Mitschuld trotz Vorfahrt?

 - 

(verpd) Wenn ein Autofahrer sich in eine Einmündung hineintasten muss, weil er keine Sicht hat, muss er die Geschwindigkeit auf ein Minimum reduzieren. Aber auch der Vorfahrtberechtigte muss seine Pflicht zur Vermeidung der Gefährdung anderer Verkehrsteilnehmer wahrnehmen. Das ist der Tenor eines Urteils des Oberlandesgerichts Koblenz (Az. 12 U 649/14).

Eine Frau war mit ihrem Pkw von einer Einmündung aus in eine vorfahrtsberechtigte Straße hineingefahren. Allerdings beeinträchtigte eine Hecke die Sicht. Deshalb fuhr die Autofahrerin nach eigenen Angaben in Schrittgeschwindigkeit. Das reichte aber nicht zur Vermeidung eines Zusammenstoßes aus, als ihr eine andere Dame mit ihrem Fahrzeug auf der vorfahrtsberechtigten Straße entgegenkam.

Zwar hatte die Unfallgegnerin Vorfahrt und fuhr von links in die trichterförmige Einmündung der Straße hinein, auf der die Klägerin unterwegs war, doch gleichzeitig schnitt sie die Kurve und beachtete den von links kommenden Verkehr nicht ausreichend. Da sie durch die Hecke ebenfalls nicht alles sehen konnte, kam es zu dem Unfall, obwohl die Frau auf der nicht vorfahrtsberechtigten Straße nach eigenen Angaben eine Vollbremsung machte.

Beide mitschuldig

Bei der Schuldfrage kam es zum Streit. Die Frau, die auf der nicht vorfahrtsberechtigten Straße unterwegs war und trotz Schrittgeschwindigkeit und Vollbremsung den Unfall nicht verhindern konnte, verklagte ihre Unfallgegnerin. Aus Sicht des Oberlandesgerichts Koblenz waren beide Seiten an dem Unfall mitschuldig. Die Klägerin sei auf jeden Fall zu schnell gefahren, wenn sie noch eine Vollbremsung machen musste.

Angesichts der eingeschränkten Sicht hätte sie nicht mit Schrittgeschwindigkeit fahren, sondern höchstens zentimeterweise bis zum Übersichtspunkt mit sofortiger Anhaltemöglichkeit vorrollen dürfen.

Aber auch die Beklagte hatte sich nach Überzeugung des Gerichts falsch verhalten, weil sie die Kurve geschnitten und den von links kommenden Verkehr nicht ausreichend beachtet hatte. Deshalb hätten beide Fahrzeugführer den Schaden zu gleichen Teilen verursacht und müssten sich entsprechend die Kosten teilen. Eine Revision wurde nicht zugelassen.

Weitere News zum Thema

  • Kfz-Unfall: Video kontra Lügner

    [] (verpd) Aufzeichnungen von Kameras, die in Fahrtrichtung fest auf dem Armaturenbrett eines Autos installiert sind – sogenannte Dashcams – dürfen in der Regel in einem Zivilprozess verwertet werden. Das hat das Oberlandesgericht Nürnberg mit einem Hinweisbeschluss entschieden und damit ein Urteil des Landgerichts Regensburg bestätigt (Az. 13 U 851/17). mehr

  • Fahrerflucht: Hilfe für die Opfer

    [] (verpd) Wer bei einem Verkehrsunfall einen Schaden erlitten hat und diesen nicht beim Unfallverursacher geltend machen kann, weil dieser unerkannt geflüchtet ist oder keinen Versicherungsschutz hat, kann unter Umständen trotzdem eine Entschädigung erhalten. Ansprechpartner ist in solchen Fällen der Verein Verkehrsopferhilfe e.V. (VOH). Dies gilt auch, wenn ein Kfz-Fahrer vorsätzlich mit seinem Fahrzeug Personen- oder Sachschäden herbeiführt. mehr

  • Welche Autos am häufigsten gestohlen werden

    [] (verpd) Letztes Jahr wurden fast 30.000 kaskoversicherte Autos, die in Deutschland zugelassen waren, gestohlen. Die meisten gestohlenen Autos einer Automarke kommen von Volkswagen. Anteilig, also pro 1.000 kaskoversicherte Autos der gleichen Marke, führt Toyota die Beliebtheitsskala der Kfz-Diebe an. Dies geht aus einer kürzlich vom Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft e.V. (GDV) vorgestellten Statistik hervor. mehr

  • Vorsicht, Wildwechsel!

    [] (verpd) Jedes Jahr passieren 230.000 bis 265.000 Verkehrsunfälle mit Wildtieren in Deutschland, welche Sach- und zum Teil auch Personenschäden zur Folge haben. Besonders ab Oktober ist wieder mit einem erhöhten Wildwechsel auf Deutschlands Straßen zu rechnen, daher sollten Kfz-Fahrer besonders vorsichtig sein und wissen, wie sie sich zu verhalten haben, wenn sie ein Tier auf der Straße oder am Straßenrand erblicken. mehr

  • Falls ein Ast auf das Auto fällt und es beschädigt

    [] (verpd) Richtet ein Baum beziehungsweise dessen Äste einen Schaden an, kann die Frage nach der Schadenshaftung unter anderem davon abhängen, wem der Baum gehört beziehungsweise wer für ihn verantwortlich ist. Befindet sich ein Baum in Privatbesitz, sind nämlich geringere Anforderungen an die Verkehrssicherungs-Pflicht zu stellen als bei Bäumen, die sich in öffentlichem Besitz befinden. Das geht aus einem veröffentlichten Hinweisbeschluss des Oberlandesgerichts Oldenburg hervor (Az. 2 U 7/17). mehr

Weitere News zum Thema

schließen

Link empfehlen

Mit der Inanspruchnahme des Services willigen Sie in folgende Vorgehensweise ein:

Ihre eigene E-Mail-Adresse und die des Empfängers werden nur zu Übertragungszwecken verwendet - um den Adressaten über den Absender zu informieren, bzw. bei einem Übertragungsfehler eine Benachrichtigung zu übermitteln. Um einen Missbrauch dieses Services zu vermeiden, wird Geldtipps.de die Identifikationsdaten (IP-Adresse) jedes Nutzers der versandten E-Mail in Form eines E-Mail-Header-Record (X-Sent-by-IP) beifügen und für einen Zeitraum von zwei Monaten speichern. Sofern Dritte glaubhaft machen, dass sie durch die Versendung eines Artikels im Rahmen dieses Services in ihren Rechten verletzt wurden, wird Geldtipps.de die Identifikationsdaten zur Rechtsverfolgung herausgeben.