Schädigende Autowäsche

 - 

(verpd) Wird ein Fahrzeug in einer Autowaschanlage beschädigt, in welcher der Kunde während der Reinigung in seinem Auto sitzen bleibt, so ist es seine Sache zu beweisen, dass die Beschädigung auf einen Fehler der Anlage zurückzuführen ist. Das hat das Amtsgericht Radolfzell in einem jetzt bekannt gewordenen Urteil entschieden (Az. 2 C 214/11).

Ein Autofahrer wollte seinen Personenkraftwagen in einer Autowaschanlage reinigen lassen. Es handelte sich dabei um eine sogenannte Schleppanlage, bei welcher der Fahrer während des Reinigungsvorgangs in dem Fahrzeug sitzen bleibt.

Am Ende der Prozedur war das Auto zwar sauber, aber der Kfz-Besitzer musste feststellen, dass das Wischergestänge der Frontscheibenwischer beschädigt worden war. Die Reparaturkosten in Höhe von mehreren Hundert Euro machte er gegenüber dem Betreiber der Waschanlage geltend. Nach seiner Meinung war die Beschädigung nämlich nur so zu erklären, dass die Anlage nicht einwandfrei gearbeitet hatte.

Fehlender Beweis

Der Waschanlagenbetreiber bestritt jedoch jegliche Verantwortung. Der Fall landete daher vor Gericht. Dort erlitt der Autobesitzer, der gegen den Waschanlagenbetreiber geklagt hatte, eine Niederlage. Nach Anhörung eines Sachverständigen stand nach Überzeugung des Gerichts zwar fest, dass das Wischergestänge des Fahrzeugs durch eine mitlaufende Dachwalze der Waschstraße beschädigt wurde.

Daraus könne jedoch nicht automatisch auf eine Pflichtverletzung des Beklagten geschlossen werden. Denn nach Aussage des Gutachters ist es denkbar, dass der Kläger während des Waschvorgangs den Scheibenwischer seines Autos betätigt hat und dadurch die Beschädigung verursacht wurde.

Er hätte daher beweisen müssen, dass das nicht geschehen und der Schaden auf einen Mangel der Anlage zurückzuführen war. „Denn bei Waschstraßen, in denen das Fahrzeug mit einer Schleppvorrichtung durch die Waschanlage gezogen wird und der Kunde während der Fahrzeugreinigung im Pkw sitzen bleibt, kann eine Schadenursache auch aus dem Verantwortungsbereich des Kunden herrühren“, heißt es dazu in der Urteilsbegründung.

Keine Umkehr der Beweislast

In derartigen Fällen kann daher keine Umkehr der Darlegungs- und Beweislast zulasten eines Waschanlagenbetreibers erfolgen. Es war nach Meinung des Gerichts vielmehr Sache des Klägers zu beweisen, dass der Schaden kausal durch einen Fehler der Waschanlage eingetreten ist. Da er diesen Beweis nicht erbringen konnte, wurde die Klage als unbegründet zurückgewiesen.

Es ist nicht das erste Mal, dass Fälle beschädigter Fahrzeuge durch Waschanlagen vor Gericht landen. Kann ein Geschädigter nicht nachweisen, dass den Betreiber der Anlage ein Verschulden trifft, so hat er in der Regel schlechte Karten.

Übrigens: Wer als Autobesitzer eine Verkehrsrechtsschutz-Police hat, kann damit von Beginn an zumindest das Kostenrisiko für ein Gerichtsverfahren, wie es hier geschildert wurde, abdecken. Denn wenn der Rechtsschutz-Versicherer Aussichten auf Erfolg sieht und für den Fall eine Deckungszusage erteilt, übernimmt er unter anderem die für die Durchsetzung von berechtigten Schadenersatzansprüchen notwendigen Anwalts-, Gerichts- und Sachverständigenkosten. Und dies selbst dann, wenn der Prozess verloren geht.

