das ist gemäß Paragraf 19 Absatz 1 StVO ausdrücklich untersagt. Dort heißt es, dass sich Fahrzeugführer Bahnübergängen nur mit mäßiger Geschwindigkeit nähern und im unmittelbaren Bereich eines Übergangs nicht überholen dürfen.

Gegen diese Vorschrift hat der Beklagte jedoch nachweislich verstoßen. Unter Würdigung der beiderseitigen Verschuldensanteile verurteilte das Gericht seinen Kfz-Versicherer daher dazu, sich zur Hälfte an den Aufwendungen des Klägers zu beteiligen.

Kein Kostenrisiko

Hätte der Kläger eine Verkehrsrechtsschutz-Versicherung, könnte er damit von Beginn an zumindest das Kostenrisiko des von ihm angestrebten Gerichtsverfahrens abdecken.

Denn wenn der Rechtsschutz-Versicherer hier Aussichten auf Erfolg sieht und für den Fall eine Deckungszusage erteilt, übernimmt er unter anderem die Anwalts- und Gerichtskosten für die Durchsetzung von berechtigten Schadenersatzansprüchen. Und das auch, wenn der Prozess verloren geht.

Mit einer Vollkasko-Versicherung würde er zudem nicht auf den restlichen Reparaturkosten seines Autos sitzen bleiben, denn diese leistet unter anderem für die Unfallschäden am Fahrzeug, für die kein anderer haftet, wie im geschilderten Fall. Allerdings kommt es dann auch zu einer Höherstufung des Schadenfreiheitsrabatts in der Vollkasko-Police.

Weitere News zum Thema

  • In diesen Städten ist das Motorraddiebstahlrisiko am größten

    [] (verpd) Jeden Tag werden in Deutschland fast 64 Motorräder, Mopeds und sonstige Krafträder geklaut. Besonders hoch ist das Risiko für Kraftradbesitzer in den Großstädten. Doch auch zwischen den Städten geht die Schere hinsichtlich der Wahrscheinlichkeit, von einem Kraftraddiebstahl betroffen zu werden, weit auseinander, wie ein Blick in die aktuelle polizeiliche Kriminalstatistik belegt. mehr

  • Wenn das Auto geklaut oder beschädigt wird

    [] (verpd) Der Preis für einen neuen Pkw liegt meist bei rund ein bis drei Jahresgehältern eines Durchschnittsverdieners. Und auch ein guter Gebrauchter kostet in der Regel mehrere Tausend Euro. Für viele Autobesitzer wäre es daher ein finanzielles Problem, wenn sie nach einem Kfz-Diebstahl oder einem selbst verschuldeten Unfall selbst für den dadurch entstandenen Schaden aufkommen müssten. mehr

  • Worauf beim Vollkaskoschutz für die Reise zu achten ist

    [] (verpd) Viele Autofahrer wollen insbesondere vor einer Fahrt ins Ausland ihr Fahrzeug für die Dauer der Reise durch eine Vollkaskoversicherung geschützt wissen. Dabei kann sich jedoch ein Preisvergleich zwischen einem zeitlich nur begrenzten oder einem dauerhaften Rundumschutz durchaus lohnen. mehr

  • Kfz-Schaden in der Selbstbedienungs-Waschanlage

    [] (verpd) Der Betreiber einer Selbstbedienungs-Autowaschanlage muss grundsätzlich mit einer falschen Positionierung von Fahrzeugen rechnen und dem durch entsprechende Vorkehrungen Rechnung tragen. Das hat das Landgericht Nürnberg-Fürth in einem kürzlich getroffenen Urteil entschieden (Az. 2 O 8988/16). mehr

Weitere News zum Thema

schließen

Link empfehlen

Mit der Inanspruchnahme des Services willigen Sie in folgende Vorgehensweise ein:

Ihre eigene E-Mail-Adresse und die des Empfängers werden nur zu Übertragungszwecken verwendet - um den Adressaten über den Absender zu informieren, bzw. bei einem Übertragungsfehler eine Benachrichtigung zu übermitteln. Um einen Missbrauch dieses Services zu vermeiden, wird Geldtipps.de die Identifikationsdaten (IP-Adresse) jedes Nutzers der versandten E-Mail in Form eines E-Mail-Header-Record (X-Sent-by-IP) beifügen und für einen Zeitraum von zwei Monaten speichern. Sofern Dritte glaubhaft machen, dass sie durch die Versendung eines Artikels im Rahmen dieses Services in ihren Rechten verletzt wurden, wird Geldtipps.de die Identifikationsdaten zur Rechtsverfolgung herausgeben.