Rabattretter: So wird eine Rückstufung nach einem Kfz-Schaden vermieden

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(verpd) Unfallverursacher, die den angerichteten Schaden aus der eigenen Tasche zahlen, können eine Rückstufung der Schadenfreiheitsklasse verhindern. Dies ist in der Regel jedoch nur sinnvoll, wenn es sich um einen Bagatellschaden handelt. Zudem müssen bestimmte Fristen eingehalten werden.

Die Prämienhöhe der Kfz-Haftpflicht- und Vollkasko-Versicherung für einen Pkw errechnet sich unter anderem aus der Schadenfreiheitsklasse (SF-Klasse), die dem Vertrag zugrunde liegt. Diese richtet sich nach der Anzahl der schadenfreien Jahre.

Je länger man schadenfrei fährt, desto höher ist die SF-Klasse und desto besser ist der gewährte Schadensfreiheitsrabatt. So zahlen Pkw-Fahrer je nach Versicherer beispielsweise nach 18 bis 20 schadenfreien Jahren nur noch einen Beitragssatz von 25 oder 30 Prozent des Grundbeitrages. Bei demjenigen, der einen Kfz-Schaden verursacht hat, werden im nächsten Kalenderjahr die SF-Klasse und damit auch der gewährte Schadenfreiheits-Rabatt normalerweise schlechtergestellt.

Trotz Schaden keine SF-Klassen-Rückstufung

Für die Rückstufung der SF-Klasse beziehungsweise des Schadenfreiheits-Rabattes ist nicht die Höhe der Schäden, sondern die Zahl der Unfälle entscheidend. Wer mehrere kleine Bagatellunfälle in einem Kalenderjahr hat, muss daher mit einem höheren Rabattverlust rechnen, als wenn er einen einzigen, teureren Schaden verursacht hätte.

Es besteht jedoch die Möglichkeit nach der Schadenregulierung durch den Versicherer einen oder mehrere Schäden, die bereits bezahlt wurden, selbst zu übernehmen, um eine Rückstufung der SF-Klasse im nächsten Kalenderjahr zu verhindern.

In der Regel beträgt die Frist, in der ein Schaden nach der Schadenregulierung zurückbezahlt werden kann, um eine Schlechterstellung des Schadenfreiheits-Rabattes zu verhindern, sechs Monate. Diese Frist kann je nach Vertragsvereinbarung aber auch länger sein.

Ausnahme: Kleinschäden

Übrigens müssen Kleinschäden von rund 500 € nicht dem Versicherer mitgeteilt werden, wenn sie der Versicherungskunde selbst reguliert. Im Dezember 2012 angefallene Kleinschäden sind in der Regel dem Versicherer bis spätestens 31.1.2013 zu melden, wenn sie von der Kfz-Versicherung reguliert werden sollen. Dies ist eine Ausnahme zur sonstigen Regelung: Nach Angaben des Gesamtverbandes der Deutschen Versicherungswirtschaft e.V. (GDV) müssen nämlich Kfz-Schäden prinzipiell innerhalb einer Woche dem Versicherer schriftlich oder telefonisch gemeldet werden.

Damit Versicherungskunden eine Schlechterstellung der SF-Klasse nach einem regulierten Kfz-Schaden durch eine Rückzahlung vermeiden können, informieren Versicherer in der Regel ihre Kunden, wenn die gezahlte Schadensumme nicht mehr als rund 500 € betrug.

Je nach Unfallanzahl, Höhe des Schadens und drohender SF-Klassen-Rückstufung kann es sich für den Versicherten jedoch lohnen, vom Versicherer bezahlte (Klein-)Schäden zurückzuzahlen oder erst gar nicht zu melden und stattdessen selbst zu regulieren. Ein Versicherungskunde kann daher grundsätzlich beim Versicherer nachfragen, ob es sich für ihn auf lange Sicht auszahlt, einen bereits regulierten Schaden an den Versicherer zurückzuzahlen, einen Kleinschaden selbst zu regulieren oder doch zu melden, damit der Versicherer die Schadenkosten übernimmt.

Vertraglich vereinbarter Rabattschutz

Neben der Rückzahlung eines Schadens gibt es noch eine weitere Möglichkeit, eine Rückstufung im Schadenfall zu verhindern. Einige Kfz-Versicherer bieten in ihren Kfz-Tarifen eine sogenannte Rabattretter- oder eine Rabattschutzklausel an beziehungsweise diese können optional gegen Aufpreis vereinbart werden. Allerdings müssen dafür meist einige Voraussetzungen hinsichtlich der erreichten SF-Klasse und des Alters des Fahrers erfüllt sein.

Bei einem Rabattretter verzichtet der Versicherer nach einem Schadenfall auf eine Erhöhung der Versicherungsprämie im nächsten Jahr. Zwar wird die SF-Klasse zurückgestuft, doch der bisherige Schadenfreiheitsrabatt wird weiter gewährt.

Anders bei einer vereinbarten Rabattschutzklausel: Hier verzichtet der Kfz-Versicherer im Schadenfall auch auf eine Rückstufung der SF-Klasse und damit ebenfalls auf eine Schlechterstellung des Schadenfreiheits-Rabattes. Je nach Vertragsvereinbarung verbleibt im Kalenderjahr nach dem Schaden die SF-Klasse und der Schadenfreiheits-Rabatt auf dem bisherigen Stand oder beide werden sogar so gestellt, wie wenn kein Schaden passiert wäre.

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