Weitere News zum Thema

  • Sicherheit für Schiffe und Freizeitkapitäne

    [] (verpd) Ein Schiff, egal ob Motor- oder Segelboot, kostet in der Regel einiges in der Anschaffung. Auch notwendige Reparaturen nach einem selbst verschuldeten Unfall oder infolge einer Schädigung durch einen Unbekannten können teuer sein. Wer als Bootsführer oder -inhaber einen Unfall verursacht, bei dem ein anderer geschädigt wird, muss unter Umständen sogar um seine finanzielle Existenz bangen. Es gibt jedoch Wassersport-Versicherungen, die vor diesen Kostenrisiken schützen. mehr

  • Autounfall: Wann man auch als Unschuldiger haften muss

    [] (verpd) Blockiert ein Pkw beim Ausfahren aus einem Grundstück fast vollständig einen Radweg, ohne dass gegen Verkehrsregeln verstoßen wird, kann der Kfz-Halter im Fall eines Unfalls mit einem Radfahrer trotzdem aus der Betriebsgefahr seines Autos zur Verantwortung gezogen werden. Das hat das Landgericht Oldenburg mit einem aktuellen Urteil entschieden (Az. 16 S 516/16). mehr

  • Notrufsysteme für Pkws vom Kfz-Versicherer

    [] (verpd) Die deutsche Versicherungswirtschaft hat vor rund einem Jahr ein automatisches Notrufsystem auf den Markt gebracht, das in fast allen Neu- und Gebrauchtwagen eingesetzt werden kann und bei einem Unfall automatisch eine Notrufzentrale informiert. Seitdem sind rund 85.000 dieser sogenannten Unfallmeldedienst-Systeme (UMD) an Autofahrer ausgegeben worden. Einige Versicherer bieten aber auch Telematikboxen an, die als Notrufsystem nutzbar sind. Beide Systeme haben ihre Vor- und Nachteile. mehr

  • So sind Motorrad und Mensch fit die Saison

    [] (verpd) Viele Biker warten sehnsüchtig auf die ersten Sonnenstrahlen im Frühjahr, um wieder ihrem Hobby zu frönen. Damit die ersten Touren und die gesamte Saison unfallfrei verlaufen, sollte der Fahrer sich, aber auch seine Maschine und die Sicherheitsausrüstung auf Vordermann bringen. mehr

  • Für eine einfache Verständigung bei einem Auslandsunfall

    [] (verpd) Jährlich ereignen sich mehrere Zehntausend Unfälle, bei denen ein in Deutschland zugelassenes Auto in einen Unfall im Ausland beteiligt ist. Für die Betroffenen gilt es im Falle des Falles, nicht nur die Ruhe zu bewahren, sondern oft auch Sprachbarrieren zu überwinden und die wichtigsten Daten für eine reibungslose Schadensregulierung zu dokumentieren. Ein mehrsprachiger Unfallbericht hilft dabei. mehr

Weitere News zum Thema

schließen

Link empfehlen

Mit der Inanspruchnahme des Services willigen Sie in folgende Vorgehensweise ein:

Ihre eigene E-Mail-Adresse und die des Empfängers werden nur zu Übertragungszwecken verwendet - um den Adressaten über den Absender zu informieren, bzw. bei einem Übertragungsfehler eine Benachrichtigung zu übermitteln. Um einen Missbrauch dieses Services zu vermeiden, wird Geldtipps.de die Identifikationsdaten (IP-Adresse) jedes Nutzers der versandten E-Mail in Form eines E-Mail-Header-Record (X-Sent-by-IP) beifügen und für einen Zeitraum von zwei Monaten speichern. Sofern Dritte glaubhaft machen, dass sie durch die Versendung eines Artikels im Rahmen dieses Services in ihren Rechten verletzt wurden, wird Geldtipps.de die Identifikationsdaten zur Rechtsverfolgung herausgeben.